Aachen: Verwaltung schlägt mobile Medienkoffer vor

Schulpolitiker diskutieren am Dienstag : Eine Portion Tablets fürs Klassenzimmer

Kleincomputer für den Unterricht: Gymnasien und Gesamtschulen in Aachen, die bereits ein Medienkonzept fürs Lernen mit digitalen Medien haben oder bald eins vorlegen können, sollen die Möglichkeit bekommen, einen „mobilen Medienkoffer“ anzuschaffen.

Der Inhalt: Tablet-Computer der Firma Apple. Die Schulen sollen mit diesen iPads in die Lage versetzt werden, ihre Digitalkonzepte einigermaßen flott umzusetzen und im Unterricht anzuwenden.

Der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Schule wird diesen Vorschlag am Dienstag dem Schulausschuss präsentieren. Und die Ratsmehrheit aus CDU und SPD steht dem Modell Medienkoffer durchaus positiv gegenüber.

Die Politik diskutiert schon länger über die Digitalausstattung der Schulen in Aachen. Einerseits möchte man Tempo machen bei der Digitalisierung, andererseits läuft die IT-Ausstattung seit Jahren strikt nach Zeitplan und festgelegten Intervallen ab. Das ist frustrierend für alle Schulen, die das geforderte Medienkonzept zügig in Angriff genommen haben und jetzt nicht damit arbeiten können, weil es die nötige Technik erst später gibt.

Bonussystem für Schulen

Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte der Schulausschuss bereits im Herbst 2018 ein Bonussystem beschlossen. Schulen, die ihr Medienkonzept bis zum Ende des laufenden Schuljahrs vorlegen und ohne große Änderungen genehmigt bekommen, können pro Zug 2000 Euro extra für die entsprechende Ausstattung erhalten. Eine fünfzügige Schule mit fünf Klassen pro Jahrgang kann demnach mit 10.000 Euro rechnen. Schulen, die ihr Medienkonzept bis Ende des Schuljahrs 2019/20 einreichen, sollen immerhin noch 1000 Euro pro Zug erhalten.

Der Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt, präzisiert dieses Bonussystem. „Es ist der Wunsch der Politik, die Ausstattung der Schulen zu beschleunigen“, erläutert Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Die klassische Präsentationstechnik fürs digitale Lernen sei nicht von heute auf morgen zu installieren. Da müssten zum Beispiel Handwerker bestellt und technische Voraussetzungen geschaffen werden. Die Tablet-Koffer dagegen sind schnell zu beschaffen und müssen nicht aufwändig installiert werden. Sie sind gut zu transportieren, haben lange Akkulaufzeiten und gelten als wenig reparaturanfällig. „Diese Geräte sind sofort einsetzbar, auch ohne flächendeckendes WLAN“, sagt Brötz. Angesichts knapper Ressourcen in der Verwaltung seien die „mobilen Medienkoffer“ eine „kluge Umsetzungsidee“, findet er. Der Fachbereich spricht in seiner Vorlage für den Schulausschuss sogar von der „Speerspitze der lernförderlichen IT“.

Nun ist Tablet nicht gleich Tablet. Sowohl das Euregionale Medienzentrum als auch die Medienberater des Kompetenzteams der Städteregion haben sich dafür ausgesprochen, in den Schulen einheitlich iPads zu verwenden, unter anderem, weil es kostenlose Apps gebe, die sich „pädagogisch sinnvoll“ in den Fachunterricht integrieren lassen. Tablets anderer Anbieter dagegen unterschieden sich schon in der Konfiguration sehr stark, heißt es – für den Einsatz im Unterricht damit zu kompliziert. Mit dem Bonus, so hat die Verwaltung berechnet, könne eine Schule mindestens einen mobilen Medienkoffer anschaffen, ohne aus dem Schulbudget oder über den Förderverein Geld zuschießen zu müssen. Die Kosten für den Bonus hat die Verwaltung auf 164.000 bis 204.000 Euro veranschlagt – je nachdem, wie viele Schulen ihr Medienkonzept rechtzeitig fertigbekommen.

Ausgeschlossen von dem Bonus-Angebot mit dem Medien-Koffer sollen allerdings die Haupt-, Real- und Förderschulen sein. Sie sind laut Verwaltung gerade erst mit Geräten ausgestattet worden. Und dann gibt es noch das Thema Grundschulen. Dort hatte es Verstimmung gegeben, weil Schwarz-Rot den vorgesehenen Bonus für die Primarschulen im Rahmen der Haushaltsberatungen wieder gestrichen hatte. Begründung: Die Grundschulen seien in den kommenden zwei Jahren ohnehin nach und nach mit neuer IT-Ausstattung dran.

„Ein praktikabler Weg“

Etwas entgegenkommen will man diesen Schulen nun aber offenbar doch. Neben gebrauchten Rechnern aus der Verwaltung erhalten die Schulen turnusmäßig auch jeweils 5000 Euro, die sie zur Umsetzung des Medienkonzepts ausgeben kann. Die Verwaltung schlägt nun vor, auch den Grundschulen zu ermöglichen, aus diesem Budget jetzt schon einen Medienkoffer anzuschaffen. Bei der turnusmäßigen Ausstattung wird das Geld dann allerdings verrechnet. Einen zusätzlichen Bonus gibt es also eigentlich nicht.

Die schulpolitischen Sprecher von CDU und SPD zeigen sich angetan von dem Verwaltungsvorschlag. „Ein praktikabler Weg“, findet Holger Brantin (CDU), zumal das Vorgehen mit der Expertise des Euregionalen Medienzentrums abgestimmt sei. „Ein guter Weg für die Schulen, die sich auf den Weg gemacht haben“, kommentiert Bernd Krott (SPD). „Wenn die Schulen sich die Arbeit gemacht haben, wollen sie schließlich auch mit dem Medienkonzept arbeiten.“ Aachen habe sich vorgenommen, digitale Stadt zu werden, ruft Krott in Erinnerung. „Dann müssen wir diesem Anspruch auch gerecht werden, schon in Kitas und Schule.“

Schulausschuss und Kinder- und Jugendausschuss beraten gemeinsam am Dienstag, 19. März, ab 16.30 Uhr im Fordsaal des Super C der RWTH, Templergraben.