Aachen: Radler bevorzugt in die Stadt schleusen

Bezirksvertretung Aachen-Mitte : Rad-Vorrangrouten auf den Weg gebracht

Wer in Aachen aufs Fahrrad steigt, beweist Mut. Radfahren in der Stadt ist inmitten des brausenden Autoverkehrs gefährlich. Immer mehr Bürger fordern deshalb ein sicheres Radwegenetz. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte machten sie Druck.

Vertreter von Fahrrad-Initiativen überreichten Marianne Conradt einen dicken Aktenordner mit knapp 1500 Unterschriften. Ob im Frankenberger Viertel, in Brand oder andernorts, Firmen beteiligten sich, Vereine, Schulen, Geschäfte und, und, und. In der „Fragestunde für Einwohner“ meldeten sich viele der rund 30 Besucher lebhaft zu Wort: „Wie weit ist die Planung für die Rad-Vorrangrouten?“

„Wenn wir aufs Fahrrad umsteigen sollen, müssen die Radwege attraktiv sein“, erklärte ein Bürger. Vor vielen sei zu hören, sie würden gern mit dem Rad fahren, trauten sich aber nicht bei dem Verkehr. „Autos raus!“ sekundierte ein Zwischenrufer laut.

Auch am Berufskolleg Beeckstraße im Suermondt-Viertel wurden Unterschriften für ein sicheres Radwegenetz gesammelt. Eine Lehrerin wies auf den „täglichen Verkehrsstau“ im Viertel hin und fragte, ob bei der Umgestaltung des Viertels (Kreuzung Martin-Luther-Straße/ Gottfriedstraße/Richardstraße) an „gesicherte Abstellmöglichkeiten“ für die Fahrräder der Schüler gedacht sei.

Bei Ampel-Rot solle ein grüner Pfeil das Rechtsabbiegen für Radler gestatten, empfahl ein Bürger, in den Niederlanden sei das seit 1990 möglich. Ein Herr kritisierte, dass bei der Umgestaltung der Schlossstraße „an die Radfahrer nicht gedacht“ worden sei. Ein anderer bemängelte die „in Aachen seit einigen Jahren eingerichteten Radwege mit gestrichelten Linien“, wobei er die Schutzstreifen für Radfahrer meinte, und ergänzte resolut: „Der Deutsche braucht durchgezogene Linien!“

Eine ältere Dame schilderte ihre Radtouren von Forst herunter in die Innenstadt: „An den Querstraßen ist es nicht ungefährlich, aber ich nehme das Risiko auf mich. Viele aber haben Angst. Wir wären froh, wenn die Rad-Vorrangrouten kämen.“ „Fahrradstraßen“ hieß das Stichwort für eine andere Bürgerin.

Auftritt gut gewählt

Unterschriften, Wortmeldungen, Fragen und Wünsche jede Menge. Die Verfechter des Radfahrens hatten ihren Auftritt klug gewählt: In der Bezirksvertretung standen die „Rad-Vorrangrouten“ und erste „Fahrradstraßen“ auf der Tagesordnung. Unglücklich war leider, dass zwischen Fragestunde und Beratung der Rad-Routen vier andere Punkte anstanden, so dass die „Rad-Fraktion“ der Bürger weit mehr als eine Stunde ausharren musste, um Neues zu erfahren. Viele machten sich zuvor auf den Heimweg.

Das in den politischen Gremien schon mehrfach beratene und „zustimmend zur Kenntnis“ genommene Konzept des Rad-Vorrang-Netzes sieht als „Grundgerüst“ vor, dass zehn Rad-Routen von den äußeren Stadtteilen in die Innenstadt führen (unsere Zeitung berichtete mehrfach). Das Netz wird 60 Kilometer umfassen.

Die Bezirksvertretung entschied, mit der „Rad-Vorrangroute Eilendorf“ und der „Rad-Vorrangroute Campus Melaten“ zu beginnen. Die Route Eilendorf orientiert sich am bestehenden Rad-Netz und führt vom Bahnhof Eilendorf über Beverstraße-Bismarckstraße-Schlossstraße-Lothringer Straße-Harscampstraße-Schildstraße-Wirichsbongardstraße bis zum Kapuzinergraben. Die Route Campus Melaten wird die Hochschulstandorte im Westen mit der Innenstadt verbinden. Sie führt von der Melatener Straße bis zum Templergraben.

Zustimmung bei allen Fraktionen

Fraktionsübergreifend nahm die Bezirksvertretung das Konzept allgemein „zustimmend zur Kenntnis“ und stimmte insbesondere der innerstädtischen Linienführung zu. Sie beauftragte die Verwaltung, die „Umgestaltung der Abschnitte zu konkretisieren“. Matthias Achilles von den Piraten betonte: „Wir wollen mehr Radfahrer. Wir wollen den Verkehr in der Innenstadt ändern.“ Die verbliebenen Zuhörer applaudierten.

Ein „Dankeschön!“ aus den Reihen der Bürger gab es für eine weitere einstimmige Entscheidung: Entlang der „Rad-Vorrangroute Eilendorf“ sollen zwischen dem Bahnhof Rothe Erde und dem Kapuzinergraben in einem ersten Schritt die Beverstraße, die Schlossstraße und die Lothringer Straße zwischen Wilhelmstraße und Harscampstraße als „Fahrradstraßen“ ausgewiesen werden. Auf diesen Straßen haben Radfahrer einerseits Vorrang vor dem motorisierten Verkehr, andererseits aber auch mehr Rechte, dürfen beispielsweise auch nebeneinander her fahren. Entlang der „Rad-Vorrangroute Campus Melaten“ sind die Geschwister-Scholl-Straße, Ahornstraße (zwischen Halifaxstraße und Melatener Straße) und Siemensstraße (zwischen Ahornstraße und Auf der Hören) als Fahrradstraße (mit Kfz-Freigabe) vorgesehen.