Aachen: Stadt und Investor bewegen sich aufeinander zu

Streit um Camp Hitfeld : Stadt und Investor bewegen sich aufeinander zu

Stadt und Investor Norbert Hermanns arbeiten jetzt an einem Kompromiss für Camp Hitfeld. Ein eigentlich für Donnerstag angekündigtes Urteil des Verwaltungsgerichts ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Wenn es um den Kauf der ehemaligen Belgierkaserne Camp Hitfeld geht, wollen die Kontrahenten Stadt Aachen und Projektentwickler Norbert Hermanns jetzt offenbar doch noch das Kriegsbeil begraben und die Friedenspfeife rauchen. Eigentlich wollte die 5. Kammer des Aachener Verwaltungsgerichts heute ihr Urteil im Streit um das Kaufrecht für die rund 400.000 Quadratmeter große Militär­brache fällen. Doch dazu wird es vorerst nicht kommen. Beide Parteien haben das Gericht gebeten, den Urteilsspruch zu verschieben. Möglicherweise wird eine Gerichtsentscheidung sogar gänzlich über­flüssig. Das Gericht teilte gestern offiziell mit, man habe die „mündliche Verhandlung wiedereröffnet“. Neue Termine stünden noch nicht fest.

Richterin riet zur Einigung

Nach der ersten Verhandlungsrunde im Justizzentrum vor zwei Wochen haben sich die Stadt und Hermanns offenbar aufeinander zu bewegt. Was ganz im Sinne der Vorsitzenden Richterin Brunhilde Küppers-Aretz wäre. Sie hatte den Kontrahenten am Ende des ersten Tages mit auf den Weg gegeben, sich über eine mögliche Einigung zu unterhalten. Das sei allemal besser, als sich durch alle Instanzen gerichtlich zu beharken. Tatsächlich hatten sich Hermanns und die Verwaltungsspitze in Person des Oberbürgermeisters auch schon vorher im Rathaus getroffen, um über eine gemeinsame Lösung zu sprechen. Trotzdem hatte man dann zunächst den Verhandlungsauftakt abgewartet, weil man sehen wollte, in welche Richtung die Kammer tendiert. Das wird normalerweise bei einem solchen Termin vor dem Verwaltungsgericht deutlich. In diesem Fall jedoch nicht. Küppers-Aretz und ihre Kammer ließen letztlich völlig offen, zu welcher Seite Justitias Waage pendeln könnte. Zur Erinnerung: Der Grund des Verfahren lag darin, dass Norbert Hermanns Ende 2017 der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Areal für 1,90 Euro pro Quadratmeter abgekauft hatte. Daraufhin entdeckte auch die Stadt ihre Zuneigung zu dem alten Camp, das sie über zwei Jahrzehnte lang nicht kaufen wollte. Flugs luchste man Hermanns das Gelände per Vorkaufssatzung wieder ab. Doch der Investor klagte dagegen. Das plötzliche Gerangel hat natürlich auch einen Grund: Nach dem weitgehenden Wegfall der Wasserschutzzone Eicher Stollen könnten dort große Teile des Geländes Gewerbeflächen werden. Und die ließen sich teuer vermarkten.

Beide Seiten sagten unserer Zeitung nun, es habe in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche gegeben. Wie eine Lösung aussehen könnte, darüber wurde zunächst Stillschweigen vereinbart. Denkbar wäre folgende Variante: Die Stadt verzichtet auf das Vorkaufsrecht. Dafür verpflichtet sich der Investor, städtische Wünsche bei Entwicklung des Gebietes umzusetzen. Und da pfeifen seit langem die Spatzen von den Dächern, dass es dort in Richtung eines Campus für Elektromobilität gehen könnte – zum Beispiel mit Zulieferern für die Produktion von E-Mobilen.

Die Stadt will das Thema – es geht immerhin um das letztmögliche große Gewerbegebiet innerhalb städtischer Grenzen – nach der Sommerpause zur Beratung in die politischen Gremien geben. Im Herbst könnte dann ein Konzept stehen, bevor der nötige Bebauungsplan noch entwickelt werden müsste. Konfliktfrei dürfte das Thema jedoch auch in der Politik nicht durchgewunken werden. So war es zumindest in der Vergangenheit bisweilen, wenn es um Camp Hitfeld ging.

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