Aachen und das Bistum feiern Manfred von Holtum

Dompropst von Holtum verabschiedet : Ein Manager mit Gerechtigkeitssinn

Die Stadt Aachen und das Bistum verabschiedeten sich feierlich vom scheidenden Dompropst Manfred von Holtum.

Der Dom füllt sich rasch. Wer kann, kommt, und der Ehrendienst hat alle Hände voll zu tun, um Gäste auf ihre Plätze zu begleiten – ob NRW-Ministerpräsident Armin Lachet, Oberbürgermeister Marcel Philipp, Freunde, Familie, Menschen, denen der scheidende Dompropst Manfred von Holtum seit vielen Jahren etwas bedeutet. Vor wenigen Tagen konnte er den 75. Geburtstag feiern, jetzt gilt es Abschied vom Amt zu nehmen, das er 2015 übernahm, zuvor allerdings noch Direktor des Caritas Verbandes und Generalvikar im Bistum Aachen war. Er kennt sich aus, lächelt, meint: „Ich bleibe in Aachen, hier fühle ich mich wohl.“ Sein schwarzer Labrador Alkuin, der damals mit ihm in die Propst-Wohnung zog, übrigens gleichfalls.

Das von Manfred von Holtum zelebrierte Hochamt im Dom ist geprägt von all den Gedanken und Zielen, die ihn selbst über den festlichen Abschied hinaus bewegen werden. Spiritualität verbindet von Holtum mit dem energischen Bekenntnis zu einem starken, gerechten Europa. Er kann den Bogen spannen vom suchenden Gläubigen zu den hochrangigen Politikern, die er als „geborenes“ Mitglied des Karlspreis-Direktoriums kennenlernt – und natürlich durch den Dom führte.

Zusammen mit Mitgliedern des Domkapitels, die (so hofft er) bald einen Nachfolger wählen, an der Seite von Generalvikar Andreas Frick und begleitet von Damen und Rittern des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem wird der Einzug in den Dom zum bewegenden Moment. Zwei Domschweizer in traditioneller Kleidung mit Zeremonialstäben in den Händen erwarten die Gruppe – erst kürzlich hat man ihre Kleidung restauriert, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und mit schwarzgelben Akzenten Stifts- wie Stadtfarben zeigt.

Bischof Helmut Dieser sorgt für eine freundschaftliche Begrüßung. Ja, der erste Anruf, den er damals in Sachen Bischofsberufung erhalten hatte, kam von Manfred von Holtum. „Er hatte sofort ein tröstliches Wort für mich“, meint Dieser. „Das hat mir Mut gemacht.“ Er sieht von Holtum als Priester, dem es gelingt, Traditionen zu „verheutigen“, Literatur und Musik in den Dom holt, der Kämpfernatur und starken Willen mit intensiver Seelsorge und Nähe zu den Gläubigen zu verbinden versteht.

Ministerpräsident Armin Laschet schätzt von Holtums Organisationsgeschick hinsichtlich des Welterbes Aachener Dom, aber gleichfalls in sozialen Dingen. „Ob Bundespräsident, französischer Staatspräsident, UNO-Generalsekretär oder Schüler, er ist stets den Menschen zugewandt“, stimmt er in die weitgefächerten Lobreden ein, die Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff sehr persönlich ergänzt:  „Wir haben gute und schwere Jahre seit 1997 gemeinsam durchgestanden.“ Und dann feiert man gemeinsam den Gottesdienst, der vom Mädchenchor am Aachener Dom, einem Bläserensemble und einem sehr moderne Töne anschlagenden Domorganisten Michael Hoppe begleitet wird.

In seiner Predigt zitiert von Holtum kluge Denker und erzählt von frühen Eindrücken, der gefährlichen Erkrankung im 16. Lebensjahr, seiner Mutter, die am Bett wachte und dem Prinzip Hoffnung Gestalt gab, das er so frühzeitig begreifen konnte. „Die Hoffnung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, meint von Holtum, der zudem die Christus-Frage „Für wen haltet ihr mich?“ sehr ernst nimmt. „Das Motto der Heiligtumsfahrt 2021 mahnt uns in vielerlei Hinsicht“, versichert er. Die Feier zum 600jährigen Bestehen der Chorhalle sowie die Festtage, mit denen 40 Jahre Weltkulturerbe Dom gefeiert wurden, haben ihn beeindruckt und ihm die „religiöse und kulturelle Kraft“ des Bauwerks vermittelt, dem „steingewordenen Gebet“, der Marienkirche.

So war für ihn die Förderung des Wettbewerbs „Ein Kleid für Maria“ ein wichtiges Element, um das Gespräch über das im Dom verehrte Gnadenbild zu suchen. Zum festlichen Anlass trägt die Marienfigur deshalb noch bis zum 26. Juni den golden funkelnden Entwurf der Düsseldorfer Künstlerin Heinke Haberland, die mit einem von zwei zweiten Preisen ausgezeichnet wurde. Sie griff zur metallischen Rettungsdecke, die würdiger Mantel und Mahnung an das Elend der Menschen gleichermaßen ist. Im großen Zusammenhang fordert von Holtum ein Europa, in dem Wissenschaft, Kunst, Musik und Glauben zusammen Gutes bewirken. „Der Dom ist eine Brücke dazu, das wird er bleiben“, versichert er.

Beim anschließenden Empfang im sonnig-heißen Quadrum lassen sich manche Aspekte vertiefen. Weihbischof Johannes Bündens übernimmt die Moderation, Oberbürgermeister Philipp lobt den  Dompropst als „Marketing-Manager und authentischen Seelsorger“. Er spricht schlicht den Dank von 250.000 Aachenern aus und verspricht: „Sie können sich gern jederzeit im Rathaus aufwärmen!“

Ralf Müllejans, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung und Mitglied der Dombauhütte, überbringt dem ehemaligen Chef ein Kompliment. Der Dompropst habe sich mit Humor und Gerechtigkeitssinn das Vertrauen aller seiner Mitarbeiter verdient. Und dann noch ein Ständchen, nein, zwei: „Happy Birthday“ und „Viel Glück und viel Segen!“.

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