Aachen testet neue Verkehrsführung am Theaterplatz

Woche der Mobilität : Die Stadt schafft Platz am Theater Aachen

Die Überlegungen, das verkehrsumtoste Aachener Theater aus seiner Insellage zu befreien und einen neuen möglichst autoarmen Platz mit mehr Grün und Außengastronomie zu schaffen, geistern seit Jahren durch die Stadt. Jetzt sollen erstmals Fakten geschaffen werden. Anlässlich der „Europäischen Woche der Mobilität“ geht das Vorhaben in den Praxistest.

Unter dem Schlagwort „Modellversuch: Mehr Platz am Theater“ wollen die städtischen Planer in der Woche vom 16. bis 22. September Erfahrungen mit einer neuen Verkehrsführung sammeln. Zugleich soll den Bürgern vor Augen geführt werden, was sie sich von einer neuen Flächenaufteilung erhoffen können.

„Mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität“ verspricht ihnen schon jetzt der „Runde Tisch Radverkehr“, der mit den Planungen beauftragt worden ist und mehrere Programmpunkte zusammengestellt hat, die den Menschen auf einer fast 700 Quadratmeter großen Freifläche auf Zeit geboten werden. Umgewöhnen müssen sich dafür alle Autofahrer, die in dieser Zeit stadteinwärts am Theater vorbei wollen: Statt nach rechts müssen sie auf die linke Seite zusteuern. Der Parkstreifen entlang der rechts gelegenen Geschäfte wird komplett geräumt.

Die so gewonnene Fläche wird zum Veranstaltungsbereich umfunktioniert, wie Gisela Nacken für den „Runden Tisch“ mitteilt. Gastronomen werden dort ihre Tische und Stühle aufstellen, viele Liegestühle sollen zum Entspannen und Verweilen einladen, zudem gibt es täglich ab 17 Uhr Lesungen, Sketche oder Musik und ab 18 Uhr Talkrunden, die sich mit dem Thema Verkehr in der Stadt befassen. Beteiligt sind daran die Verkehrsverbände ADFC und VCD, Greenpeace sowie die Initiativen Hirschgrün und Fridays for Future.

Der Stadtbetrieb will die Fläche mit Hecken und Sträuchern umrahmen. Daneben wird eine Fahrspur freigehalten, die ausschließlich Linienbussen und Radfahrern vorbehalten bleibt.

Mit dem Modellversuch hoffen die Planer Erkenntnisse für eine größer angelegte Umgestaltung der Theaterstraße und des Theaterplatzes zu gewinnen. So besteht in allen Fraktionen seit längerem Einigkeit darüber, den Autoverkehr aus dem einstigen Prachtboulevard zurückzudrängen, mehr Ruhe in diesen Teil der Stadt zu bringen und den Theaterplatz enger mit dem Bereich Elisenbrunnen zu verknüpfen. Der Autoverkehr soll dann auf Dauer zweispurig an nur einer Seite des Theaters vorbeigeführt werden.

Foto: ZVA/Grafik

Solche Themen würden oft sehr emotional diskutiert, weiß man bei der Stadt. „Viele Bürger bezweifeln, was die Fachleute sagen“, meint Harald Beckers vom Presseamt. Daher sei es gut, dass man sich nun vorab schlau mache und in der Praxis testet, ob es funktioniert.

Im nächsten Jahr will die Verwaltung nach jetzigem Planungsstand dann erste Planungsvarianten vorlegen, die nach den politischen Beratungen im Folgejahr in die konkrete Planung gehen und zur Städtebauförderung angemeldet werden sollen. Derzeit sind Umbaukosten in einer Gesamthöhe von rund 8,8 Millionen Euro eingeplant. Den Fußgängern soll dann entlang der gesamten Theaterstraße mehr Platz zum Flanieren gegeben werden, für Radfahrer sind sichere Spuren vorgesehen. Vierspurig wird die Theaterstraße dann nicht mehr zu befahren sein. Auch Parkplätze werden aller Voraussicht nach wegfallen.

Mit Protest muss also gerechnet werden. Der Gewinn für die Stadt aber sei groß, sind die Planer überzeugt. Die Theaterleitung drängt seit langem auf eine Umgestaltung des Theatervorplatzes. Auch der Bauherr des neuen Hotels am Kapuzinergraben hat sich jüngst für einen fußgängerfreundlichen Umbau und einen „Platz für Begegnungen“ ausgesprochen.

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