Aachen: Tag des offenen Denkmals am 8. September im Zeichen der Moderne

Tag des offenen Denkmals : Spannende Exkursionen auf den Spuren der Baukunst

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, wird – diesmal unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ – wieder ein umfangreiches Programm geboten. Rund 40 Stationen aus unterschiedlichsten Epochen stehen auf der Agenda. Neben Führungen und Vorträgen gibt es eine Bus-Rundfahrt an der Grenze, eine Exkursion durch Burtscheid und vieles mehr.

Wie ein „Ding aus einer anderen Welt“, ein gigantisches futuristisches UFO, mag den Zeitgenossen der große, fast quadratische Gebäudekomplex im Herzen Burtscheids vor fast 90 Jahren erschienen sein. Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1930 – entstanden unmittelbar nach seiner Entstehung – macht diesen Eindruck auch heute nachvollziehbar.

Auf dem Schwarz-Weiß-Foto thront das „Haus auf der Siegelhöhe“, wie man es damals nannte, in seiner radikal schlichten, zugleich zeitlos eleganten und imposanten Architektur inmitten kaum wahrnehmbarer Gartenanlagen, die wie eine riesige graue Brachfläche anmuten, am Rande der Robert-Schuman-Straße, die damals noch Raerener Straße hieß. Nicht von ungefähr residiert dort seit Jahr und Tag die Katholische Hochschule Aachen (Katto), die anno 1971 aus der ehemaligen Sozialen Frauenfachschule, eben jenem Haus nahe Siegel, hervorgegangen ist.

Längst von dichter Bebauung umgeben, kommt der besondere stilistische Reiz des Gebäudes, mit großen Fenstern, gläsernem Treppenhaus und einem wunderbar begrünten Innenhof, inzwischen kaum noch recht zur Geltung. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, soll sich das gründlich ändern – hoffen nicht nur Frank Martin, Verwaltungsleiter der Katho, und Monika Krücken, Leiterin der städtischen Abteilung Denkmalpflege.

Denn das „Haus auf der Siegelhöhe“ gilt als einer der exponiertesten Profanbauten, die der seinerzeit hochrenommierte Baumeister Rudolf Schwarz in der Region geschaffen hat, erläutert Martin beim Ortstermin aus gegebenem Anlass. Schwarz (1897-1961) hat vor allem als Schöpfer zahlreicher moderner Kirchen – darunter St. Fronleichnam in der Düppelstraße – wichtige architektonische Akzente gesetzt. Er gilt heute als einer der führenden (wenngleich in Theorie und Praxis zuweilen durchaus untypischer) Vertreter der Bauhaus-Schule, deren 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ heißt daher auch das aktuelle Motto in der Geburtsstadt Ludwig Mies van der Rohes, des neben Walter Gropius wohl bekanntesten Vertreters dieser kreativen Bewegung, die in ihren Anfangsjahren heftige Kontroversen auslöste. „Wir freuen uns sehr, dass der Tag des offenen Denkmals inzwischen alljährlich Tausende von Menschen bewegt, die unterschiedlichsten Baudenkmäler der Stadt zu besuchen, und dass so viele ihrer Besitzer bereit sind, ihre Türen für Interessierte zu öffnen“, sagt Monika Krücken.

Das Bauhaus-Jubiläum soll allerdings vor allem zum Anlass genommen werden, Umbrüche und neue Ansätze in der städtischen Architektur aus denkbar vielen Epochen zu beleuchten. Rund 40 Objekte – vom Quadrum des Doms über das Kunsthaus NRW in Kornelimünster bis zum vergleichsweise brandneuen RWTH-Campus – können diesmal in Augenschein genommen werden. Etliche Stationen in Gestalt besonders erhaltenswerter Objekte reihen sich in die kleine Zeitreise ein; darunter das Haus Löwenstein am Markt, die Welsche Mühle, die Grabeskirchen St. Josef und St. Donatus oder auch das Neue Kurhaus, nicht zu vergessen aufs Schönste sanierte und teils neu gestaltete ehemalige Industriegebäude wie die alte Rosfabrik an der Stromgasse, um nur einige zu nennen.

Zahlreiche Führungen und Vorträge runden das umfangreiche Programm ab. Im Katho-Gebäude (Robert-Schuman-Straße 25) etwa werden zwei Führungen nebst Lichtbildvorträgen angeboten (14 und 16 Uhr). Mit Viertklässlern der Katholischen Grundschule St. Michael kann man sich auf spannende Pfade durch das Zentrum des historischen Stadtteils begeben. Per Bus lässt sich das Leben in der Grenzregion erkunden – die „Linie G“ folgt den Spuren alter Wachtürme, Stadttore und Grenzsteine. „Nicht zuletzt bedeutende Grünanlagen mit bewegter Historie wie der Von-Halfern- und der Kaiser-Friedrich-Park werden als wichtige städtebauliche Errungenschaften in den Blick gerückt“, berichtet Monika Krücken.

Man sieht: Trotz des gemeinsamen Mottos kommt das Angebot ausgesprochen facettenreich daher. „Eines aber verbindet alle Veranstaltungen: „Am 8. September können wir uns auf eine große Kulturveranstaltung freuen, die auf vielen Schultern getragen wird und immer mehr begeisterte Teilnehmer findet“, betont Krücken.

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