Aachen: Vapiano will hunderttausende Euro investieren

Gastro-Szene : Vapiano stemmt sich gegen die Restaurantkrise

Nach dem Aus für „Ratskeller“, „Altes Zollhaus“ und „Kohlibri“ werden weitere Schließungen in der Aachener Restaurantlandschaft erwartet. Gerade Systemgastronomen haben es schwer. Jörg Ritter stemmt sich mit „Vapiano“ dagegen. Er setzt auf ein neues Konzept.

Nicht nur prominente Restaurantschließungen wie zuletzt „Ratskeller“, „Kohlibri“ und „Zum alten Zollhaus“ verderben der Gastro-Branche den Appetit. Viele Aachener rechnen damit, dass es bald weitere „Opfer“ gibt. Die Gerüchteküche brodelt – und wird tüchtig angeheizt von Negativ-Schlagzeilen, etwa über die Krise des Systemgastronomen „Vapiano“. Die Aktie hat deutlich Federn gelassen, für sein weltweites Geschäft musste der Restaurantkonzern, der über 230 Restaurants in 33 Ländern betreibt, für das abgelaufene Geschäftsjahr Millionenverluste verkünden: Das hat auch Folgen für den Aachener Standort an der Ecke Franzstraße/Borngasse.

Seit 2009 ist Vapiano-Inhaber Jörg Ritter hier mit Pizza, Pasta, Risotto und Salaten präsent. „Ich werde ständig darauf angesprochen, wann wir schließen – was wir natürlich überhaupt nicht beabsichtigen. Wir stemmen uns mit Vehemenz und unserer ganzen Qualität gegen den Trend. Wir kämpfen und investieren“, sagt der Gastronom. „Bis zum Jahr 2014 haben wir von dem Hype um unser neues Gastronomiekonzept auch in Aachen profitiert. Unsere Gäste standen an Samstagen bis vor die Tür Schlange, das war unglaublich“, erinnert er sich. Rund zwei Millionen Euro hat Ritter in sein Restaurant gesteckt. Er ist Alleininhaber, aber vertraglich an den Franchise-Geber Vapiano gebunden. Das heißt: Der Konzern diktiert die Speisekarte und wirkt auch auf die Preisgestaltung ein. Was lange gut funktionierte.

„Aber der Konzern hat sich verzettelt, ist vor allem im Ausland zu schnell gewachsen – das hat auch hierzulande Auswirkungen.“ Denn die Preisschraube in den Restaurants lässt sich nicht beliebig drehen. „Zehn Euro für Pizza oder Pasta sind eine magische Grenze“, weiß Ritter. Sein Mietvertrag an der Franzstraße 51 läuft über 20 Jahre. Und die zweite Hälfte hat gerade erst begonnen. Unter schwierigen Rahmenbedingungen: „Systemgastronomie in Aachen hat es schwerer als anderswo, vor allem schwerer als in größeren Städten“, sagt Ritter. Er zählt weniger Gäste, hat sein Personal von 80 auf 55 Mitarbeiter reduziert. Vor allem belgische und niederländische Gäste bleiben seit einiger Zeit aus – auch weil ein früherer Vapiano-Mitgründer mit seiner neuen, sehr ähnlichen „L’Osteria“-Filiale am Stadtrand Kundschaft in Autobahnnähe abgreift. Ritter will reagieren. Er will in sein Restaurant nochmals einige hunderttausend Euro investieren, das Gastronomiekonzept so anpassen, dass es keine längeren Wartezeiten mehr vor den Kochstationen gibt und Gruppen gleichzeitig ihr frisch zubereitetes Essen bekommen. Der Trend führt weg von reiner Selbstbedienung.

Generell betrachtet Ritter die Entwicklung des Geschäftslebens in der Aachener Innenstadt aber mit großer Sorge. „Erst stirbt der Einzelhandel, dann die Gastronomie“, sagt er. Es sei einfach zu wenig Kundschaft unterwegs – auch der wachsende Tourismus könne das nicht ausgleichen. „Wer mit dem Auto anreist, wird in Aachen ja in der Regel zuerst von Politessen begrüßt. Das schlägt ebenfalls auf die Stimmung“, klagt er. Er ist überzeugt: „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Gastronomie in Aachen weitere Federn lässt, die Umsätze stagnieren vielerorts.“

Dabei gilt die Systemgastronomie – etwa „dean & david“ und „Alex“ – durchaus als Wachstumsbranche. Viele große Ketten konnten ihre Umsätze auf gleicher Fläche, das heißt ohne so viele Neueröffnungen wie Vapiano, stetig steigern. Allein im vergangenen Jahr hatte Vapiano 30 neue Geschäfte eingeweiht.

Ritter glaubt an das Konzept. Aber er glaubt auch, dass sich Rahmenbedingungen in Aachen schnell verändern müssen, damit die Stadt als lebendige Einkaufsstadt mit vielen gastronomischen Angeboten im Wettbewerb mit anderen Städten überleben kann. „Wir benötigen eine Willkommenskultur für kreative Geschäftskonzepte“, sagt er. Das würde engagierten Gastronomen genauso schmecken wie der anspruchsvollen Kundschaft.

Mehr von Aachener Zeitung