Aachen: Spezialfirma entdeckt Blindgänger an der Grundschule

Grundschule Hanbruch : Phosphorbombe unter dem Schulhof

Bombenblindgänger an Aachener Grundschule gefunden

Explosive Fundsache: Auf dem Schulhof der Grundschule Hanbruch haben Mitarbeiter einer Spezialfirma am Montagnachmittag eine Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ausgegraben. Der Verdacht, dass sich auf dem Gelände Blindgänger befinden könnten, hat sich damit bestätigt.

Noch am Montag sollte das gefährliche Fundstück abgeholt und zum Munitionszerlegebetrieb Hünxe (Kreis Wesel) transportiert werden. Dort wird die Phosphorbombe entschärft und vernichtet.

Eigentlich sollte an der Grundschule Hanbruch längst am neuen multifunktionalen Neubau gebaut werden. Dann aber hatten aktuelle Luftbildauswertungen zu dem Verdacht geführt, dass sich – entgegen früheren Erkenntnissen – doch explosive Weltkriegsrelikte im Boden befinden könnten. Die Stadt verhängte umgehend einen Baustopp. Kampfmittelexperten der Dürener Firma Röhll sollten nun am Montag für Klarheit sorgen.

Mit zwei Baggern und meterlangen Bohrern begannen die Fachleute am Morgen mit der Untersuchung. „Derzeit gehen wir davon aus, dass wir nichts finden werden“, erklärte Andreas Jörissen, bei der städtischen Bauverwaltung zuständig für den Bereich Kampfmittelbeseitigung, optimistisch bei einem morgendlichen Ortstermin an der Hanbrucher Straße. Der Mann sollte nur zur Hälfte recht behalten.

Zwei „Verdachtspunkte“ waren bei der Auswertung der Luftbilder entdeckt worden, einer am Rand des Schulhofs zum Pottenmühlenweg hin, einer auf dem angrenzenden kleinen Spielplatz. Zwei Bagger trieben dort die langen Bohrer bis zu sieben Meter tief in den Boden. In einem Radius von etwa sechs Metern wurden 37 solche Löcher gebohrt.

Langer Bohrer im Einsatz: An der Grundschule Hanbruch wurde seit Montagmorgen nach Bombenblindgängern gesucht – mit Erfolg. Foto: ZVA/Harald Krömer

Verwendet wurden flexibel gelagerte Spezialbohrer, die verborgene Bombenblindgänger nicht beschädigen würden, erklärte Wilfried Sterck, Leiter des Projektmanagements beim städtischen Gebäudemanagement: „Falls der Bohrer auf Widerstand stößt, stoppt er.“ Die Bohrtiefe von sieben Metern kommt übrigens nicht von ungefähr. Sieben Meter, so weit wäre eine Weltkriegsbombe maximal in den Boden eingedrungen. Bis in diese Tiefe muss bei Untersuchungen gesucht werden.

In einem langen Kunststoffrohr wurde schließlich eine Sonde für elektromagnetische Messungen in jedes Bohrloch geführt. Und an beiden „Verdachtspunkten“ schlug die Sonde nachmittags an. Damit stand fest: Dort unten liegt eisenhaltiges Material; es muss gebaggert werden. Gegen 14 Uhr gab es zunächst Entwarnung für den Spielplatz. Im Boden entdeckten die Fachleute ein Bündel Metallschrott, das dort wohl vor Jahren entsorgt worden war. Zutage kam – einigermaßen überraschend – auch ein Kabelstrang. „Diese Leitungen waren bisher überhaupt nicht in unseren Plänen verzeichnet“, sagte Björn Gürtler vom städtischen Presseamt.

Mehrere Stunden wurde am Montag gebohrt und sondiert, dann kam die Phosphorbombe ans Licht. Foto: Stadt Aachen/Annika Eicker

Für den Bereich neben den Fahrradständern auf dem Schulhof, dort, wo bis vor kurzem noch der Bauwagen der Offenen Ganztagsschule stand, dauerte die Ungewissheit noch etwas länger. In etwa zweieinhalb Metern Tiefe gruben die Fachleute dann die knapp 50 Zentimeter lange Phosphorbombe aus. Nach Angaben der Stadt war der Zünder noch intakt, die Phosphorkammer noch mit weißem Phosphor gefüllt. Lediglich der Teil der Bombe, der mit Brennflüssigkeit gefüllt war, fehlte. Mit der Baggerschaufel wurde der Blindgänger vorsichtig aus der Erde gehoben und für den Abtransport vorbereitet.

Rund 200 Kinder und das Kollegium der Grundschule Hanbruch bekommen wegen Baustopp und Bombensuche eine Verlängerung der Ferien. Die Schule beginnt erst am kommenden Montag. Manche Eltern bringt das allerdings in Betreuungsnöte. Für sie richtet die Stadt ab Mittwoch eine Notgruppe in der Offenen Tür Talstraße ein. Das Team der Offenen Ganztagsschule (OGS) aus der Hanbrucher Straße wird bis einschließlich Freitag jeweils von 8 bis 16 Uhr ein Programm für angemeldete Kinder gestalten.

Die Kosten für die Sondierung des Geländes trägt die Bezirksregierung Düsseldorf, bei der der Kampfmittelbeseitigungsdienst angesiedelt ist. Die Stadt Aachen zahlt für die vorbereitenden Arbeiten und das Rückverfüllen des Geländes. Verzögern und womöglich verteuern wird sich auch die Baumaßnahme an der Schule.

Noch nicht geklärt war am Montag, wann die Pfahlgründung für die Fundamente vorgenommen werden kann. Wenn die Pfähle in den Boden gerammt werden, geht das nicht ohne Lärm und Erschütterungen ab. Deshalb sollten diese Arbeiten eigentlich bereits in den Ferien über die Bühne gehen. Wann es jetzt weitergeht, müsse mit der Schulleitung und der ausführenden Firma abgesprochen werden, erklärte Wilfried Sterck.

Seitens der Stadt gab es am Montagnachmittag ein zufriedenes Fazit. Die Vorsicht im Umgang mit den Verdachtsmomenten habe sich bewährt, hieß es. Zufrieden war man auch, dass es sich bei dem Fund „nur“ um eine Phosphorbombe handelte. Für die Entschärfung einer hochexplosiven Zehn-Zentner-Bombe zum Beispiel wäre womöglich eine Evakuierung der ganzen Nachbarschaft notwendig geworden.

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