Aachen: Streit um Finanzierung der Beratungsstelle für Hörgeschädigte

Landschaftsverband lenkt ein : Kampf um die Kosten: Wichtige Hilfe für Hörgeschädigte nun doch gesichert

Nach monatelangem Tauziehen zeichnet sich ab, dass der Fortbestand der Beratungsstelle im Aachener Hörgeschädigtenzentrum nun doch gesichert ist. Inzwischen habe der Landschaftsverband Rheinland nochmals mitgeteilt, dass er die Finanzierung der wichtigen Einrichtung ab 1. Januar nun doch übernehmen werde, erklärte Michael Ziemons, Sozialdezernent in der Städteregion, gegenüber unserer Zeitung.

Karl Merkelbachs leidenschaftlicher Appell an die Adresse der Politiker verfehlte seine Wirkung nicht. „Sie dürfen nicht zulassen, dass dieses Haus, das wir über Jahrzehnte mit der Stadt aufgebaut haben, jetzt kaputt geht“, sagte der Ehrenvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter. Merkelbach fürchtet um sein Lebenswerk. Und mit ihm fast 1000 Menschen, die seit vielen Jahren regelmäßig auf das Hilfsangebot des Hörgeschädigtenzentrums (HGZ) angewiesen sind.

Wohl nicht von ungefähr konnte HGZ-Geschäftsführerin Anne Elsen eben jenen Politikern diesmal quasi hautnahe Einblicke in das umfassende Engagement der Einrichtung vermitteln – der Sozialausschuss des Rates tagte am Donnerstagabend im Begegnungszentrum des Hauses an der Talbotstraße. Und musste mit sichtlicher Betroffenheit zur Kenntnis nehmen, dass ein essenzieller Faktor des täglichen Einsatzes in Sachen Teilhabe akut gefährdet ist: Rund 130.000 Euro klaffen im Etat des HGZ, weil die Städteregion sowie die Kreise Düren und Heinsberg die Zuschüsse für die Beratungsstelle des Hauses in Aachen-Nord zum 31. Dezember gestrichen haben, berichtete Anne Elsen. „Inzwischen mussten wir drei Mitarbeiterinnen im Soforthilfebüro notgedrungen kündigen.“ Denn die Verantwortlichen stochern seit Monaten vergeblich im Nebel der Kompetenzen. Erst am Freitag sollte sich herausstellen, dass das Gerangel um die Finanzierung offenbar beigelegt – und der Fortbestand des niedrigschwelligen Angebots gesichert ist.

Aber der Reihe nach. „Seitens der Städteregion wurde uns mitgeteilt, dass ab sofort der Landschaftsverband Rheinland als Zuschussgeber zuständig sei“, hatte Anna Elsen im Ausschuss rekapituliert. „Natürlich haben wir dort immer wieder nachgehakt. Doch per Telefon hat man uns ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass nicht der LVR, sondern eben die Städteregion weiterhin der richtige Ansprechpartner sei.“ Bislang liege aber nicht einmal ein schriftlicher Ablehnungsbescheid des Landschaftsverbands vor. Und das, obwohl zahllose Hörgeschädigte unbedingt auf die Vermittler in der Beratungsstelle angewiesen seien. „Es gibt ansonsten schlichtweg keine geschulten Gebärdendolmetscher“, betonte Anne Elsen. Und Merkelbach unterstrich sichtlich bewegt: „Dieser Schwebezustand ist unerträglich.“

Die Politiker pflichteten ihm nachdrücklich bei und versicherten, dass die „unentbehrliche Einrichtung“ (so Ellen Begolli, Ratsfrau der Linken) keinesfalls angetastet werden dürfe. „Sie haben uns auf Ihrer Seite – da können Sie ganz sicher sein“, resümierte Ausschussvorsitzende Rosa Höller-Radtke (SPD). Und Sozialdezernent Dr. Manfred Sicking versprach, dass er das Problem umgehend mit seinem neuen Amtskollegen in der Städteregion, Dr. Michael Ziemons, erörtern werde.

Letzterer konnte am Freitag gegenüber unserer Zeitung prompt Entwarnung geben – und zeigte sich gleichwohl höchst verärgert über die Verantwortlichen in Köln. „Bereits im April hat Städteregionsrat Grüttemeier selbst dort interveniert, nachdem der LVR im Zuge des neuen Bundesteilhabegesetzes aus unserer Sicht nun eindeutig in der Pflicht ist“, erklärte Ziemons. Kurz darauf habe der Verband dies dezidiert bestätigt und mitgeteilt, dass er die Förderung übernehmen werde. Im August jedoch sei die Zusage völlig überraschend zurückgezogen worden. „Plötzlich teilte man uns mit, dass über die Aufteilung der Kosten noch einmal zu verhandeln sei“, zürnte der Dezernent. Ziemons intervenierte abermals. Und geht jetzt davon aus, dass der Knoten endgültig durchschlagen ist: „Man hat mir heute mündlich versichert, dass der LVR die unabdingbare Arbeit der Beratungsstelle ab 2020 finanziert und dass damit auch die Weiterbeschäftigung sämtlicher Mitarbeiterinnen gewährleistet werden kann.“