Aachen: Rohestheater überzeugt mit seiner Produktion „Wi(e)derstand“

„Wir wollen zum Nachdenken anregen“ : Rohestheater überzeugt mit seiner Produktion „Wi(e)derstand“

Fridays for Future, Hambi bleibt, diverse Demos gegen Rechts. Dutzende Beispiele ließen sich aufzählen, um zu verdeutlichen, wie vielfältig der gesellschaftliche Protest geworden ist. Die Zeiten scheinen wieder politischer zu werden – Tausende Menschen engagieren sich, machen sich stark gegen politische Entwicklungen und soziale Missstände.

Der Protest findet wieder auf der Straße statt. Doch nicht nur dort wird Widerstand deutlich. Nun hat auch das Rohestheater an der Mies-van-der-Rohe-Schule, dem Aachener Berufskolleg für Technik, ein kritisches Theaterstück mit dem Titel „Wi(e)derstand zu aktuellen Themen entwickelt.

Schon oft rückten politische Anliegen und Fragestellungen in den Blickpunkt des Ensembles unter Leitung von Eckhard Debour. „Wir wollen nicht überzeugen, sondern zum Nachdenken anregen“, erklärte Jost Köbernik die Intention der Schauspielerinnen und Schauspieler. „Wi(e)derstand“ ist ein multimediales Stück. Es wird getanzt, gesungen und mit Videoprojektionen gearbeitet.

Das Stück hat keinen festen Handlungsstrang, die partizipierenden Schauspielerinnen und Schauspieler haben keine festen Rollen inne. Als Clowns verkleidet treten sie mal als tanzendes Kollektiv auf, mal als Geschichtenerzähler. Immer wieder richten sich Apelle direkt ans Publikum. Unterstützt durch Videos – beispielsweise von hilflosen Menschen auf dem Mittelmeer und hetzenden AfD-Politikern – breitet sich eine Gesellschaftsbetrachtung vor dem Publikum aus, die viele Fragen in den Raum stellt.

„Wi(e)derstand“ baut auf der biblischen Geschichte des Brudermords von Kain an Abel auf. Mit Gleichnissen und Texten von Bertolt Brecht bis Warren Buffet entfaltet sich eine Gesellschaftsbetrachtung, die bis in unsere aktuelle Zeit reicht. Es geht um Ungerechtigkeit, Armut, Krieg und Neid. Letzten Endes fügt sich das Stück zu einem Bild, welches das Publikum nachdenklich, ja erschüttert zurücklässt.

„Wi(e)derstand“ soll aber nicht nur beim Publikum auf politische und soziale Zustände aufmerksam machen. Durch das Stück seien auch sie selbst nun intensiver sozial engagiert und würden kritischer hinterfragen und denken, betonte das Ensemble.

Noch acht Vorstellungen wird es bis Mitte Juni geben. Im September kommt das Stück dann erneut zur Aufführung. Beim jährlichen Jugendtheaterfestival Bina Mira, welches dieses Jahr in Aachen stattfinden wird. Eine der letzten Zeilen von „Wi(e)derstand“ ist der Vers eines Protestlieds der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: „We shall overcome!“. Wir werden überwinden – was genau überwindet werden soll? Antworten auf diese Frage darf das Publikum selbst finden. Das Theaterstück tut alles, um dieses Finden zu begünstigen.

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