Aachen: posthume Ehrung für Vera Blazek

Kulturverein Aachen-Prag : Kulturpreis Karl IV. für verstorbene Gründerin Vera Blazek

Der Kulturpreis Karl IV. geht in diesem Jahr an Vera Blazek. Der Kulturverein Aachen-Prag ehrt mit der Auszeichnung posthum seine verstorbene Mitbegründerin, die auch Initiatorin des Preises war. Die Preisverleihung am 1. Dezember wird auch die letzte Veranstaltung des Vereins sein. Der Kulturverein löst sich nach 20 Jahren auf.

Sie war eine Brückenbauerin zwischen Aachen und Prag, zwischen Deutschland und Tschechien: Mit Leidenschaft und mitreißender Energie setzte sich Vera Blazek für den kulturellen Austausch und für Begegnungen zwischen den Menschen beider Länder ein. Die Gründung des Kulturvereins Aachen-Prag, dessen rührige Vorsitzende sie war, ging auf ihre Initiative zurück, ebenso der 2010 gestiftete Kulturpreis Karl IV. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Verein nun seine im März verstorbene langjährige Vorsitzende.

Die Jury wolle damit besonders Blazeks unermüdlichen Einsatz für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Tschechien würdigen, begründete deren Sprecherin, die Europaabgeordnete Sabine Verheyen, am Freitag die Entscheidung.

Der Kulturpreis Karl IV. erinnert an Kaiser Karl IV., den herausragenden Herrscher des 14. Jahrhunderts, der mit seinen Krönungen zum König von Böhmen 1347 in Prag und zum römisch-deutschen König 1349 in Aachen sowie durch sein politisch-kulturelles Wirken die beiden Städte einander näherbrachte. „Karl IV. hat eine Brücke geschlagen zwischen der böhmischen Metropole Prag und der westlichen Metropole Aachen“, sagt Aachens Kulturdezernentin und Jurymitglied Susanne Schwier. „Und Karl IV. war auch ein glühender Verehrer ‚unseres’ Karls.“ Somit bestehe auch eine Verbindung zwischen dem Kulturpreis Karl IV. und dem Internationalen Karlspreis zu Aachen.

Der Kulturpreis wird verliehen für außerordentliche Leistungen, vor allem um die Intensivierung der Kontakte zwischen Aachen und Prag und deren Bürgern sowie um die Verständigung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik.

Sie stellten die Preisträgerin 2018 vor: die Jury- und Vorstandsmitglieder Hubertus Peters, Susanne Schwier, Sabine Verheyen, Herbert Zantis und Betty Dahmen (v.l.). Foto: ZVA/Harald Krömer

Und hier habe Vera Blazek wahrlich Großes geleistet, betonte Schwier. 1946 in Zentralmähren – damals CSSR – geboren, erlebte Blazek die schwierigen Nachkriegsjahre und die kommunistische Gewaltherrschaft. 1971 emigrierte sie mit der Familie in die Bundesrepublik und nach Aachen.1986 wurde sie deutsche Staatsbürgerin.

Für den Austausch zwischen den beiden ehemaligen Krönungsstädten Aachen und Prag arbeitete sie Jahr um Jahr mit unermüdlichem Einsatz. 1998 wurde der Kulturverein Aachen-Prag gegründet. Mehr als 200 Veranstaltungen und Begegnungen wurden in den 20 Jahren seitdem auf die Beine gestellt, immer mit Vera Blazek als Motor und Ideengeberin. „Sie hat uns auch viel von unserer eigenen Geschichte vor Augen geführt“, rief Sabine Verheyen in Erinnerung. „Sie hat Aachen ein ganzes Stück reicher gemacht. Sie wird uns wirklich fehlen.“

Seit dem Vera Blazeks plötzlichem Tod führt Herbert Zantis den Kulturverein als kommissarischer Vorsitzender. Zum Festakt am 1. Dezember wird auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen erwartet. Vladimir Blazek wird den Kulturpreis für seine verstorbene Frau entgegennehmen.

Die Preisverleihung ist auch die letzte Veranstaltung des Kulturvereins Aachen-Prag. „Wir müssen den Verein zum 31. Dezember 2018 auflösen“, erklärte Herbert Zantis. Trotz aller Bemühungen habe man keine Nachfolger für die bisherigen Vorstandsmitglieder gefunden. Gesucht wurde vor allem jemand, der die tschechische Sprache spricht und sich auskennt mit den Verbindungen zwischen Prag und Aachen, Böhmen und Deutschland. Gesucht wurde jemand mit Beziehungen nach Prag. Einen möglichen Kandidaten, der all das erfüllen würde, habe es auch tatsächlich gegeben, berichtete Zantis, „aber der hat keine Zeit.“ Deshalb habe die Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins beschlossen. „Die Beziehungen zwischen Aachen und Prag werden aber nicht völlig austrocknen“, hofft Zantis. „Durch das Wirken von Vera Blazek sind Freundschaften entstanden. Die werden bleiben.“

Bleiben wird hoffentlich auch der Baum, den der Kulturverein 2014 am Prager Ring gepflanzt hat – 20 Jahre nachdem die Tschechische Republik ihre Unabhängigkeit erlangt hatte, und 20 Jahre nachdem die frühere Goebbelgasse in Aachen in Prager Ring umbenannt worden war. Wegen ihrer herzförmigen Blätter werde die Winterlinde auch „Liebeslinde“ genannt, erzählte Vera Blazek damals.

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