Aachen: Traditionsgaststätte nach Renovierung wiedereröffnet

Gastronomie : Der Postwagen kommt jetzt wieder in Fahrt

Der Postwagen in Aachen rollt wieder. Vier Monate gaben die Handwerker den Ton in der Traditionsgaststätte an, nachdem der frühere Ratskeller-Chef Maurice de Boer seinen Abschied gegeben hatte.

Jetzt führt das neue Team um Geschäftsführer Armin Geiger mit Thekenchef Mohammed Lahrache die Tradition in dem urwüchsigen Holzbau fort, der am Granusturm des Rathauses am Markt klebt. „Hauptunterschied zu den vergangenen Jahrzehnten ist die neue Technik, die wir in das historische Interieur des Postwagens implantiert haben“, erklärt Geiger. Moderne Schanktechnik, neues Leitungssystem, Kühlbüfett – das alles steckt drin, von außen sieht’s (fast) aus wie früher. Holzvertäfelung und Mobiliar – mit Ecken, Schrammen und Kanten – sind geblieben. Ganz zart setzte Geigers Mannschaft Farbakzente im Erdgeschoss mit einem dunklen blau-grauen Wandton. Hochzeitszimmer und Doktorzimmer im Obergeschoss erhielten ebenfalls einen frischen Anstrich, dazu Accessoires wie Kräuterbilder und Apothekergläser. Seinen Charme hat der Postwagen konserviert.

Der Postwagen gilt als eines der touristischen Wahrzeichen der Kaiserstadt – er existiert seit 360 Jahren. Drei Jahre nach dem Stadtbrand, dem 4200 Gebäude Aachens zum Opfer fielen, wurde das Holzhaus im Jahr 1659 vollendet. Es wurde neben einem dreigeschossigen Ziegelbau über die Jahrhunderte als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts verpachtete die Stadt, an die die Immobilien am Rathaus 1875 gefallen waren, das Haus als Restaurationsbetrieb. Es sollte „Eulenspiegel“ heißen, war aber als „Postwagen“ bekannt. Es gab bürgerliche Küche mit Bier- und Weinausschank. Vor allem Akademiker, Studierende und Touristen fühlten sich hier wohl. Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Holzbau erhebliche Schäden. Nach der Instandsetzung Ende der 40er Jahre entwickelte sich der Postwagen wieder zum Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische. Angeschlossen wurde die Küche des Ratskellers nebenan.

Das edle Restaurant unter dem Rathaus will Geiger im Laufe des Frühjahrs 2020 nach einigen Umbauten wieder eröffnen. Bis dahin steht die Küche den Gästen im Postwagen aber schon zur Verfügung. 80 Gäste finden in den engen Räumen Platz, vor der Tür gibt es Außengastronomie für einige Dutzend Gäste und dazu – das ist neu – ein Ausschankfenster über einer Podesttreppe für Glühwein und Bier Richtung Fußgängerzone aus dem Thekenbereich.

Geschäftsführer Armin Geiger und Barkeeper Mohammed Lahrache feiern im urigen Postwagen direkt am Rathaus auf dem Markt Wiedereröffnung. Foto: Andreas Steindl

Am Tisch servieren die Kellner  feine Hausmannskost: Kartoffelsüppchen, Häppchenteller mit Schinkensülze, Rinderroulade und Schweinefleisch in Dunkelbiersoße zum Beispiel. „In den kommenden Wochen erweitern wir die Karte – ganz sicher zur Vorweihnachtszeit mit Wild- und Gänsegerichten“, sagt Geschäftsführer Geiger.

Das schönste Geschenk zum Fest hat man sich indes schon gemacht: „Es ist gelungen, das historische Ambiente zu konservieren und trotzdem die Gastronomie dank moderner Technik in die Zukunft zu führen. Auf diese Teamleistung sind wir stolz“, sagt Geiger. Auch der Wirt versteht sein Handwerk.