Aachen: RWTH ehrt ihre Absolventen mit einem großen Fest

Graduiertenfest im Dressurstadion : 1300 Hüte fliegen in den Himmel

Das war eindeutig: Stolz ist die RWTH auf ihre Absolventen. Zum sechsten Mal ehrte sie die Studierenden für ihre Bachelor-, Master- und Promotionsabschlüsse mit einem großen Graduiertenfest am Samstag im Aachener Dressurstadion, moderiert von Rektor Ulrich Rüdiger, Prorektor Malte Brettel und Kanzler Manfred Nettekoven. 1300 schwarze Doktorhüte flogen zum Abschluss in den blauen Himmel über der Soers.

Zuvor hörten die Absolventen mahnende und wertschätzende Worte: „Wie die Arbeitswelt in zehn Jahren aussehen wird, kann ich nicht sagen, denn sie unterliegt einem rasanten Veränderungsprozess“, erklärte NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. „Aber es wird sicher darum gehen, komplexe System zu verstehen und zu ordnen, scheinbar Unverbundenes miteinander zu verknüpfen, Wissensnetzwerke auszubauen, kreativ und vor allem offen zu bleiben. Hören Sie nicht auf, sich selbst herauszufordern!“

In ähnlicher Weise motivierte Hans Peter Stihl, Hersteller der legendären Motorsägen und Träger des diesjährigen Aachener Ingenieurpreises, die jungen Männer und Frauen aus den neun Fakultäten der RWTH: „Hören Sie nie auf, das Mitgegebene aus Ihrem Studium anzuwenden, aber auch weiterzuentwickeln. Selbstständiges Denken, das Querbürsten unverrückbarer Gegebenheiten – das brauchen wir.“ Er nutzte seine Rede zugleich für ein leidenschaftliches Plädoyer für eine grenzenlose Welt mit freier Wirtschaft. Abschottung habe noch nie etwas gebracht. Sie schade nur allen. Das gelte heute mehr denn je. Die Absolventen mögen dem etwas entgegen setzen: „Werden Sie mit Offenheit und Verständnis für andere Kulturen weltweit tätig.“

Offenheit und Verständnis dürften viele deutsche Absolventen bereits während ihres Studiums durch Freundschaften und Arbeitsgruppen mit ausländischen Studierenden entwickelt haben. 20 Prozent, also 10.500 Studierende, kommen aus 125 anderen Ländern. Chinesen, Inder und Türken bilden dabei die größten Gruppen. „Gemessen an der Bevölkerungszahl sind aber auch Luxemburg, Zypern, Andorra und Bulgarien stark vertreten“, freute sich Nettekoven sichtlich über die große Nachfrage aus dem Ausland. „Sie bringen Diversität und Vielfalt in die Hochschule und auch in die Stadt“, bekräftigte Prorektorin Ute Habel den Mehrwert der Internationalität der RWTH.

Den Wert der Hochschule für die Entwicklung der Stadt insgesamt betonten Rektor Rüdiger und Oberbürgermeister Marcel Philipp im Gespräch: Die erfolgreiche Exzellenzinitiative der RWTH und den Durchbruch bei der Entwicklung des Campus West bezeichneten beide als Meilensteine im vergangenen Jahr. „Wir kommen vorwärts – und zwar gemeinsam“, sagte Philipp. Das Motto des RWTH-Jubiläums im nächsten Jahr „Lernen, forschen, machen“ sporne auch die Stadtgesellschaft an. „Wir schweißen unsere Strategien für Forschung, Lehre, Wirtschaft und die Lösung globaler Probleme zusammen.“

Musikalisch wurde das Graduiertenfest vom Collegium musicum der RWTH unter Leitung von Tobias Haußig begleitet. Showeinlagen kamen vom Stand-up-Comedian und Student der Elektrotechnik Maksim Timofeev, der Tanzabteilung des Hochschulsports und der fakultätsübergreifenden Cheerleadergruppe „Rockets“.

Unter den Geehrten waren auch rund 300 Trägerinnen und Träger der Borchers-Plakette und der Springorum-Denkmünze der RWTH – zu erkennen an den orangefarbenen Quasten ihrer Hüte im Gegensatz zum vorherrschenden RWTH-Blau. Bereits am Vormittag waren sie geehrt worden – so wie auch die Doktorjubilare, die vor 25 oder 50 Jahren an der RWTH Aachen promoviert hatten und silberne und goldene Hüte und Schärpen trugen.

Mehr von Aachener Zeitung