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Aachen: Traditionelles Fischhaus Frohn im Rotlichtviertel ist saniert

„Fischhallen Germania“ : Der Fischer hat wieder ein intaktes Netz

Die Fischhallen Frohn in der Mefferdatisstraße erstrahlen nach einer halbjährigen Sanierung wieder in neuem alten Glanz

Noch ein weiteres Jahr ohne aufwendige Sanierung der altehrwürdigen „Germania Fischhallen“ an der Ecke Antoniusstraße/Mefferdatisstraße, dann hätte es mit dem Denkmal eines repräsentativen Jugendstilhauses, das den Öchern seit seinem Bau im Jahr 1905 als „Fisch Frohn“ ein Begriff ist, richtig schlecht ausgesehen. Es drohte schlicht, zu zerfallen.

„Wir haben die Grundsubstanz und insbesondere die originalen Eisenträger im Mauerwerk dringend sanieren müssen“, berichtet Architekt Dieter Bystrich im Beisein des Kölner Bauherrn Rudolf Runge, der das Objekt zum ersten Mal nach der Grundsanierung und dem Abbau der Gerüste in Augenschein nimmt. Hier und da weist der Unternehmer auf einzelne Intarsien hin, findet noch ein paar wenige Ecken, an denen etwas nachzuarbeiten ist. Doch insgesamt zeigt sich Runge trotz der erheblichen Kosten – „Wir haben einen mittleren sechsstelligen Betrag aufwenden müssen“ – sehr zufrieden.

Neben der ästhetischen Ausstrahlung des Objektes, in dem sich zurzeit zwölf Wohneinheiten befinden, die nach und nach renoviert werden sollen, setzt der Kölner auf einen Schub, den die ambitionierten Neubaupläne des gesamten Nikolausviertels bringen werden. Allein: „Wann geht es weiter“, fragt sich wie viele in Aachen auch der Kölner Investor. Immerhin begrüßt er, dass der Leerstand des ehemaligen „Lust for Life“-Gebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft bald mit dem Modehaus Sinn wieder belebt werden wird.

Den Deal um die Germania-Fischhallen eingefädelt hatte der Aachener Investment-Manager Heiko Saeger. Auch ihn treibt der Stillstand im Bereich Büchel um. „Ich habe mit den Politikern gesprochen. Dort habe ich auch den Vorschlag gemacht, das Problem mit der Bordellnutzung nicht durch ein simples Laufhaus, sondern durch eine Hofanlage mit einem Innenplatz zu lösen, man könnte sie einfach ‚Antoniushof‘ nennen“, schlägt Saeger vor.

Auch der Fischer wieder ein intaktes Stucknetz. Foto: ZVA/Harald Krömer

Ein halbes Jahr Arbeit

Die Restauration der Fischhallen-Fassade ging flott voran, kaum ein halbes Jahr war nötig. Die Arbeiten hätten in großem Einvernehmen mit dem Fachbereich Denkmalschutz stattgefunden, großes Lob gebühre der zuständigen Fachfrau Claudia Ellenbeck, betonen Architekt Bystrich und Bauleiter Paul Jansen gleichermaßen. Rund 1000 Klinker habe man per Handarbeit in Leipzig fertigen lassen, die Embleme auf der Fassade seien per Hand säuberlich nachgearbeitet worden. Der Stuck an der geschwungenen Eckfassade musste abgefangen und erneuert werden, darin befanden sich jene Stahlträger, deren Zustand so katastrophal war.

An der Fassade hänge seit mehr als 100 Jahren in einer schönen Stuckarbeit eine Fischer-Figur mit einem Fischernetz in den Händen, leitet Dieter Bystrich die Aufmerksamkeit auf ein Detail. „Als wir dieses Netz im Originalzustand anfassten, zerbröselte es umgehend in seine Bestandteile“, beschreibt der Architekt den Zustand. Im Stadtarchiv hatten die Architekten alte Detailzeichnungen des Gebäudes ausgegraben, nach denen sich zum Beispiel im Keller der Fischhalle bei der Eröffnung 1905 ein Pferdestall befand. Neben dem Stall, der mit einem „Heuaufzug“ ausgestattet war, befanden sich unmittelbar die Lager- und Zubereitungsräume für den Fischverkauf im Erdgeschoss des Geschäftes von Wilhelm Frohn.

Im ersten Obergeschoss lag die Wohnung, in der der letzte Betreiber der Fischhalle, Willi Frohn, 1978 in seinem Bett ermordet wurde, von einem seiner Mitarbeiter übrigens. Ab da veränderte sich die Nutzung, passte sich dem Umfeld an. Eine Peep-Show zog bereits 1979 an der Seite des Gebäudes zur Antoniusstraße ein, noch heute ist dort ein Table-Dance-Geschäft, während sich vorne ein griechischer Grill befindet.

Dieser Zustand müsse nicht immer so bleiben, so Runge. „Ich kann mir hier durchaus ein hochklassiges Fischrestaurant mit einem Verkauf vorstellen“, dachte er laut. Allerdings erst, wenn das Viertel aus seiner Schmuddelecke herauskommen sei.