Aachen will keine Konzessionen mehr für Altkleidercontainer vergeben

Altkleidersammlung : Sammelcontainer sollen endgültig vom Straßenrand verschwinden

Vor gut elf Jahren hat die Stadt bereits die großen Papiercontainer aus dem Straßenbild verbannt, nun sollen die Altkleidercontainer folgen. Künftig will sie keine Konzessionen mehr für Standorte am Straßenrand vergeben.

Das von der Verwaltung angekündigte neue Standortkonzept für Altkleidercontainer wird nach den nun vorliegenden Plänen viel weitreichender sein als bisher gedacht. Die Stadt will sich demnach nicht nur vom bisherigen jährlichen Losverfahren für die Vergabe von Standortlizenzen verabschieden, sondern die Altkleidercontainer komplett auf private Grundstücke verlegen. Öffentliche Stellplätze sollen demnach tabu sein – zunächst nur testweise für ein Jahr, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Vorhaben von Dauer sein soll.

„Stadtgestalterische Gesichtspunkte“ gibt die Verwaltung als Hauptgrund für diese Entscheidung an. Denn immer wieder stelle man fest, dass die Container auch ein Anziehungspunkt für wilden Müll aller Art sind. Selbst die konzessionierten Sammler seien in den letzten Jahren nicht hinterhergekommen, ihre Stellplätze sauber zu halten und „Überfüllungen“ zu vermeiden, heißt es seitens der Stadt. Unschön seien auch die Graffiti, mit denen die Container regelmäßig besprüht würden.

So soll nun bis Ende des Jahres keine „Sondernutzungserlaubnis“ für die bisher insgesamt 100 Standorte am Straßenrand mehr erteilt werden. Verzichten will die Stadt dafür sogar auf jährliche Gebühreneinnahmen in Höhe von 12.422 Euro. Verwiesen wird seitens der Verwaltung stattdessen auf die Container auf privatem Grund etwa auf Supermarktparkplätzen, an Tankstellen oder auch an karitativen Einrichtungen und Kirchen.

Insgesamt rund 135 solcher privat abgestellten Container hat die Stadt ermittelt, hinzu dürften noch einige weitere kommen, die nicht erfasst wurden oder immer wieder auch illegal abgestellt werden. Mit der Testphase bis Ende des Jahres will die Stadt nun herausfinden, ob das Angebot ausreichend ist. Denn bisher ging man verwaltungsintern stets davon aus, dass eine Stadt wie Aachen rund 250 Altkleidercontainer bereitstellen sollte (pro 1000 Einwohner ein Container).

Auf eine intensive neue Standortsuche muss sich nun insbesondere das Deutsche Rote Kreuz (DRK) begeben, das Anfang des Jahres 100 Container in Aachen abbauen musste und seitdem auf das neue städtische Konzept wartet. Für gemeinnützige Einrichtungen wie das DRK ist die Altkleidersammlung eine wichtige Einnahmequelle. Rund 640 Tonnen Altkleider hat es im vergangenen Jahr am Aachener Straßenrand einsammeln können. Der Verkauf einer Tonne bringt rund 300 Euro ein. Mit dem Erlös werden soziale Projekte finanziert, mit gut erhaltener Kleidung werden zudem die Kleiderläden für Bedürftige bestückt.

Andere soziale Einrichtungen und die beiden großen Kirchen haben sich bereits vor längerer Zeit zur Organisation „Aachen Fairwertet“ zusammengeschlossen und ein gemeinsames Sammelsystem aufgebaut. Aktuell sind deren blau-weißen Container an 33 Stellen der Stadt zu finden, 50 sollen es möglichst noch in diesem Jahr werden, um damit möglichst auch der gewerblichen Konkurrenz das Wasser abzugraben.

Für das DRK begrüßt Vorstand Peter Henrichfreise zumindest, dass sich die Stadt vom jährlichen Losverfahren für die Standortvergabe verabschiedet. Für ihn tut sich nun jedoch die Frage auf, ob es genügend Ersatzstandplätze auf privaten Grundstücken gibt. Aktuell strebe man unter anderem eine Kooperation mit einem großen Discounter an. Auch dort müsse man den Leerungsrhythmus hoch halten, um die Sauberkeit zu gewährleisten, so Henrichfreise. Der Vorteil sei jedoch, dass es bei dauerhaften Kooperationen mit Privaten klare kalkulatorische Grundlagen gebe.

Der Vorschlag der Verwaltung steht in zwei Wochen im Mobilitätsausschuss zur Diskussion, eine Woche später wird der Stadtrat entscheiden.

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