Aachen: Aachen vor närrischer Bewährungprobe

Aachen: Aachen vor närrischer Bewährungprobe

Fettdonnerstagmorgen in Aachen: Der Stadt steht eine jecke Bewährungsprobe vor. Sechs tolle Tage wollen schließlich gefeiert und genossen werden.

Auf dem Markt, auf dem Münsterplatz, in Burtscheid, in Forst und auf d´r Brand beginnt der Straßenkarneval - viele Öcher feiern ausgelassen. Oecher-Penn-Kommandant begrüßt auf dem Markt die Narren und bemerkt freudig: „Na, das ist doch ein Kaiserwetter in der Kaiserstadt.”

Dennoch: Frierend versuchen sich die Wiver auf dem Markt warm zu schunkeln. Aber die Sonne hat es vorgezogen, den Platz hinter der Pennbühne zu erwärmen, während sie die Möhne vor der Bühne im Schatten tanzen ließ.

Kein Wunder, dass die Atmosphäre denn auch eher schattig ist. Der 17-jährige Schüler Timo Meyer kommentiert das Geschehen: „Auch wenn im Moment nur wenig los ist, in Oche ist der Karneval der beste. Die Grundstimmung ist immer super.”

Nur langsam kommen die Jecken auf Temperatur. Die Narren, die nahe am Geschehen stehen, stören sich allerdings nicht an der Kälte, sie lauschen, sie singen mit, sie amüsieren sich zur Marschmusik des Penn-Spielmannzugs, zur Unterhaltungsmusik der Spetzbouve, bei Stimmungssänger Hans Montag, bei der singenden Europapolitikerin Sabine Verheyen und zum Beitrag von Arschpopeng.

Warmherzig wird auch Prinz Alwin I. mit seinem Hofstaat und seiner Prinzengarde empfangen, die wieder mit „Hurratschingbumm” aufmarschiert.

Die 19-jährige Praktikantin Nele Pasch zieht ein Fazit: „Leider ist auf dem Markt immer weniger los, seitdem vor ein paar Jahren Kontrollen eingeführt wurden. Ich finde es toll, dass trotzdem so viele Jugendliche gekommen sind.”

Zaghaft lugt in Burtscheid am Jonastor gegen Mittag die Sonne über den Häuserdächern hervor. Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren hatte die Luft des Kurviertels somit beinahe schon frühlingshafte Temperaturen. Das ist die ausrichtende KG Oecher Spritzemänner bei ihrem Open Air nicht unbedingt gewohnt.

Alles beim Alten bleibt hingegen hinsichtlich der Betriebstemperatur der Jecken, die pünktlich um 11.11 Uhr knackig warm und somit karnevalskompatibel war. Einheizerin spielte traditionell Europapolitikerin Sabine Verheyen, danach durften Spritzemänner-Präsident Werner Dahmen und sein Vize André Lander nacheinander Truppen wie die Jonge vajjen Beverau, Prinz Alwin I. (Fiebus) und Prinz Jens I. (Aretz) aus Richterich empfangen. Den Fußgängerorden verlieh die Spritzemänner-Doppelspitze an ihre Vorgänger Axel Wichterich und Leo Dormanns.

Die Tropigarde zieht es seit Jahren auf den Münsterplatz und zwar stets mit Erfolg. Hier ist eine Menge los. Generalin Sarah Siemons moderiert charmant, die Größen des Öcher Fastelovvend, die aus dem nicht eingetragen Verein des Ostviertels stammen, beispielsweise Josef, Jupp und Jüppchen und die 4Amigos treten selbstverständlich auf. Und auch das, was die weniger bekannten Gardisten auf die Bühne bringen, ist Klasse.

Petrus meinte es gut mit den Jecken in der Stadt. Allein von dem strahlenden Sonnenschein hatten die Narren in Forst kaum etwas. Denn leider liegt der Trierer Platz, auf dem in Forst Straßenkarneval gefeiert wird, vormittags im Schatten, so dass die gefühlte Temperatur vor der Bühne der 1. Forster KG Närrische Elf eher frostig blieb. Im Gegensatz zur Stimmung, die war schon kurz nach elf bestens.

Und gegen die Kälte waren die Karnevalisten ausgezeichnet gerüstet: Dick eingemummelt in Fellkostümen, als Clowns oder Matrosen verkleidet, schunkelten und tanzten sich die Jecken warm. Das Programm auf der Bühne lud aber auch dazu ein. KG-Präsident Jürgen Rehfisch hatte nicht zuviel versprochen, als er zwei Stunden „gute Laune” ankündigte.

Besonders Sängerin Martina Dombrofsky heizte dem Publikum mit Karnevalshits mächtig ein. Und wem immer noch kalt war, konnte sich bei der Polonaise aufwärmen.

Wer dann aber doch etwas kuschligere Temperaturen bevorzugte, der war in den Festzelten in Richterich und Brand gut aufgehoben. Während in Richterich besonders die jungen Karnevalisten anzutreffen waren, war das Publikum in Brand eher gemischt, Ältere, Jüngere, Familien mit Kindern feierten hier gemeinsam - mit einer Besonderheit: Das Zelt der Brander Unterbähner stand in diesem Jahr nicht wie sonst auf dem Marktplatz sondern am Brander Bahnhof. Am Programm hielten die Unterbähner aber wie gewohnt fest. Und so wechselten sich zahlreiche Künstler und Gruppen auf der Bühne ab und sorgten auch im Zelt für die richtige Stimmung.

Auch im Haus der Städteregion, im Finanzzentrum, im Luisenhospital, bei Misereor und in vielen weiteren Behörden, Institutionen und Firmen wurde janz jeck gefeiert. So besuchten der Öcher Prinz Alwin I. und der Richtericher Volksprinz mit jeweiligen Gefolge und Prinzengarden das Aachener Justizzentrum am Adalbertsteinweg. Hier war Stimmung total, obwohl sich die närrische Justitia ins hintere Hinterzimmerchen zum Feiern zurückgezogen hatte. Wahrscheinlich, weil es dort warm, eng und gemütlich war.

Ihren Geburtstag feierte die „Underground”-Party vor 16 Jahren, und seitdem hat sie nichts an Beliebtheit einbüßen müssen. Der Jakobshof platzte förmlich aus allen Nähten - rund 500 Jugendliche drängten sich in die vergleichsweise kleine Location. Bereits um 15 Uhr war die Bude brechend voll.

Durch das ständige Kommen und Gehen der Party-Gäste werden es im Laufe des Tages sogar 800 bis 1000 Jugendliche gewesen sein, die abfeierten. Während einige draußen in der Warteschlange froren um zur begehrten Party eingelassen zu werden, legte ein professioneller DJ im Saal die Musik auf.

Fete im „Underground”

Die „Underground”-Party, organisiert vom Jugendpflegeteam der Stadt Aachen hat ihren Namen noch aus älteren Zeiten: Damals diente nämlich noch die Bushofunterführung als Party-Location. Ausgangsidee war ein Alternativprogramm für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren an Karneval. „Die Erwachsenen feiern ja gerne Karneval, deswegen wollten wir auch etwas für Jugendliche anbieten, natürlich rauch- und alkoholfrei”, erklärt Brigitte Drews aus dem Jugendpflegeteam.

Die Jugendlichen hatten ihren Spaß. Manche waren verkleidet, andere kamen im schicken Outfit. Ein bisschen schade fanden sie es allerdings, dass nicht alle Party-Wütigen in den Jakobshof hinein passten: „Es ist zu klein hier. Meine Freunde sind schon drinnen, und ich muss jetzt draußen warten bis ich rein komme”, beschwerte sich ein Mädchen.