Aachen setzt Branchenregel für Rückwärtsfahrten der Müllabfuhr um

Mülltonnen wurden nicht geleert : Anwohner vom Rückwärtsfahrverbot der Müllabfuhr überrascht

Unliebsame Überraschung am Kronenberg: Etliche Mülltonnen blieben in der vergangenen Woche ungeleert, weil der Stadtbetrieb dort ab sofort ernst macht mit dem Rückwärtsfahrverbot für Müllwagen. Mehrere Stichstraßen ohne Wendemöglichkeit sind nicht mehr angefahren worden. Das Problem: Die Anwohner sind nicht vorgewarnt worden und wussten von nichts.

„Niemand hatte eine Ahnung, warum die vollen Tonnen stehengeblieben sind“, ärgert sich ein Betroffener. Ohne Ankündigung seien plötzlich die Müllwagen ferngeblieben. Den Grund hat er inzwischen herausgefunden: Eine bereits seit Herbst 2016 deutschlandweit geltende Branchenregel, wonach Müllwagen nur noch in Ausnahmefällen und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen rückwärts fahren dürfen, soll nun konsequent auch in Aachen umgesetzt werden. Verhindert werden sollen so weitere schwere Unfälle mit Toten und Verletzten, die es bei diesen Fahrten immer wieder gibt.

Im Aachener Stadtgebiet gibt es Woche für Woche mehr als 400 Rückwärtsfahrten der Müllabfuhr, wie der Stadtbetrieb zwischenzeitlich erhoben hat. Die Gefahrenanalyse sei sehr aufwendig gewesen, sagt Timo Pappert vom städtischen Presseamt. Eben deshalb könnten die vor knapp drei Jahre erlassenen Vorgaben erst jetzt erfüllt werden.

Am Kronenberg ist dies allerdings dennoch schneller passiert als geplant. „Dort wurde die Branchenregel zu früh umgesetzt“, räumt der Stadtbetrieb ein, der derzeit noch einen Flyer erarbeitet, mit dem in den nächsten Wochen alle Betroffenen über die Folgen informiert werden sollen. Der Stadt sei schwer daran gelegen, dass es nicht noch mehr Menschen unvorbereitet trifft und volle Mülltonnen stehen bleiben, versichert Pappert.

Auch für die vielen Stichstraßen am Kronenberg hat man zwischenzeitlich eine Lösung gefunden: Solange nicht alle Anwohner über das Rückwärtsfahrverbot informiert sind, sollen Mitarbeiter des Stadtbetriebs die Tonnen bis zur nächsten Straßenmündung bringen. In Zukunft wird dies aber die Aufgabe der betroffenen Anwohner sein. Alte und gebrechliche Menschen müssen dann womöglich Nachbarn um Hilfe bitten, weil der Weg zur nächsten Straßenecke mit den schweren Tonnen durchaus lang sein kann.

Wie viele Menschen sich auf die Neuerung einstellen müssen, kann der Stadtbetrieb derzeit noch nicht sagen. Auch die genaue Zahl der Straßen, die künftig nicht mehr angefahren werden können, konnte laut Pappert noch nicht abschließend ermittelt werden. Denn es gilt die Ausnahme für Rückwärtsfahrten mit einem zusätzlichen Einweiser, wenn die Fahrbahn mindestens 3,50 Meter breit und die Strecke nicht länger als 150 Meter ist. Man prüfe noch, wo dies möglich ist. Den Kreis der vom eingeschränkten Service betroffenen Menschen wolle man möglichst klein halten, versichert Pappert. So wird derzeit etwa über temporäre Parkverbote an den Abholtagen in bestimmten Straßen nachgedacht, um Rückwärtsfahrten weiterhin zu ermöglichen.

Weitere Überraschungen wie am Kronenberg müssen Stichstraßenbewohner laut Pappert vorerst nicht fürchten. Solange die Betroffenen keine anderen Informationen erhalten, könnten sie weiterhin ihre Mülltonnen wie gewohnt vors Haus stellen und darauf vertrauen, dass sie auch geleert werden. Der Versand der Flyer soll in diesem Herbst erfolgen.

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