Aachen: Ratsmehrheit stellt Mobilitätskonzept für die Zukunft vor

Mobilitätskonzept für die Zukunft : CDU und SPD setzen wieder auf die Stadtbahn

In Aachen soll in naher Zukunft eine Stadtbahn fahren. Dafür haben sich CDU und SPD ausgesprochen. Vorfahrt für die Schiene ist ein zentraler Baustein des aktuellen Mobilitätskonzeptes, das die Ratsfraktionen am Dienstag vorstellten.

Dass die die Straßenbahn bereits einmal krachend aufs Abstellgleis gestellt worden ist, hemmt die Fraktionen nicht in ihrem Elan. Am 10. März 2013 war das von einer breiten politischen Mehrheit getragene Projekt bei einem Bürgerentscheid krachend gescheitert. Jetzt, wo es einen politischen Konsens über die Stadtgrenzen hinaus gibt, die Euregio-Tram von Alsdorf kommend in die Innenstadt fahren zu lassen, sehen CDU und SPD im Aachener Stadtrat eine gute Chance, die alten Pläne in moderner Fassung wieder aus der Schublade zu holen. Die Tram soll eben nicht nur bis zum Bushof, sondern darüber hinaus bis Vaals und auf der anderen Seite bis Brand fahren.

Gute zehn Jahre kann das dauern, vielleicht sogar mehr, schätzt Michael Servos. Fraktionsvorsitzender der SPD. Ein solches Projekt erfordere Zeit und vor allem massive Investitionen. Die Weichen sollten jetzt gestellt werden.

Bis dahin soll aber nach dem Willen von SPD und CDU anderweitig geklotzt werden. Will heißen: Bis die Schienen gelegt sind, soll der Bus auf breiter Front Vorfahrt haben. Auch da geht es um massive Investitionen. Zum Beispiel in eigene Fahrspuren. So ist geplant, auf dem Adalbertsteinweg zwischen Kaiserplatz und Josefskirche je eine Busspur pro Fahrtrichtung in Mittellage anzulegen. Bislang gibt es nur eine Spur. Dazu soll es Radfahrstreifen am Straßenrand geben. Dem Individualverkehr ständen dann nur noch je eine Fahrbahn pro Richtung zur Verfügung.

Als eine Art „Blaupause“ für die weitere Förderung des Busverkehrs bezeichneten Servos und CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal am Dienstag diese Pläne. Die Investitionen in die Straße und in 100 bis 200 zusätzliche Busse sollen einher gegen mit deutlichen Investitionen auch in die Tarifstruktur. Die turnusmäßige Erhöhung der Fahrpreise könne kein Allheilmittel sein, so Baal. Als Modell für eine neue Tarifstruktur könnten Systeme wie das Semesterticket für Studierende oder das Jobticket dienen. Wie neue Tarife aussehen könnten, werde in wenigen Wochen vorgestellt, so Baal und Servos, der „coole Ideen“ ankündigte.

Deutlich positioniert sich die große Koalition in Sachen Radentscheid. Der wird am Mittwoch in den Rat eingebracht. Und man werde in allen Punkten zustimmen, so Baal und Servos. „Das hat auch mit Respekt vor den Wahlberechtigten zu tun“, sagte Baal angesichts von mehr als 37.000 Unterstützern in Aachen. Es sei jetzt Sache der Verwaltung, die Umsetzung der Forderungen vorzubereiten. Der Radentscheid stellt folgende Forderungen: durchgängiges, engmaschiges Radwegenetz, sichere Kreuzungen, sichere Radwege an Hauptstraße, durchgängige und einheitlich gestaltete Geh- und Radwege, umfassender Ausbau der Fahrradabstellplätze und die zeitnahe Beseitigung aktueller Mängel.

Klar sei, so Baal und Servos, dass Ausbau von ÖPNV und Radverkehr in Teilen auch zu Lasten des Individualverkehrs gehen muss. Aber: Die Erreichbarkeit der Innenstadt auch mit dem Pkw müsse gewährleistet sein, Durchgangsverkehr soll es aber nicht mehr geben. Der Pkw-Verkehr müsse Flächen abgeben, soll aber nicht ganz an den Rand gedrückt werden. Baal: „Alle Verkehrsträger müssen nebeneinander funktionieren. Aber man muss den Mut für Veränderungen haben.“ So werde das Tempo in der Innenstadt künftig von Fußgängern und Radfahren bestimmt.

Stichwort Fußgänger: Beim Umbau der Mobilität sollen sie nicht außen vor bleiben. Ein Baustein sind laut Michael Servos die Premiumfußwege, die jetzt in der Planung sind. Und bei allen Maßnahmen gehe es auch darum, dem Fußgänger den Platz und die Sicherheit zu geben, die notwendig sind.