Aachen: Ratsmehrheit will bei den Radvorrangrouten aufs Tempo drücken

Radvorrangroute : Lothringerstraße soll auf voller Länge zur Fahrradstraße umgebaut werden

Nachdem es bei der Planung der Radvorrangrouten lange Zeit stockte, will die schwarz-rote Ratsmehrheit nun deutlich aufs Tempo drücken. So wollen die Mobilitätspolitiker am Donnerstag bereits einen Beschluss zum Umbau der Lothringerstraße zwischen Oppenhoffallee und Wilhelmstraße fassen – deutlich schneller, als es die Verwaltung vorgesehen hatte.

Eine Fahrradstraße auf voller Länge, weniger Parkplätze und mehr Grün: Das sind die Zielvorgaben, die die Mehrheit der Verwaltung an der Stelle noch vor der Sommerpause mit auf den Weg geben will. Zu den Details wollten die verantwortlichen Verkehrspolitiker noch keine näheren Angaben machen, da man den Beratungen im Ausschuss (Donnerstag ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Marschiertor) nicht vorgreifen wolle und mehrere Punkte noch abgestimmt werden müssten, wie CDU-Mobilitätspolitiker Jörg Lindemann erklärte. Die grobe Richtung ist jedoch klar.

Die von vielen Autofahrern stark genutzte Verkehrsachse vom Frankenberger Viertel in Richtung Wilhelmstraße und weiter in Richtung Hauptbahnhof und Burtscheid wird diese Bedeutung künftig verlieren. Dafür werden die Radfahrer dort deutlich mehr Platz bekommen – und zwar nicht länger an den Rand gedrängt, sondern mitten auf der Fahrbahn.

Ganz aussperren wird man die Autos auf der Fahrradstraße vorerst nicht, da dann der Autoverkehr komplett über die Zollernstraße geleitet werden müsste. Dies würde nach Einschätzung der Fachleute erhebliche Probleme an der Normaluhr nach sich ziehen – mit Behinderungen auch für den Busverkehr, die man unbedingt vermeiden will. So wird es von der Lothringerstraße aus weiterhin eine Linksabbiegespur in die Wilhelmstraße geben.

450 Kraftfahrzeuge in der Spitzenstunde

Noch werden in der Spitzenstunde bis zu 450 Kraftfahrzeuge in der Lothringerstraße gezählt. Diese Zahl will man senken, indem die Straße bereits ab Oppenhoffallee als Einbahnstraße ausgewiesen werden soll. Denkbar ist auch ein Rechtsabbiegeverbot an der Wilhelmstraße, was die Strecke als Ausweichroute für viele Autofahrer zusätzlich unattraktiver machen würde.

Geopfert werden müsste auch eine zweistellige Zahl an Parkplätzen, um den nötigen Platz für eine komfortable Radvorrangroute zu schaffen, die zusätzlich von einem Premiumfußweg gesäumt werden soll. CDU und SPD zeigen sich fest entschlossen, den erwarteten Protest aus Reihen der Anwohner aushalten zu wollen. Anders sei die Verkehrswende nicht zu schaffen, anders könne man aber auch den jüngst selbstgestellten Klimaschutzanforderungen nicht gerecht werden, heißt es in ihren Reihen.

So wird die Mehrheit auch den Vorschlag der Verwaltung goutieren, den Platzbereich zwischen Alfonsstraße und Friedrichstraße umzugestalten. Auch dort werden sich die Autofahrer über kurz oder lang von der Nebenfahrbahn und einigen Parkplätzen verabschieden müssen. Geplant sind größere Baum- und Pflanzbeete, mehr Bänke und auch eine kleine Spielfläche.

Die Aufenthaltsqualität soll gesteigert werden, was insgesamt zur Wohnumfeldverbesserung beitrage, erklären die Planer. „Der Platz fungiert in Zukunft somit auch als Rastplatz entlang der Fuß- und Radwegerouten ins Aachener Grün“, schreiben sie. Freuen dürfte dies auch die anliegenden Gaststättenbetreiber. Zustimmung komme aber auch schon von der am Platz ansässigen Kita.

Ihren Beschluss werden die Mobilitätspolitiker als sogenannten Vorratsbeschluss fassen, da auch noch den Bezirksvertretern von Aachen-Mitte Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden soll. Auch dies soll noch vor der Sommerpause geschehen, damit der Bau der ersten Aachener Radvorrangroute von Eilendorf in Richtung Innenstadt endlich Tempo aufnehmen kann. Bereits beschlossen ist die Umgestaltung der Schlossstraße und des Teilstücks der Lothringerstraße zwischen Wilhelm- und Harscampstraße zur Fahrradstraße.

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