Aachen: Private dreieins-Grundschule zieht nach Laurensberg

Eröffnungsfeier am Hander Weg : Kleine Schule im großen Schulzentrum

Die einen brauchten ein neues Dach über dem Kopf, die anderen hatten reichlich Platz. Und so kam es, dass zum neuen Schuljahr eine neue Schule ins Schulzentrum Laurensberg eingezogen ist. Die private dreieins-Grundschule hat sich in Räumen der beiden Förderschulen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) am Hander Weg eingemietet. Am Freitagmorgen wurde nun offiziell Einzug gefeiert.

Die dreieins-Grundschule ist Aachens jüngste Grundschule – und auch die kleinste. 18 Kinder lernen dort in den ersten drei Jahrgängen. Vor wenigen Tagen sind sieben Erstklässler eingeschult worden. Das zweite Schuljahr hat fünf Kinder, im dritten Schuljahr lernen sechs Mädchen und Jungen.

Nach zwei Jahren in Aachen ist die Nachfrage nach Schulplätzen an der dreieins-Grundschule also weiterhin verhalten, das bestätigt auch die kommissarische Schulleiterin Sandra Liedtke. Sie ist aber optimistisch: „Bei den Schülerzahlen sehen wir eine Entwicklung nach oben. Und es gibt schon Anmeldungen für das Schuljahr 2020/21.“

Die dreieins-Grundschule kam aus Berlin nach Aachen. Der Träger, die dreieins Innovative Pädagogik gGmbH, vormals Bildung und innovative Pädagogik gGmbH (bip), betreibt in der Hauptstadt bereits zwei Grundschulen und drei Kindertagesstätten. Zunächst eröffnete die Aachener dreieins-Schule an der Barbarastraße in Rothe Erde. Das Gebäude der ehemaligen Grundschule Barbarastraße war aber nur eine Zwischenstation, da die Stadt Aachen die Räume demnächst selbst braucht, als Auslagerungsstandort für die Montessori-Grundschule Eilendorf, die groß umgebaut wird.

Mit den neuen Räumen in Laurensberg sei man sehr glücklich, betonte die Schulleiterin: „Wir haben hier hervorragende Bedingungen.“ Turn- und Schwimmhalle, Küche, Kunst-, Werk- und Musikräume sowie die Bühne samt Technik, all das kann die dreieins-Grundschule mitbenutzen. Die Klassenräume sind in der Johannes-Kepler-Schule, LVR-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen, untergebracht. Platz sei reichlich vorhanden in dem Gebäude, sagte deren Schulleiterin Armgard Gessert am Freitag. Denn der letzte „Standortschüler“ der Johannes-Kepler-Schule wurde bereits 2013 „ausgeschult“. Seitdem werden alle Kinder der Förderschule inklusiv an allgemeinen Schulen unterrichtet.

Der Berliner Träger betreibt in Aachen auch eine Kindertagesstätte. Bereits seit einem Jahr ist die dreieins-Kita am Hander Weg zu Hause, in den Räumen des Förderschulkindergartens der David-Hirsch-Schule, LVR-Förderschule mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation. Die 20 Plätze für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren sind allesamt belegt, zum 1. September wird das Platzangebot auf 25 aufgestockt.

Die „Wohngemeinschaft“ von dreieins-Schule und -Kita mit den beiden Förderschulen soll mehr sein als eine reine Zweckgemeinschaft. Das betonte nicht nur Sandra Liedtke, sondern auch die Schulleiterin der David-Hirsch-Schule, Susanne Keppner, die die „Neuen“ am Freitag herzlich willkommen hieß: „Raumprobleme können erstaunliche Perspektiven eröffnen“, befand Keppner, „wir haben hier die tolle Chance, Inklusion konkret zu gestalten. Die Chance müssen wir nutzen.“

Die dreieins-Grundschule ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule. Unterrichtet wird nach den Lehrplänen des Landes Nordrhein-Westfalen. Es gibt aber Extras. Zum Beispiel lernen die Kinder Englisch und Chinesisch ab der ersten Klasse, Französisch ab der zweiten. Neun „Kreativitätsfächer“ sind im Angebot, darunter Tanz und Bewegung, Schach, digitale Medien oder „Entdecken, erforschen, erfinden“.

Jede Klasse einer dreieins-Grundschule solle nicht mehr als 17 Kinder haben, erläuterte die Schulleiterin. Davon ist die Schule in Aachen derzeit noch ein ganzes Stück weit entfernt. Sandra Liedtke sieht vor allem Vorteile in den sehr kleinen Lerngruppen – außer im Sport. „Sportunterricht mit nur sechs Kindern, das ist schon eine Herausforderung“, sagt sie.

Billig ist ein Schulplatz an der dreieins-Schule allerdings nicht. Rund 500 Euro werden fällig – im Monat. „In diesem Betrag ist aber auch alles drin“, betont Liedtke und zählt auf: sämtliche Schulbücher, Essen, die Kreativfächer und eine umfassende Betreuung nachmittags und in den Ferien. Geschlossen ist die Schule nur drei Wochen in den Sommerferien und in den Weihnachtsferien.

Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband, den Schulen vor Ort und der Laurensberger Bevölkerung, erklärten die Vertreterinnen des Trägers, Geschäftsführerin Kerstin Brödnow und Ellen Staubesand, Referentin der Geschäftsführung. Für Eltern und andere Ehrengäste, an der Spitze Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, hatten Kita- und Grundschulkinder ein kleines Programm mit Liedern und Tänzen vorbereitet. Und die Grundschulkinder führten vor, dass sie längst bis zehn zählen können – auf Chinesisch.

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