Aachen: Schüler des Einhard-Gymnasiums diskutieren in Den Haag

Simulation der Arbeit der Vereinten Nationen : Junge Weltbürger kommen ins Gespräch

Mehr als 3000 junge Leute aus mehr als 100 Ländern dieser Welt trafen sich Ende Januar für fünf Tage im niederländischen Den Haag. Sie diskutierten über Themen, die für die Zukunft der Erde entscheidend sein könnten: Menschenrechte, Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung. Mittendrin dabei waren zwölf Schülerinnen und Schüler des Einhard-Gymnasiums.

The Hague International Model United Nations (THIMUN) ist eine Art Rollenspiel, das die Arbeit der Vereinten Nationen simuliert. Veranstaltet wird es von der THIMUN-Stiftung mit Sitz in Den Haag. Jeder teilnehmenden Schule wird für die Veranstaltung die Rolle eines UN-Landes zugelost. Seit einigen Jahren nimmt das Aachener Gymnasium an dieser prestigeträchtigen Veranstaltung teil – diesmal in der Rolle des lateinamerikanischen Staats Costa Rica.

Wenn die zwölf Einhard-Delegierten erzählen, was sie schon im Vorfeld für THIMUN alles geleistet haben, dann klingt das ganz sicher nicht nach einer Vergnügungsreise, eher nach einer Ochsentour. Alle mussten zunächst mit einem Motivationsschreiben das schulinterne Auswahlverfahren bestehen.

Danach bereiteten sie sich über Monate auf die Tage in Den Haag vor. Sie lernten Fachvokabeln, denn Konferenzsprache bei THIMUN ist Englisch. Sie informierten sich gründlich über Costa Rica. Und sie besorgten sich die passenden Klamotten – die Kleiderordnung schreibt Anzug oder Kostüm vor. In der echten UN diskutieren die Delegierten schließlich auch nicht in Jeans.

Seit gut zwei Wochen sind sie nun zurück aus Den Haag und immer noch ehrlich überwältigt von all den Eindrücken. Sie schlossen Bekanntschaft mit jungen Leute aus (fast) allen Teilen der Welt – auch aus dem echten Costa Rica; sie führten über Stunden sehr ernsthafte und engagierte Diskussionen in Komitees und im Plenum der Modell-UN; sie stellten sich mutig vor eine große Zuhörerschaft und erläuterten den Standpunkt Costa Ricas.

„Man debattiert dort über Lösungen für Probleme, mit denen sich auch die Vereinten Nationen befassen“, berichtet Eric Jakob. „Und einige Ideen, die das Plenum beschließt, werden auch an die echte UN geschickt.“ Er habe jetzt eine genauere Vorstellung davon, wie politische Organe funktionieren, sagt Philipp Klein. „Wir haben erlebt, wie komplex die Themen sind. Und wie viele Meinungen unter einen Hut zu bringen sind.“ Dann werde auch klar, warum manche politische Entscheidungen so lange brauchen.

Lea Büscher ist ein großer Fan der englischen Sprache und wollte deshalb unbedingt bei THIMUN dabei sein. „Man braucht viel Mut, in einer großen Runde eine Rede zu halten, die man fünf Minuten zuvor geschrieben hat“, hat sie festgestellt. „Aber es ist toll, wenn dann Nachfragen kommen und man merkt, dass die eigene Meinung Gewicht hat.“

Alle zwölf sind überzeugt, dass THIMUN ihren Horizont erweitert hat. Immer wieder sei man gezwungen, einen Konflikt auch aus anderer Sicht zu betrachten, erinnert sich Thea Niendorf. Die Welt werde schließlich mit immer komplexeren Themen konfrontiert, überlegt Raimo Borgmann. „Das kann ein Land nicht allein bewältigen.“

Mehr als ein Rollenspiel

Den Austausch mit jungen Weltbürgern aus vielen Ländern haben die Abgesandten des Einhard-Gymnasiums sehr genossen. „Das ist weit mehr als ein Rollenspiel“, sagt auch Englischlehrerin Stephanie Ulmen, die das Aachener Team gemeinsam mit ihrer Kollegin Sophia Gierenz auf die Tage in Den Haag vorbereitet und es dorthin begleitet hat. „Klar, es geht um die englische Sprache und um politische Themen. Aber die Schüler werden auch als Menschen geprägt. Sie spüren, wozu sie selbst in der Lage sind.“

Sogar fünf junge Leute aus der Jahrgangsstufe Q2 nahmen sich für THIMUN Zeit. Dabei stehen sie ganz kurz vor dem Abitur und müssen für die Woche in Den Haag viel Schulstoff nacharbeiten. Die Tage bei der UN im Miniformat möchten sie dennoch nicht missen. Und Nathalie Meßner denkt sogar schon weiter. „Direkt nach THIMUN habe ich angefangen, mich zu informieren, wo man bei den Vereinten Nationen arbeiten kann“, erzählt sie. „Und was man dafür studieren muss.“