Aachen: Ratsfraktionen befassen sich mit der Sicherheit für Radfahrer

Radverkehr in Aachen : Unsere Zeitung setzt die Politik in den Sattel

Die Reaktion kam spontan: „Eine sehr gute Idee, wir sind dabei!“ So reagierten Sprecherinnen und Sprecher der sechs Ratsfraktionen auf die Einladung unserer Zeitung, einmal gemeinsam mit Redakteuren Aachens Radverkehr unter die Lupe zu nehmen.

In den kommenden Tagen werden sich also Redakteure des Medienhauses Aachen und Kommunalpolitiker auf den Weg machen, um sich ein konkretes Bild von den vielen Gefahrenstellen zu machen, die Leserinnen und Leser dieser Zeitung in den vergangenen Tagen gemeldet haben.

Die Resonanz auf unseren Aufruf ist immens – und der Nachrichtenfluss reißt nicht ab. Jeden Tag erreichen uns neue Informationen darüber, wo es in Sachen Sicherheit und Attraktivität für Zweiradfahrer nicht nur in der Innenstadt hakt. Denn es geht nicht nur um den Verkehr innerhalb der Ringe und auf den sogenannten Ausfallstraßen. Auch aus den Stadtbezirken sind sehr viele Problemstellen gemeldet worden.

Dass auch vor dem Hintergrund des Mobilitätswandels deutlich mehr für den Zweiradverkehr getan werden muss, scheint unumstritten. Die Frage ist, was kurzfristig machbar ist und welche Strategien es gibt, auf lange Sicht den Umstieg auf das Zweirad zu erleichtern und dem Radverkehr seinen – im wahren Wortsinn – Platz innerhalb des städtischen Mobilitätskonzeptes zuzuweisen.

Handlungsbedarf sehen die Bürger offensichtlich an ungezählten Örtlichkeiten. Mehrere Leser berichten unter anderem von höchst problematischen Radwegeführungen an der Kurbrunnenstraße, wo der Schutzstreifen für Drahtesel unversehens mitten auf der Fahrbahn beginnt. Wenige Meter entfernt, am Anfang der Kasinostraße, dürfen Radler noch immer über den vergleichsweise schmalen Bürgersteig fahren, bevor ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn zur Verfügung steht.

Und immer wieder geraten Adalbertsteinweg beziehungsweise Trierer Straße in die Kritik, weil es auf der viel befahrenen Achse keinen durchgehenden Radstreifen gibt, Pedaltreter vielmehr teils über Busspuren geführt werden, dann wieder streckenweise die dicht frequentierte Kfz-Fahrbahn nutzen müssten. Unübersichtlich Situationen gebe es weiterhin etwa in der Mozartstraße; dort ende der Radweg am Viadukt Richtung Hohenstaufenallee völlig überraschend. Auch die teils gefährliche Situationen auf dem Grabenring werden immer wieder geschildert; auf dem Alexianergraben etwa könnten ausparkende Pkw-Fahrer nicht rechtzeitig sehen, ob sich Radfahrer näherten, immer wieder ragten parkende Autos sogar in den Radstreifen hinein und müssten umkurvt werden, berichten zwei Leserinnen.

Zur Diskussion gehöre aber auch – wie eine Ratspolitikerin und auch eine Leserin am Mittwoch anmahnten – Probleme aufzuzeigen, die durch Radverkehr entstehen. Da geht es vor allem auch um das Thema Rücksicht beim Fahren auf Bürgersteigen, in Fußgängerzonen oder entgegen der Einbahnstraßen – was bei vielen Straßen allerdings ausdrücklich zugelassen ist. Eine Anwohnerin der Lintertstraße berichtete indes von zahlreichen schlechten Erfahrungen mit rücksichtslosen Radfahrern, die – zum Beispiel – auf dem geteilten Rad- und Gehweg vor ihrer Haustür mit teils hohem Tempo unterwegs seien und Fußgänger gefährdeten. „Leider erlebe und beobachte ich das immer wieder, und ich finde, man sollte auch dieses Problem viel mehr thematisieren“, sagte sie.

Tabus soll und wird es nicht geben, wenn über die Zukunft des Radverkehrs auch mit der Politik diskutiert wird. Die erste Radtour Redakteur/Politiker startet am heutigen Donnerstag, die weiteren folgen. Wir werden ausführlich berichten.

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