Aachen: Wie entwickelt man Gewerbegebiete im Bestand?

Gewerbeflächen auf Stadtgebiet : „In die Jahre gekommen ...“

Neue Ideen sind dringend gefragt: Wie entwickelt man erfolgreich Gewerbegebiete? Der Bedarf ist extrem hoch. Jetzt suchen Experten Antworten. Jeder darf mitreden.

Die Problematik drängt: Nicht nur die Stadt Aachen benötigt dringend Raum für neues Gewerbe. Die Flächen sind viel zu knapp. Nach aktuellen Berechnungen der Wirtschaftsförderunsgesellschaft Agit hat allein die Kaiserstadt bis 2035 einen Bedarf in Höhe von 223 Hektar – das sind gut 2,2 Millionen Quadratmeter, was der Fläche von rund 320 Fußballfeldern entspricht. Laut Flächennutzungsplan sind aktuell 76 Hektar ausgewiesen; das entspricht gerade mal 108 Fußballplätzen. Viel zu wenig. Deshalb müssen clevere Lösungen her. Auch das ist Thema eines öffentlichen Forums, das am Donnerstag, 24. Oktober, 13.30 bis 18 Uhr, in der Agit an der Dennewartstraße 25-27, in Aachen über die Bühne geht.

„Anhand bundesweiter und regionaler Praxisbeispiele werden die komplexen Problemlagen und Herausforderungen, aber auch innovative Lösungsansätze und städtebauliche Konsequenzen einer nachhaltigen Weiterentwicklung und Aufwertung bestehender Gewerbegebiete vorgestellt“, erläutert Projektmanager Nicolas Gastes. Mit Immobilienexperten, Wirtschaftsförderern und Fachleuten verschiedener Disziplinen werden dann mögliche Ansatzpunkte einer wirtschaftlichen, zukunftsfähigen und umweltverträglichen Qualifizierung von Bestandsgebieten diskutiert.

Denn in der Region – vor allem außerhalb des Aachener Stadtgebiets – gibt es sehr wohl Gewerbeareale, die noch Zustrom vertragen können. Aber auch innerstädtisch bestehen noch Ansiedlungs-Chancen – etwa in Aachen-Nord an der Jülicher Straße, wo ein Privatinvestor in den kommenden Jahren ein 50.000 Quadratmeter großes, marodes altes Industrieareal inklusive der sogenannten Jahrhunderthalle komplett neu entwickeln wird.

Beispielhaft wird Dirk von Bracht vom Dortmunder Umweltamt erfolgreiches Gewerbegebietsmanagement anhand des „Innovation Business Park Dortmund Dorstfeld West“ erläutern. Neueste Forschungsergebnisse unter dem Titel „Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten“ stellt Andrea Hartz vor. Beispiele lokaler Bestandsentwicklung rücken Michael Schmitz (Aachen), Nathalie Becker (Stolberg) sowie Marc Knisch (Alsdorf) in den Fokus. In einer Diskussionsrunde stehen zudem Professor Jan Polivka (Leiter der Forschungsgruppe „Raumbezogene Planung und Städtebau“ am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung), Heinz Weifels (Teamleiter „Bau.Land.Partner“), Etienne Schiffelers (Direktor PWF Projektmanagement BV) und Wirtschaftsexperte Ralf P. Meyer (Agit) Rede und Antwort.

Es geht um verträgliche Nachverdichtung und stadtstrukturelle Defizite, um Umweltkonflikte, Nachbarschaftskonflikte und zuweilen um vermeintlich einfache Herausforderungen wie die verkehrliche Anbindung oder den Ausbau eines leistungsfähigen Breitbandnetzes. Andrea Hartz stellt in ihren Thesen zur „nachhaltigen Entwicklung“ fest: „In älteren Gewerbegebieten konzentrieren sich Defizite und Risiken. Sie gelten als Stiefkinder der Stadtentwicklungspolitik und des Städtebaus.“ Aber es gibt auch Lösungsansätze für diese Herausforderungen – genau diesen widmet sich das anstehende Forum erstmals in konzentrierter Form.