Aachen: RWTH will Innenstadtbereiche am Kármán und Super C aufmöbeln

Hochschule Aachen : RWTH-Rektor will wieder mehr „coole Orte“

Über einen Mangel an Baustellen kann Aachen eigentlich nicht klagen, doch nun hat der RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger neben Adalbertstraße, Bushof und Büchel noch eine weitere entdeckt: den sogenannten Campus-Mitte. Das Gebiet um Kármán-Auditorium und Hauptgebäude sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt und „ein bisschen beliebig“ geworden, beklagt er.

Im städtischen Hauptausschuss sprach er sich vor den örtlichen Politikern dafür aus, größere Anstrengungen zu unternehmen, damit Studierende und Wissenschaftler weiterhin sagen können: „Aachen ist ein cooler Ort.“ Mehr Aufenthaltsqualität müsse man in diesem innerstädtischen Hochschulbereich schaffen. „Darauf möchte ich mich sehr konzentrieren.“

Ihm schwebt dabei vor, neben dem SuperC noch weitere „Architekturmagneten“ zu schaffen, wobei er insbesondere an ein neues „Lehr- und Lernhaus“ an der Zentralen Uni-Bibliothek am Templergraben denkt. Die Unterstützung privater Investoren will Rüdiger an der Stelle nicht ausschließen.

In den Blick nimmt er aber auch das in Teilen leerstehende Kármán-Auditorium. „Es ist eine Sünde, dass es geschlossen ist“, erklärte er, wobei seine Kritik vor allem auf den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB) abzielt.

Mehr Leben in den Kármán-Innenhof bringen

Das Kármán sei für ihn „ein Schlüssel, diesen Teil der Stadt und der RWTH wieder zu aktivieren“, betonte Rüdiger. Die Räumlichkeiten müsse man „in Ordnung halten und sanieren“, denn gebraucht werden sie angesichts hoher Studierendenzahlen nach wie vor – und trotz des neugebauten Hörsaalzentrums Carl.

Vor allem aber müsse man auch wieder mehr Leben in den Kármán-Innenhof bringen. Ein Gegenentwurf zum Pontviertel sei dort mit Kneipen und Gaststätten denkbar. Ärger mit der Nachbarschaft sei nicht zu befürchten, denn außer der RWTH sei dort niemand. „Wir müssen um Studenten werben und brauchen die Attraktivität, um gegen Berlin, München, Maastricht oder Paris anstänkern zu können“, betonte Rüdiger, der dafür viel Zustimmung bei Oberbürgermeister Marcel Philipp und den Sprechern aller Fraktionen fand.

Zuvor hatte Rüdiger dargelegt, welche Bedeutung die RWTH seit ihrer Gründung vor 150 Jahren nach wie vor für die Stadt hat und welche Kraft die Exzellenz-Uni nicht zuletzt in den zurückliegenden zehn Jahren entwickelt habe.

Die Studierendenzahlen sind in diesem Zeitraum auf aktuell rund 45.500 gestiegen, mehr als 10.000 kommen aus aller Welt nach Aachen. Die RWTH habe sich enorm „internationalisiert“. Aachen habe heute „den größten Campus Europas“, weiteres Wachstum ist im Bereich des Westbahnhofs in Vorbereitung. Dies alles strahlt natürlich auf die Stadt aus, nicht zuletzt, weil die RWTH auch eine Job-Maschine ist.

Jährlich würden sich aus dem Umfeld der Hochschule heraus 50 bis 60 neue Unternehmen entwickeln, sagte Rüdiger. Nach drei bis vier Jahren würden Dreiviertel dieser Start-Ups durchschnittlich 13,4 Mitarbeiter beschäftigen. Dabei will es Rüdiger nicht belassen. „Wir wollen auf 90 Ausgründungen im Jahr kommen“, lautet das ehrgeizige Ziel.

Den Standort stärken, innovativ bleiben und Aachen fit machen gegen überregionale und internationale Konkurrenz – dies sei der Gründungsgedanke der RWTH vor 150 Jahren gewesen, sagte Rüdiger. Dies gelte aber auch heute noch. Um so wichtiger für ihn, die Blicke vom Campus-Melaten und -West nun auch wieder verstärkt in Richtung Campus-Mitte zu lenken. „Wir müssen da an einige Gebäude ran.“