Aachen: Ramrath-Brüder nehmen Mullefluppet-Preis entgegen

Mullefluppet-Preis: Geballte Schlitzohrigkeit im Doppelpack

Mullefluppet-Preis für Franz-Dieter und Heinz-Peter Ramrath

Für die Ramrath-Brüder war es ein ganz großer Abend: In der Kappertz-Hölle haben Heinz-Peter und Franz-Dieter am Donnerstag den Mullefluppetpreis der Aachener Zeitung entgegengenommen.

Wie lockt man einen Kneipier von der heimischen Schänke am Bergdriesch in die fünf Kilometer entfernte Kappertz-Hölle in Rothe Erde? Mit einer erlesenen Auswahl an Bieren? Schon mal kein schlechter Anfang. Gute Musik? Die darf natürlich nicht fehlen. Vielleicht dazu noch ein Preis? Viel zu tief gestapelt! Nehmen wir gleich zwei! Schließlich sind die Brüder Heinz-Peter und Franz-Dieter Ramrath nur im Doppelpack „die besten Brüder der Welt“, wie sie selbst sagen – und das, wie nicht erst die Mullefluppetpreisverleihung am Donnerstagabend gezeigt hat – völlig zu recht.

Es war eine wahrhaft gelungene Premiere, die das Publikum im voll besetzten Saalbau Kappertz erlebte. Noch nie in der 34 Jahre alten Geschichte der begehrten Auszeichnung der Aachener Zeitung wurden zwei Brüder ausgezeichnet. Deshalb hat das Mullefluppet-Kuratorium – bestehend aus Choreografin Marga Render, Thouetpreisträgerin und Mundartschauspielerin Ina Gröbner, Eventmanager Christian Mourad, Musiker Dieter Kaspari, dem Marketingfachmann des Zeitungsverlags Aachen Michael Cosler und AZ-Redakteur Robert Esser – auch keine Kosten und Mühen gescheut, um es den beiden Preisträgern so heimelig wie möglich zu machen. Biertheke, Barhocker, Stehtische und fertig war die Kneipe in der Kneipe auf der großen Bühne – mit dem Namen „Im Knapp“ versteht sich, das „Knipp“ der Brüder Ramrath ist schließlich einzigartig.

Fast so wie die Brüder selbst. Was Stammgäste der Traditionskneipe schon lange wissen, wurde spätestens am Donnerstag nochmal deutlich. Humorvoll, hilfsbereit, schlitzohrig und mit einer ausgeprägten Liebe zu Aachen: Heinz-Peter und Franz-Dieter verkörpern alle Tugenden, die einen echten Mullefluppet ausmachen. Doch bevor sie den Preis entgegennehmen konnten, mussten „die besten Brüder Welt“ erst ihre Fähigkeiten als „beste Barkeeper Aachens“ unter Beweis stellen. Ob beim Fassanschlag und der Bierverkostung – mit verbundenen Augen. Oder beim Pantomine-Quiz mit dem Publikum – mit weit geöffneten Augen. Nicht immer perfekt, aber überaus sympathisch.

Das eigentliche Geheimnis der Ramrath-Brüder offenbarten diese dann in ihrer Dankesrede selbst: Es ist nicht der Humor oder der enge Familienzusammenhalt, der Heinz-Peter in der Küche und Franz-Dieter am Tresen so erfolgreich machen. Es ist schlicht und ergreifend Zauberei. Ein Gin Tonic für den Herrn? Dafür braucht es weder im „Knipp“ noch im provisorisch errichteten „Knapp“ große Worte. Ein Blick in die Augen und Franz-Dieter, der Gedankenleser, weiß sofort Bescheid. Eine Portion Reibekuchen am Abend? Auch diesen Wunsch liest er von den unbewegten Lippen eines Zuschauers ab – sehr zur Freude des begeisterten Publikums. Kein Wunder also, dass die Brüder mit ihrer Kneipe den Aachenern fast schon „ein Wohnzimmer“ bereiten, wie AZ-Redakteur Robert Esser in seiner Laudatio betonte – mit solch magischer Unterstützung.

Die 33. Preisträger

Das Publikum in der Kappertz-Hölle rissen die Brüder Ramrath – und nicht nur diese – gleich mehrfach von den Stühlen. Ob beim magischen Schabernack. Oder der obligatorischen Portion Fastelovvend, die bei einem ehemaligen Karnevalsprinzen auf der Bühne natürlich nicht fehlen darf. „Die 33. Preisträger, 3x11 Jahre – das passt!“, bemerkte Ex-Prinz Franz-Dieter Ramrath treffend. Und auch der sechs Jahre jüngere Heinz-Peter zeigte, dass er sich in Sachen Bühnenpräsenz vor seinem älteren Bruder nicht verstecken muss.

Treffend saßen auch die Pointen, mit denen Stadtsprecher Bernd Büttgens und Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt als „Groschan & Hermanns“ nicht nur die Preisträger liebevoll aufs Korn nahmen. Genauso wie die Töne von Dieter Kaspari, der mit FH-Rektor Marcus Baumann und Albrecht Peltzer, Leiter der AZ-Lokalredaktion, für den nötigen Kneipenblues sorgten, der sicherlich niemanden betrübt zurückließ.

Schon gar nicht die strahlenden Preisträger. Die haben den Platz für den gläsernen Mullefluppet-Preis längst festgelegt. Hinter der Theke im „Knipp“ natürlich. Wie es sich für einen ordentlichen Kneipier gehört.

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