Aachen: Verkauf des Technologiezentrums an Stadtmarken AG abgesegnet

Technologiezentrum wechselt Eigentümer : Knapp 34 Millionen Euro für 14.000 Quadratmeter am Europaplatz

Der Klotz am Bein der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Agit kommt weg. Das 14.000 Quadratmeter große Technologiezentrum am Aachener Europaplatz wechselt den Eigentümer.

Der Agit-Aufsichtsrat hat am Freitag den Verkauf der Immobilie zum Preis von 33,72 Millionen Euro an die Stadtmarken AG abgesegnet. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen der Aachener Familie um Projektentwickler Norbert Hermanns. Die Agit baut indes auf dem RWTH Campus neu.

Es ist ein Befreiungsschlag. Der Aufsichtsrat der Aachener Wirtschaftsförderungsgesellschaft Agit hat am Freitag grünes Licht für den Verkauf des Technologiezentrums (TZA) an der Dennewartstraße gegeben. Agit-Geschäftsführer Lothar Mahnke und Aufsichtsratsvorsitzender Leo Pontzen leiten damit eine neue Ära der 1983 gegründeten Gesellschaft ein. Stattliche 33,72 Millionen Euro soll die Stadtmarken AG der Familie des Aachener Projektentwicklers Norbert Hermanns (Landmarken AG) für die 14.000 Quadratmeter große Immobilie (mit Fluren etc. rund 22.000 Quadratmeter) am Europaplatz zahlen.

Knapp 30 Millionen Euro fließen dann nicht nur in den Kauf des Zentrums für Bio-Medizinische Technik in der Forckenbeckstraße auf dem RWTH Campus Melaten. Direkt daneben entsteht zudem ein Neubau. Auf 8000 Quadratmetern will die Agit ab 2021 wieder als Beschleuniger jungen Unternehmen auf die Sprünge helfen – was in den vergangenen Jahren in dieser Dimension kaum noch möglich war. Zuletzt lag der Mieteranteil von Gründern bei kaum noch sieben Prozent.

Agit-Komplex plus Neubau an der Forckenbeckstraße: Auf dem RWTH Campus Melaten will man knapp 30 Millionen Euro investieren und damit wieder ein schlagkräftiges Gründerzentrum am Herzen der Hochschule realisieren. Foto: agit

„Wir spüren jetzt schon, dass das Interesse an der Agit wieder steigt“, freut sich Aufsichtsrats-Chef Pontzen. Mahnke verdeutlicht: „Wir mussten unbedingt näher an die Hochschule, an den Campus heran. Da spielt die Musik. Dort können wir Gründern mit der modernsten Bürolandschaft Aachens – vom Shared-Space-Büro bis zum ersten Firmensitz – zu günstigen Konditionen perfekte Starthilfe gewährleisten“, erläutert er.

Am alten Agit-Standort waren zuletzt kaum noch Start-ups zu Hause. Obwohl die Immobilie, die 1993 für 48 Millionen errichtet wurde, komplett ausgebucht ist. Seit Anfang September lehrt die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FKöV) auf rund 3000 Quadratmeter in dem Bau. Zwei Millionen Euro investierte man noch einmal in Seminarräume und Hörsäle.

Auf drei Vierteln der Fläche studieren 600 Polizisten, zudem 200 Angehörige von Kommunalverwaltungen. Der neue Eigentümer würde wohl weitere Modernisierungsmaßnahmen für viele Mieter einleiten – vor allem bezüglich der technischen Büroinfrastruktur. Aber auch Erweiterungsbauten – etwa auf dem jetzigen Parkplatz – sind dank Tiefgarage nicht ausgeschlossen.

Apropos: Der letzte sogenannte Gebäudefinger, der erst nach dem mit Landesmitteln geförderten Hauptkomplex an das TZA angebaut wurde, kam die Agit teuer zu stehen. Die Leasingrate stiegt vereinbarungsgemäß Jahr für Jahr – zuletzt auf 700.000 Euro. Mahnke spricht deshalb von einem „Klotz am Bein“ der Agit, der nun der Vergangenheit angehört. „Aus dem Verkaufserlös können aufgelaufene Defizite sowie die Kauf- und Neubauinvestition komplett gestemmt werden“, betont Mahnke.

Wobei der knapp 26 Jahre alte Bürokomplex in dem von der Agit vor Monaten angestoßenen Bietverfahren enorm gefragt ist – sehr technologieorientiert, allerdings nicht für Gründer. Erste Verkaufsvorstöße waren 2017 in der Politik eher verhalten, zuweilen hämisch kommentiert worden. Nun wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Mit den Aachener Wirtschaftsprüfern von Neumann, Schmeer und Partner (NS+P) hatte man 50 Kaufinteressenten angesprochen. Mit zwölf Interessenten wurde verhandelt, in der letzten Bieterrunde gaben sechs Investoren konkrete Gebote zwischen 28 und eben besagten 33,72 Millionen Euro ab.

Den Ausschlag gab für Pontzen und den Aufsichtsrat aber auch das künftige Nutzungskonzept der Stadtmarken AG. „Wir möchten natürlich, dass die Entwicklung des TZA parallel zu den Weiterentwicklungen in Aachen-Nord, gerade in unmittelbarer Nähe des Digital Hub in der früheren Elisabethkirche, fortgeführt wird“, erläutert Mahnke. Die Eigentümerfamilie Hermanns könne dies gewährleisten, heißt es.

Die Agit indes will nun mit ihrer gut 20-köpfigen Belegschaft Teil des RWTH Campus werden – und dort durchstarten. „Nach fünf bis sieben Jahren möchten wir die Gründer dann aus unseren Räumen, bei denen die Mieten bei sieben Euro pro Quadratmeter beginnen, in die Region entlassen“, erklärt Sven Pennings, Abteilungsleiter der Agit-Geschäftsführung.

Geplant ist zudem ein hochmodernes, vollautomatisches „Stapelparkhaus“, das bis zu 16 Autos auf nur 34 Quadratmetern Grundfläche beherbergen kann. Ein Bäcker soll im Erdgeschoss für Wohlfühlatmosphäre sorgen. „Der Standortwechsel ist vollzogen, eine neue Ära beginnt, die Reputation kehrt zurück“, sagt Pontzen. Der Befreiungsschlag gilt jetzt schon als Volltreffer für die Aachener Gründerszene.

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