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Aachen: Schülerinnen sind als Schülerlotsen im Einsatz

Kostenpflichtiger Inhalt: Grundschule Am Lousberg : Auch bei Wind und Wetter mit der Warnkelle auf der Straße

Zahlreiche Verkehrshelfer sorgen in Aachen dafür, dass Schulkinder sicher über die Straße kommen. Am Internationalen Tag des Ehrenamts bekamen sechs von ihnen nun in der Grundschule Am Lousberg ein dickes Dankeschön.

Donnerstagmorgen, Viertel vor acht, auf der Bergstraße in Aachen. Vor der Grundschule Am Lousberg herrscht reger Betrieb. Kinder strömen in Richtung Eingang. Viele kommen zu Fuß, viele auf dem Fahrrad, viele werden aber auch von Mama oder Papa im Auto gebracht. Mitten im Gewimmel stehen Annika Klein und Lina Borgs. Dem Grundschulalter sind sie längst entwachsen. Aber sie sorgen an diesem frostigen Dezembermorgen dafür, dass die Grundschüler sicher über die Straße kommen.

Die beiden Mädchen gehören zu einer kleinen Gruppe von Schülerinnen des Gymnasiums St. Ursula, die den Schülerlotsendienst für die Grundschüler übernommen haben. Auch Lisa Kulbe, Theresa Kassel, Korinna Lindert und Sophia Hofbauer sind Woche für Woche vor der Schule im Einsatz. An diesem Donnerstag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts, bekommen die sechs Schülerinnen für ihren Einsatz ein dickes Dankeschön von der ganzen Schulgemeinschaft Am Lousberg – natürlich erst, als Annika und Lina ihren Einsatz beendet haben.

Gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegen das private Mädchengymnasium am Bergdriesch und die städtische Grundschule Am Lousberg schon viele Jahre. Deshalb wandte sich Schulleiterin Britta Slupina-Oellers auch hilfesuchend an St. Ursula, als der frühere Schülerlotse der Grundschule seinen Job aufgegeben hatte und es keinen Nachfolger gab. Und tatsächlich fanden sich sechs Mädchen, die bereit waren, sich noch vor Schulbeginn und bei jedem Wetter als Verkehrshelferinnen auf die Straße zu stellen. Seit Februar läuft die Kooperation, und alle Seiten sind zufrieden, wie Stephanie Schüller, Lehrerin an St. Ursula und Koordinatorin des Projekts, bestätigt. „Wir als Schule sind auch stolz, dass die Schülerinnen sich für andere engagieren“, sagt sie.

Annika Klein, Lina Borgs, Lisa Kulbe, Theresa Kassel, Korinna Lindert und Sophia Hofbauer sind die Schülerlotsen der Grundschule Am Lousberg. Am Tag des Ehrenamts wurden sie von den Kindern beschenkt. Foto: Heike Lachmann

Annika Klein und Lina Borgs sind mit Beginn des Schuljahrs zu der Schülerlotsen-Gruppe gestoßen. Kurz vor Unterrichtsbeginn müssen sie an diesem Donnerstag im Minutentakt auf die Fahrbahn treten und die Warnkelle ausstrecken. Von vielen ihrer „Kunden“ werden sie mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüßt. Autofahrer und Radler warten geduldig, bis das nächste Kindergrüppchen sicher auf der anderen Straßenseite angekommen ist. Ganz selten gebe es hin und wieder auch mal ein unfreundliches Wort von denen, die warten müssen, erzählen die beiden. Und auch in der Bergstraße wird mitunter sehr zügig gefahren. Kommt ein Autofahrer sehr flott angeprescht, dann bleiben sie vorsichtshalber erst mal auf dem Gehweg. Sie sollen sich ja nicht selbst in Gefahr bringen.

Wie an anderen Schulen sorgen auch an der Schule Am Lousberg die „Eltern-Taxis“ immer mal wieder für brenzlige Situationen. Und wie an anderen Schulen sorgen auch dort weder mahnende Worte noch spezielle Aktionen wirklich für Abhilfe. „Wenn Eltern ihr Kind unbedingt bringen müssen, dann sollten sie wenigstens zwei Straßen entfernt anhalten und das Kind die letzten Meter zu Fuß gehen lassen“, appelliert die Schulleiterin. Das würde das unübersichtliche Gewusel vor der Schule deutlich reduzieren – und auch den Schülerlotsinnen ihren Job erleichtern.

Die Eltern seien total froh, dass die Verkehrshelferinnen morgens im Einsatz seien, sagt Insa Lüthke, die Mutter eines Drittklässlers. Sie hatte angeregt, den Mädchen doch in der Adventszeit eine kleine Überraschung zu bereiten. Und weil der Tag des Ehrenamts so schön passt, schmettern die Kinder beim morgendlichen Adventssingen laut und begeistert ein Dankeschön-Lied für ihre Schülerlotsen und überreichen liebevoll gebastelte Geschenke. „Danke, dass ihr jeden Tag so früh für uns aufsteht!“

Bis zu den Sommerferien werden die Sechs wohl auch weiter regelmäßig vor der Schule stehen. Danach müsse man weitersehen, überlegen sie. Nach den Ferien starten sie schließlich ins vorletzte Jahr vor dem Abitur. Ob dann noch Zeit für Lotsendienste bleibt oder ob vielleicht andere den Job übernehmen müssen, werde sich zeigen.