Aachen: Unternehmensberatung untersucht den Stadtbetrieb

Aachener Stadtbetrieb : Die Eigenständigkeit wird wohl bald beschnitten

Nachdem der Aachener Stadtbetrieb mehrfach mit Negativschlagzeilen aufgefallen ist, hat eine Unternehmensberatung den städtischen Eigenbetrieb genauer unter die Lupe genommen. Jetzt gibt es erste Umstrukturierungsvorschläge.

Der Aachener Stadtbetrieb steht offenbar vor einer größeren Umstrukturierung. Darauf deuten erste Empfehlungen der Unternehmensberatung PKF hin, die im Auftrag der Stadt den als Eigenbetrieb geführten Stadtbetrieb näher untersucht hat. Auslöser waren unter anderem Vorfälle im Recyclinghof an der Kellershaustraße, bei denen der Verdacht von Korruption und Bestechung im Raum stand, aber auch die rasante und fragwürdige Beförderung eines ehemaligen Personalratsvorsitzenden.

Nicht zuletzt für den städtischen Personaldezernenten Markus Kremer ergab sich daraus die Frage, ob es womöglich grundlegende Fehler im System Eigenbetrieb gibt, die solche Vorfälle begünstigen. Inzwischen kann er dazu Entwarnung geben: Nicht die Struktur ist schuld, sondern einzelne Menschen. „Solche Anfälligkeiten gibt es in jedem Betrieb, wenn es um Geld geht.“

Und doch wird die Untersuchung für den Stadtbetrieb mit seinen rund 650 Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern wie Abfallentsorgung, Stadtreinigung, Straßenunterhaltung, Grünpflege oder Winterdienst nicht folgenlos bleiben. Denn zu verbessern gibt es immer etwas, wie Kremer überzeugt ist. Und so hatte die Unternehmensberatung ausdrücklich auch den Auftrag, Empfehlungen zur Weiterentwicklung zu geben.

Noch ist völlig offen, wohin die Reise geht, betont Kremer. Doch die Richtung ist schon zu erkennen. Und demnach werden Teile des Stadtbetriebs künftig wohl wieder näher an die Zentralverwaltung heranrücken. Betreffen könnte dies etwa die Personalentscheidungen, die derzeit in allen Eigenbetrieben noch relativ eigenständig getroffen werden können. Kremer hält es für sinnvoll, dies wieder stärker zu zentralisieren und zu „harmonisieren“. Menschen die im Stadtbetrieb eingestellt werden, könnten schließlich auch für andere Positionen in der Stadtverwaltung interessant werden. Auch müssten einheitliche Maßstäbe für Eingruppierungen, Zulagen oder auch Sanktionen sichergestellt werden.

Änderungen dürfte es aber auch für die Abteilung Straßenunterhalt geben, deren Aufgaben nach Ansicht der Unternehmensberater wieder mit denen des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen zusammengeführt werden sollten. Mehrere Varianten seien denkbar: die Neugründung eines Fachbereichs nach Vorbild des früheren Tiefbauamts, eine Verschmelzung innerhalb des Stadtbetriebs oder auch eine Eingliederung in den Fachbereich Stadtentwicklung. Alles offen, betont Kremer. Und dies gilt auch für die Grünflächenpflege, mit der rund 180 Mitarbeiter des Stadtbetriebs beauftragt sind, und die im wesentlichen dem Fachbereich Umwelt zuarbeiten. Ob die Grünpflege komplett dem Umweltbereich zugeschlagen wird, ist eine Frage, die es ebenfalls noch zu beantworten gilt.

Die Tragweite solcher Entscheidungen sei groß, sagt Kremer, der daher auch möglichst alle Betroffenen einbeziehen möchte, bevor Entscheidungen getroffen werden. Weitere politische Beratungen sind zunächst für Mai und Juni angesetzt, Ende des Jahres hofft er dann die Weichen stellen zu können. Vom Tisch ist aber wohl schon die vollständige Rückführung des Eigenbetriebs in die Zentralverwaltung, die zeitweilig ebenfalls erwogen wurde. „Nicht vorteilhaft“ urteilten die Unternehmensprüfer. Von der jetzigen Debatte um den Stadtbetrieb sind die anderen städtischen Eigenbetriebe wie Kulturbetrieb, Volkshochschule, Theater, Eurogress und Gebäudemanagement laut Kremer nicht betroffen.

Mehr von Aachener Zeitung