Aachen: Stadt will Museen unter einer Leitung bündeln

Kulturpolitik in Aachen : Neuer „Intendant“ soll städtische Museen führen

Der Gedanke ist alles andere als neu – jetzt aber sollen der seit langem diskutierten Umstrukturierung der Aachener Museumslandschaft konkrete Taten folgen. In einem gemeinsamen Antrag wollen die Ratsfraktionen prüfen lassen, ob eine Art neuer „Intendant“ die Führung der einzelnen Häuser aus einer Hand gewährleisten könnte.

Seit Jahr und Tag steht die Frage im (politischen) Raum, ob und wie man die städtischen Kunsthorte quasi auf neue Füße stellen kann, indem man statt – wie bislang – auf mehrere Direktoren quasi auf einen gemeinsamen Kopf setzt, um die Steuerung der verschiedenen Häuser zu bündeln. Am Mittwoch haben sämtliche Ratsfraktionen in seltener Einmütigkeit einen gemeinsamen Ratsantrag eingebracht mit dem Ziel, Möglichkeiten zur personellen und organisatorischen Neugestaltung zeitnah auszuloten.

Insbesondere nach dem überraschenden Abschied von Andreas Beitin, der seinen Dienst als Leiter des Ludwig Forums bekanntlich bereits Ende März quittieren wird, sei dringender Handlungsbedarf in Sachen Toppersonalien allemal geboten, weiß nicht nur Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram, dessen Fraktion den Vorstoß maßgeblich initiiert hat. Auch der Vertrag von Peter van den Brink, Chef des Suermondt-Ludwig-Museums, läuft zum Jahresende offiziell aus und wird voraussichtlich nur mit Blick auf das ambitionierte Ausstellungsprojekt zum Dürer-Jahr 2020 noch einmal verlängert.

„Gemeinsame Intendanz für alle Museen“

Weitere wichtige Positionen müssen darüber hinaus in Kürze neu besetzt werden. Deshalb schlagen die Ratsparteien vor, zunächst „externen Sachverstand“ hinzuzuziehen, um denkbare Modelle zu erarbeiten. Eine „gemeinsame ,Intendanz‘ für alle Museen“ soll dabei ebenso ins Auge gefasst werden wie „eine Zusammenfassung der Museen als selbstständige Verwaltungseinheit außerhalb des Kulturbetriebs“, heißt es in dem Papier. Und: „So besteht aktuell die seltene Chance für einen ,Neuanfang‘, wenn dieser sich als sinnvoll erweist und gewünscht wird.“ Problemfelder gebe es reichlich zu beackern – die Besucherzahlen in den einzelnen Häusern stagnieren mehr oder weniger auf eher niedrigem Niveau, Koordination und Kooperation zwischen den Häusern ließen nach wie vor zu wünschen übrig, altbekannte Konflikte in puncto Budget-Disziplin (wie zuletzt im Zusammenhang mit dem politischen Krach um das Finanzgebaren des scheidenden Lufo-Chefs) könnten endgültig ausgeräumt werden, das gemeinsame Marketing sei erheblich zu verbessern.

Ebenso wie Pilgram betont allerdings auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal, dass der anstehende Entscheidungsprozess ergebnisoffen angegangen werden müsse. „Zunächst geht es darum, eine externe Beratung in Anspruch zu nehmen, um die bisherige Organisationsstruktur auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, welche Erfahrungen andere Städte mit vergleichbaren Modellen gemacht haben“, sagt Baal. In Freiburg etwa sei seit einiger Zeit eine Art „Head Officer“ für alle städtischen Ausstellungshäuser verantwortlich.

In jedem Fall müsse die Marschrichtung spätestens im Sommer festgezurrt sein, um sodann gegebenenfalls eine entsprechende Stellenausschreibung auf den Weg zu bringen. Baal schwebt vor, im Vorfeld ein einschlägiges Beratungsunternehmen ins Boot zu holen. Pilgram meint, dass man den Entscheidungsprozess ebenso gut über Gespräche mit Kultur- und Verwaltungsexperten aus anderen Städten vorantreiben könne. Die konkrete künstlerische Projektleitung in den einzelnen Häusern, sagt er, könne man durchaus den jeweiligen Kuratoren überlassen. So oder so: Selbstverständlich müssten Vertreter der Ratsfraktionen und der Kulturverwaltung kontinuierlich in die Diskussion eingebunden werden.

Schließlich werde der Kulturbetrieb, unter dessen Führung die Museen derzeit arbeiten, erheblich entlastet, wenn Ludwig Forum, Suermondt-Ludwig-Museum, Couven-Museum, Route Charlemagne und Zeitungsmuseum unter einem gemeinsamen Dach zusammenfänden, glauben die Politiker. Ob dies in Gestalt eines weiteren „Eigenbetriebs Museen“ realisiert werden könne, sei nun ebenso zu prüfen. „Fakt ist, dass der Kulturbetrieb mit seinen inzwischen elf Fachbereichen jetzt schon einen enorm großen Aufgabenbereich abdeckt“, sagt Pilgram. Auch dessen Leiter Olaf Müller bekundete denn gestern: „Wir stehen dem Vorstoß sehr positiv gegenüber und sind natürlich gern bereit, uns konstruktiv in die anstehende Diskussion einzubringen.“

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