Aachen: Tag des offenen Denkmals fest in Kinderhand

Tag des offenen Denkmals : Nachwuchs verblüfft mit erstaunlichen Erkenntnissen

„Toll, wie sie das machen“, schwärmt Sandra Pahl. Dass Kinder auch lernen, wo sie leben, hält sie für eine großartige Idee. Und zum Tag des Denkmals bekamen die Schüler der vierten Klassen der Katholischen Grundschule Michaelsbergstraße Gelegenheit, ihre Kenntnisse als Stadtführer an den Mann zu bringen.

„Wir haben immer schon in der dritten Klasse über Burtscheid gesprochen“, sagt Klassenlehrerin Helga Noppeney. Die Jungen und Mädchen machten sich dabei mit unterschiedlichen Themen vertraut und waren dann jeweils so begeistert von den Ergebnissen, dass sie ihre Arbeiten auch immer gerne ihrer Familie und ihren Freunden zeigten. Mit Michael Prömpeler, Aachener Geschichtsverein, entwickelte sich daraus laut Noppeney die Idee, das Material in Form einer kleinen Führung aufzubereiten. Und das Ergebnis stellten die Jungen und Mädchen jetzt beim Tag des offenen Denkmals vor.

Am Markt versammeln sie ihre Gäste rund um den Thermalbrunnen aus rot-brauner Keramik. „Das Wasser ist 74 Grad Celsius warm“, erzählt ein Junge, bevor die Zuhörer dann einen Finger unter den warmen Strahl halten. „Iiii pfui“, ruft ein Mädchen aus, nachdem sie das salzige Wasser probiert hat. Ob es auch nach Schwefel schmeckt, darüber sind sich die Besucher nicht so recht einig.

Zwölf Stationen haben die Jungen und Mädchen mit Hilfe des Aachener Geschichtsvereins vorbereitet. Und auch wenn sie ihre jeweiligen Spezialgebiete eigentlich auswendig kennen, vertrauen sie am Tag der Führungen dann doch auf ihre Aufzeichnungen. Denn sie sind schon ziemlich nervös, wie sie selber unumwunden einräumen. Den Besuchern gefällt vor allem der Gedanke, dass hier Kinder als Stadtführer unterwegs sind. „Wir haben im Programm zum Tag der offenen Tür dieses Angebot entdeckt und uns sofort dafür entschieden“, sagt ein Herr, der mit seinem Sohn und dessen Familie unterwegs ist. Und auch alle anderen Zuhörer haben offensichtlich ihre Freude am Vortrag der Kinder.

Emma Schlöffel hat den Part der Einführung übernommen und erzählt den Zuhörern erst vom Ursprung des Namens Burtscheid, bevor es dann weitergeht zu den Wohnhäusern der Michaelsbergstraße. Emmas Mitschülerin lässt die Enge der Wohnungen zu Hochzeiten der Tuchindustrie lebendig werden. „Viele Familien nahmen sogenannte Fremdschläfer auf“, führt sie aus, „und nicht selten haben zehn Personen in einem einzigen Zimmer geschlafen.“ Die Gäste kamen demnach aus der Eifel und arbeiteten in den Nadelfabriken. „Zu essen gab es meist nur kalten Brei“, ergänzt ein Junge.

Station für Station führen die Jungen und Mädchen ihre Gäste in die Besonderheit ihres Stadtteils ein. Sandra Pahl findet das nach wie vor ganz wunderbar und ist vor allem auch von der Leistung ihrer Tochter Emma als Stadtführerin begeistert. „Ich bin zwar in Burtscheid groß geworden, trotzdem habe ich hier heute noch etwas dazugelernt“, sagt sie. Selbstverständlich dazu gehören Sehenswürdigkeiten wie die Michaelskirche, die Abteikirche, das ehemalige Rathaus, das Schwertbad mit der Geschichte seiner Namensgebung, das Abteitor und die bewegte Geschichte der Abtei.

„Die Abtei wurde vor über 1000 Jahren gegründet“, erzählt ein Schüler. „Aus dem ursprünglichen Benediktinerkloster wurde später ein Frauenorden, der im Laufe des Jahres immer größer wurde“, fährt er fort. Und hier und da geben die Kinder hilfreiche Erklärungen für ihre jüngsten Gäste: „Ein Abt ist der Leiter eines Klosters“, heißt es da beispielsweise.

Und schließlich lenken die Jungen und Mädchen die Blicke ihrer Zuhörer auf die goldene Kugel hoch oben am Kirchturm der Abteikirche. Dass die einen Durchmesser von einem Meter hat, scheint bereits allgemein bekannt zu sein, aber dennoch: Von unten sieht sie wirklich nicht so groß aus. Die Rosenquelle im Kurgarten lässt die Gäste schließlich staunen: Das stetig fließende Wasser hat ein Gebilde aus Kalk und Algen hervorgebracht, dass wie ein eigenes Kunstwerk anmutet. Wer will kann sich hier auch per Knopfdruck über die Besonderheiten der Quelle informieren lassen.

Schließlich legt der ein oder andere mit der gebotenen Vorsicht die Hand in die Öffnung, und lässt sich das heiße Wasser über die Finger laufen: Aber nicht zu lange, denn schon geht es weiter zur nächsten Station...

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