Aachen: Umzug des Modehauses Sinn ins alte Hortenhaus erst 2021

Moderiese in der Großkölnstraße : Sinn-Gebäude geht’s bald an den Kragen

Der Moderiese Sinn zieht mindestens ein Jahr später ins umgebaute Hortenhaus. Derweil fordern die Grünen bei einer Neuordnung der Immobilien an der Ecke Großkölnstraße/Mostardstraße ein weitreichendes Mitspracherecht für die Stadt. Nach 2021 ist der Abriss tausender Quadratmeter Einzelhandelsfläche sehr wahrscheinlich.

Der Baukörper ist aus der Mode gekommen – in doppelter Hinsicht. Deshalb scheint ein Abriss des Gebäude-Komplexes, der in unmittelbarer Marktnähe an der Ecke Großkölnstraße/Mostardstraße seit Jahrzehnten das renommierte Modehaus Sinn beheimatet, unausweichlich. Ende 2020 sollte Sinn ins dann komplett umgebaute ehemaligen Horten-Haus an der Komphausbadstraße umziehen. Nach Auskunft des Geschäftsführers von Sinn Deutschland, Friedrich-Wilhelm Göbel, verzögert sich der Umzug aber aufgrund leicht veränderter Bauplanungsschritte um rund ein Jahr. Ein Nachmieter für die dann verlassenen tausenden Quadratmeter Einzelhandelsflächen auf bis zu vier Etagen ist dennoch nicht in Sicht.

Sinn residiert derzeit auf zwei Grundstücken und in Gebäuden, die vor Jahren bautechnisch miteinander verbunden wurden. Das Eckgrundstück – gut 2500 Quadratmeter mit insgesamt etwa 7000 Quadratmetern Nutzfläche auf vier Etagen – gehört einem spanischen Investor. Der Grundstücksriegel daneben zwischen Großkölnstraße und Neupforte – etwa 3000 Quadratmeter Boden und 5000 Quadratmeter auf drei Etagen – gehört dem Aachener Stephan Baldin. Die eigentlichen Verkaufsflächen sind aufgrund des verschachtelten Interieurs aber deutlich kleiner.

Tage der in die Jahre gekommenen Immobilie gezählt

Baldin ist längst bewusst, dass die Tage der in die Jahre gekommenen Immobilie gezählt sind – und dass man auf veränderte Rahmenbedingungen für den innerstädtischen Einzelhandel reagieren muss. „Uns als Eigentümern ist klar, dass eine Immobilie, deren letzte grundlegende Erneuerung 1984 war, weiter entwickelt werden muss“, betont der Immobilienexperte auf Anfrage unserer Zeitung. Baldin stellt klar: „Wir diskutieren seit Jahren mit Mieter, Politik und Verwaltung, wie das aussehen soll. Eine konkrete Umsetzung ist erst dann möglich, wenn wir definitiv wissen, wann Sinn auszieht.“

Die bestehenden Mietverträge laufen dem Vernehmen nach für einige Gebäudeteile bis Anfang 2022, für andere bis Ende 2023. Umfassende Umbaupläne wurden in den vergangenen Jahren mehrfach verworfen. Eine Sanierung würde extrem hohe Summen verschlingen – und einen Schulterschluss einerseits des spanischen und andererseits des Aachener Eigentümers voraussetzen.

Die wahrscheinlichste Lösung ist ein Abriss des Komplexes. Ein moderner Neubau – beziehungsweise zwei Neubauten der zwei Grundstückseigentümer – könnten ein Hotel, Praxis- und Büroetagen, Wohnungen und lediglich im Erdgeschoss Einzelhandelsflächen vorsehen. Für mehr besteht auch an dieser zentralen Stelle in Aachen nach Expertenmeinung kein Bedarf. Baldin kennt die Lage – und dem Aachener liegt eine wertige Vitalisierung des Areals am Herzen. „Künftige Nutzungen müssen logischerweise der Bedeutung als Teil des Kernzentrums der Stadt Aachen gerecht werden“, erklärt er.

„Qualitätsvolle Architektur“ gefordert

Deshalb spricht aus seiner Sicht auch wenig gegen einen aktuellen Ratsantrag der Grünen-Fraktion. Auch wenn damit kein einziger Leerstand in der Aachener City wirksam bekämpft wird. Aber es geht um Planungssicherheit. „Hier wird eine wichtige und große Fläche im Herzen der Stadt frei – die im Denkmalbereich Altstadt liegt“, erläutert Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Aachener Grünen. „Die Fläche umfasst mehrere Gebäude und Grundstücke, einen Steinwurf von Rathaus und Markt entfernt, mitten in der Altstadt. Wir brauchen eine qualitätsvolle Architektur“, sagt Architekt Rau.

Wobei er durchaus weiter denkt. Denn in unmittelbarer Nähe hatte der Parkhausbetreiber Contipark an der Großkölnstraße bereits eine Überbauung des größtenteils unterirdischen Parkhauses mit mehreren Wohnetagen ins Auge gefasst. Und direkt neben der Citykirche befindet sich eines der Lieblingsobjekte der Grünen. In dem alten Umspannwerk, das in Händen der Stadt ist, würde die Partei gerne für viele Millionen Euro eine Markthalle realisieren lassen.

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Erst muss man abwägen, was genau wo, wie und wann entstehen kann – ohne die sogenannte „Nachverdichtung“ beklemmend eng zuzulassen. Also will die Politik ein entscheidendes Wort mitreden – wozu die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert werden müssten. „Daher beantragen die Grünen nun in einem Ratsantrag, einen Bebauungsplan (B-Plan) für den gesamten Block Mostard-, Großkölnstraße/ Neupforte aufzustellen. Der soll die Möglichkeit bieten, die Folgenutzungen und Folge-Bebauungen als Stadt mitzusteuern“, teilt die Fraktion mit.

Renditeverluste durch Rückzug des Einzelhandels

Der Ratsantrag mit dem Titel „Aufstellung eines Bebauungsplans für den Block Mostardstraße/Großkölnstraße/Neupforte“ würde in die Ratssitzung am 19. Juni eingebracht und bei entsprechendem Votum von dort in die entsprechenden Gremien – Planungsausschuss und Bezirksvertretung Aachen-Mitte – zur weiteren Beratung verwiesen.

Für Eigentümer bedeutet der Rückzug des Einzelhandels indes weitere Renditeverluste. Hochwertige Handelsflächen werden in diesem Bereich nach Informationen dieser Zeitung deutlich unter 40 Euro pro Quadratmeter angeboten. Trotzdem greift der Leerstand weiter Raum. Weil lokaler Handel mancherorts eben aus der Mode kommt.

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