Aachen: UWG unterstützt Initiative von "Aachen unverpackt"

Nachhaltig einkaufen : Bekommt Aachen seinen ersten Unverpackt-Laden?

Wer nachhaltig einkaufen will, kommt in Aachen schnell an seine Grenzen: Fast überall sind Lebensmittel und Hygieneartikel in Plastik verpackt. Der noch junge Verein „Aachen unverpackt“ hofft deshalb auf den ersten „Unverpackt-Laden“ in der Kaiserstadt. Und hat in UWG-Ratsherr Christoph Allemand politische Unterstützung gefunden.

Eigentlich hat Petra Ferreira schon immer möglichst nachhaltig gelebt. Statt beim Discounter Obst und Gemüse zu kaufen, holt sie ihre Lebensmittel im Rahmen der „solidarischen Landwirtschaft“ lieber selbst als „Ernteanteil“ vom Bauernhof ab. Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, betreibt sie Foodsharing. Und auf Verpackungen und Plastik versucht sie weitestgehend zu verzichten. Dass das gar nicht so einfach ist, weiß die Bautechnikerin. Zumal in Aachen die entsprechende Infrastruktur noch ausbaufähig ist.

Während man in Großstädten wie Köln und Berlin gleich mehrere Geschäfte zur Auswahl hat, in denen man Nudeln und Mehl in eigene Gläser oder Dosen abfüllen kann, muss man danach in Aachen lange suchen. Der Verein „Aachen unverpackt“ versucht Gleichgesinnten zwar eine Orientierungshilfe zu bieten. Doch eigentlich haben Ferreira und ihre knapp 30 Mitstreiter des noch jungen Vereins ein noch weitergehendes Ziel: den ersten offiziellen „Unverpackt-Laden“ in Aachen.

Mit diesem Ansinnen hat die überwiegend studentische Gruppe jetzt in Christoph Allemand politische Unterstützung gefunden. Der Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) ist davon überzeugt, dass ein solches Geschäft bei den Aachenern gut ankommen werde. „In Deutschland wird pro Kopf so viel Plastikmüll produziert wie in in keinem anderen Land in Europa.“ Bilder von Müllstrudeln im Ozean gingen um die Welt. Bilder, die die Problematik immer stärker verdeutlichen. Und zeigen, wie belastend unser Lebensstil für den Planeten sei. „Viele sind auf der Suche nach einem nachhaltigen Lebensstil. Dafür wäre der Unverpackt-Laden eine wichtige Hilfestellung“, betont Allemand.

Hoffen auf die Unterstützung von Politik und Verwaltung: Paul Deubner (links) von „Aachen unverpackt“ und UWG-Ratsherr Christoph Allemand. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Da die Mitglieder von „Aachen unverpackt“ selbst nicht über das entsprechende Kapital verfügen, um das Projekt ins Leben zu rufen, schlägt er vor, dass die Stadt ihnen dabei unter die Arme greift. In einem Ratsantrag fordert er die Verwaltung auf, zunächst juristisch zu prüfen, ob in den Haushalten für 2019 und 2020 ein Zuschuss für eine Nonprofit-Initiative eingeräumt werden kann. „Wenn dies möglich ist, schlagen wir vor, dass die Stadt Aachen für einen Zeitraum von 24 Monaten einen direkten Mietzuschuss in Höhe von 75 Prozent (aber nicht mehr als 1500 Euro pro Monat) [...] für die Einrichtung eines ehrenamtlich geführten, nicht gewinnorientierten, aber kostendeckenden (nonprofit) Unverpackt-Ladens im Innenstadtraum Aachens übernimmt“, heißt es in dem Antrag. Eine entsprechende Immobilie müsse noch gefunden werden. Allemand schwebt der „schwer angeschlagene“ Bereich rund um Büchel, Mefferdatisstraße und Großkölnstraße vor.

Der Ratsherr sieht in diesem Konzept eine „Win-win-Situation“. „Von dieser Art von Läden gibt es in Deutschland noch nicht so viele. Aachen kann sich damit also durchaus profilieren“, sagt der Architekt. Als Schirmherrin und Patin des Projekts werde Marcella Hansch, die mit ihrem Projekt „Pacific Garbage Screening“ Schlagzeilen gemacht hat, zur Verfügung stehen, berichtet Allemand. „Aachen unverpackt“ will bei der Umsetzung vor allem beratend unterstützen und ehrenamtlich im Verkauf aushelfen, sagt Paul Deubner. Der Student hat vor gut einem Jahr bereits bei der Gründung eines Unverpackt-Ladens in der niederländischen Gemeinde Zutphen geholfen. Das Geschäft hauptamtlich zu betreiben, dazu sehe sich allerdings kein Vereinsmitglied in der Lage. Wer also am Ende des Tages die Abrechnung für das Geschäft macht, ist damit noch offen.

Am Alexianergraben ist das schon lange geregelt. Dort kümmert sich Theo Arnts darum, Waren mit möglichst wenig Verpackung, ob aus Plastik oder Papier, an den Mann und die Frau zu bringen. Bereits seit 1988 lockt der Naturkost-Mitgliederladen „Querkorn“ seine Kunden. Aus großen Spendern können sie trockene Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Roggen in wieder verwertbaren Gläsern oder Dosen abzapfen – und zwar genau so viel, wie benötigt wird. Kein Plastik drumherum, kein Müll.

Obwohl Arnts und seine Kunden natürlich nicht gänzlich ohne Verpackungen auskommen, so versucht der gebürtige Niederländer doch seinen Teil für die Umwelt beizutragen. „Wir können mit dieser Welt nicht weiter so umgehen wie bisher“, sagt Inhaber Arnts – auch wenn er selbst nicht davon ausgeht, dass die breite Gesellschaft in naher Zukunft ihr Konsumverhalten ändern wird. „Die kommenden 50 Jahre werden spannend“, ist er überzeugt. Allerdings beobachte er schon, dass das Interesse an seinem Geschäfts zunehmend steige. „Wir sind nicht auf Wachstum aus, doch es kommen in letzter Zeit wirklich immer mehr Leute.“

Nicht nur in Aachen beobachten Experten eine erhöhte Sensibilität für das Thema Müll und Müllvermeidung. In Köln werde im Januar der fünfte Unverpackt-Laden eröffnet, berichtet Olga Witt. Sie gründete vor gerade mal zwei Jahren mit „Tante Olga“ den ersten Unverpackt-Laden in Köln – dank Crowdfunding. Rund 48.000 Euro kamen über die Schwarmfinanzierung, die nach dem „Alles oder nichts“-Prinzip funktioniert, zusammen. Eine Methode, die sich auch die Mitglieder von „Aachen unverpackt“ vorstellen können. Am liebsten natürlich in Kombination mit einem Mietzuschuss durch die Stadt.