Aachen will mit Hilfe von Sofortmaßnahmen sauberer werden

Ampelphasen, Verbote, „Wunderasphalt“ : Stadt Aachen ergreift Sofortmaßnahmen für saubere Luft

Die Stadt Aachen will umgehend Sofortmaßnahmen in Sachen saubere Luft ergreifen. Unter anderem ist eine „Umweltspur“ auf dem Adalbertsteinweg geplant. Aber es gibt noch mehr.

Die obersten Verwaltungsrichter des Landes hatten der Stadt jüngst ein paar Hausaufgaben verpasst. „Unverzüglich“ müsse Aachen nun endlich Maßnahmen ergreifen, um die deutlich überhöhten Stickoxidwerte zu drücken – ganz abgesehen davon, dass der aktuelle Luftreinhalteplan für rechtswidrig erklärt wurde und bis Jahresende neu aufgelegt werden muss.

Im Fokus stehen ganz aktuell jene Stellen mit Werten, die am deutlichsten im roten Bereich sind. Die Monheimsallee – durchschnittlicher NO-Wert: 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft; maximal erlaubt: 40 Mikrogramm – gehört in diese Reihe ebenso wie die Jülicher Straße, der Adalbertsteinweg oder auch die Römerstraße. Und siehe da: Ziemlich genau einen Monat nach dem Urteil des Oberverwaltungsgericht präsentiert die Verwaltung nun die ersten „Sofortmaßnahmen“. Das „Sofort“ darf man dabei getrost wörtlich nehmen, denn einen Teil dieser Maßnahmen will man unmittelbar nach der Ratssitzung am 18. September, wo sie final beschlossen werden sollen, in die Tat umsetzen. Zuvor beraten noch der Mobilitäts- und der Umweltausschuss darüber. Die ersten Sofortmaßnahmen sehen so aus:

Ampelschaltung am Hansemannplatz: Die Ampeln am Hansemannplatz sollen anders geschaltet werden. Insbesondere die Staus auf der Monheimsallee vor dem Hansemannplatz – dort, wo sich die städtische Messstation befindet – sollen verringert werden. Zu diesen Staus trägt die Linksabbiegespur in die Jülicher Straße massiv bei. Ist sie voll, blockieren weitere Linksabbieger auch eine Geradeausspur. Deswegen soll die Grünlichtphase für Linksabbieger um zwei Minuten pro Stunde – das macht vier Sekunden pro Grünphase – verlängert werden. „Das bedeutet pro Phase vier bis sechs Fahrzeuge mehr. Das ist schon eine ganze Menge“, sagt Harald Beckers vom Presseamt. Die vier Sekunden müssen natürlich woanders abgeknappst werden. Das geschieht in der Heinrichsallee bei der Grünphase für die drei Geradeausspuren Richtung Monheimsallee.

Sperrungen: Ebenfalls mit Blick auf den Messpunkt an der Monheimsallee soll die Rochusstraße „abgebunden“ werden. Sprich: Von der Sandkaulstraße wird diese Verbindung zur Allee nicht mehr nutzbar sein. Eine weitere Sperrung hat mit der städtischen Messstation an der Jülicher Straße 34/36 zu tun. Dort soll das Abbiegen von der Jülicher Straße in die Hein-Janssen-Straße verboten werden. Auch das soll den Verkehrsfluss verbessern. Als jedoch die Hein-Janssen-Straße umgebaut wurde, war die Einfahrt auch nicht möglich. dadurch staute sich das Blech aber an der nächsten Ampel an der Elisabethkirche umso mehr.

Änderung an der Jülicher Straße: Das Rechtsabbiegen in die Hein-Janssen-Straße soll verboten werden. Das soll den Verkehrsfluss verbessern. Foto: ZVA/Harald Krömer

Ein zweites Maßnahmenpaket soll bis Ende 2019 oder Anfang 2020 folgen, wenn die Bauarbeiten auf dem Adalbertsteinweg, wo es bei Hausnummer 5 eine Landesmessstation gibt, beendet sind. Inhalt:

Umwelttrasse auf dem Adalbertsteinweg: Stadtauswärts soll eine sogenannte Umwelttrasse eingerichtet werden. Laut Verwaltungsvorlage ist ein „Radfahrstreifen mit Freigabe für den Busverkehr“ gemeint. So etwas gebe es ja an anderer Stelle wie an der Peterstraße bereits, erläutert Beckers.

„Wunderasphalt“: Aachen will dem Beispiel Stuttgart folgen. Dort ist im April auf einer stark belasteten Achse versuchsweise „schadstoffmindernder Asphalt“ verarbeitet worden. Auf diesem ist ein Granulat aus Titandioxid aufgebracht, das mittels einer photokatalytischen – also durch Licht ausgelösten – Reaktion Stickoxid in Nitrat umwandelt. In Feldversuchen soll dieser Asphalt eine NO-Verringerung von bis zu 26 Prozent gebracht haben. In Aachen soll er stadteinwärts im Bereich der jetzigen Baustelle auf 4500 Quadratmetern auf dem Adalbertsteinweg verbaut werden. Kleiner Haken: Da die Baustelle nur bis Ottostraße reicht, wird der Asphalt nicht unmittelbar vor der Messstation, die sich im Bereich von Hausnummer 5 befindet, aufgebracht

Parksünder: Einmal mehr will die Stadt zudem mit Kräften des Ordnungsamts verstärkt gegen das Halten in zweiter Reihe vorgehen, das ebenfalls regelmäßig für Staus sorgt. Für den Adalbertsteinweg und die Jülicher Straße soll das „Ladezeiten- und Flächenkonzept“ überarbeitet werden. Denkbar ist laut Harald Beckers über diese Straßen hinaus unter anderem, dass Parkplätze in Anwohnerparkbereichen zeitweise für Lieferfahrzeuge freigehalten werden, damit diese nicht auf der Fahrbahn halten.

Fahrbahnaufteilung Monheimsallee: Im Ideenstadium ist eine „umweltorientierte Änderung der Fahrspur­aufteilung“ in der Monheimsallee, um Rückstaus zu vermeiden. Was da machbar ist und was es bringen könnte, muss allerdings zunächst geprüft werden.

Sammlerobjekt: Städtische Messstationen wie diese sammeln die Daten in Sachen Stickoxid in der Luft. Jene an der Monheimsallee ist jedoch gerade gestohlen worden. Foto: ZVA/Harald Krömer

Über diese Sofortmaßnahmen hinaus geht es natürlich weiter auch ums große Ganze mit Maßnahmen wie Tempolimits und generell solchen Dingen, die „zu einer Änderung des Mobilitätsverhaltens in Aachen beitragen sollen“, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Unter dem Strich sollen schließlich Fahrverbote vermieden werden.

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