Aachen: Polizei legt Kriminalitätsstatistik vor

Kriminalitätsstatistik 2018 : Weniger Einbrüche, weniger Diebstähle in Aachen

Weniger Straftaten, mehr Sicherheit: Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach hat die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2018 vorgelegt.

Ein 81-Jähriger steht am Bankschalter und will 100.000 Euro abheben. Dem Bankangestellten kommt das komisch vor. Nicht wegen dieser hohen Summe, sondern weil der betagte Bürger schon am Vortag 100.000 Euro in bar von seinem Konto abgehoben hat. Das Geldinstitut alarmiert die Polizei. Zumindest die Hälfte des Geldes wird gerettet, der Rest floss schon in die Taschen von Trickbetrügern. Die Telefonmasche – meist Enkeltrick oder falscher Polizist – greift um sich. 1383 Fälle zählte das Aachener Polizeipräsidium vergangenes Jahr, Schadenssumme: 1,4 Millionen Euro.

Und auch wenn über 95 Prozent der Versuche scheitern – Polizeipräsident Dirk Weinspach nennt diese Verdopplung der Straften gegen Senioren erschreckend. Dabei darf der Polizeichef an diesem Mittwoch eigentlich außerordentlich Positives verkünden. Die Zahl der Straftaten auf Aachener Stadtgebiet sinkt kontinuierlich –  mittlerweile mit 26.219 Fällen auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

Angeführt wird die Statistik von Mord und Totschlag. Zwei vollendete Morde, ein vollendeter Totschlag sind zu verzeichnen – zudem einige Versuche. Was furchtbar ist, aber der deutliche Rückgang der Gewalttaten insgesamt erhellt das Bild: weniger Vergewaltigungen (45 Opfer, minus 19,6 Prozent), weniger sexueller Missbrauch von Kindern (22 Fälle; minus 35,3 Prozent), weniger Raubüberfälle auf Spielhallen und Tankstellen (7 Fälle, minus 70 Prozent), weniger Taschendiebstähle (1021 Fälle, minus 29,4 Prozent), weniger schwere Körperverletzungen (638 Fälle, minus 8,3 Prozent) tauchen in den Akten auf.

Autoaufbrüche (1484 Fälle) sinken um 13 Prozent, Autodiebstähle sogar um 31,2 Prozent auf 225 entwendete Fahrzeuge. „Das sind Deliktbereiche, die das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders betreffen. Deshalb sind uns die Rückgänge der Zahlen hier besonders wichtig. Unser City-Konzept mit hohem Personalaufwand und mehr Polizei auf der Straße greift“, sagt Weinspach.

Dies spiegelt sich auch bei den Einbruchszahlen wider, die nun ein weiteres Jahr rückläufig sind. 46 Gaststätten wurden von Dieben im Jahr 2018 heimgesucht (minus 26,6 Prozent), 70 Geschäfte (minus 42,1 Prozent) und 525 Wohnungen (minus 41,9 Prozent). „Hier macht sich auch bemerkbar, dass die Präven­tionsarbeit der Polizei Früchte trägt und immer mehr Bürger ihr Zuhause durch geeignete Sicherheitstechnik schützen“, lobt der Polizeipräsident. Im Jahr 2013 hatte man in Sachen Wohnungseinbrüche mit 1242 Straftaten einen Höchststand verzeichnet.

Allerdings gibt es auch Deliktbereiche, in denen die Fallzahlen aktuell steigen. Dazu zählen Ladendiebstähle (2440 Fälle, plus 7,5 Prozent), Diebstähle von Motorrädern (279, plus 12 Prozent) und vor allem Fahrradiebstähle (1620, plus 15,6 Prozent). „Das ist einerseits sicherlich der Tatsache geschuldet, dass es in der Studentenstadt Aachen besonders viele Fahrradfahrer gibt“, sagt Stephan Wey, Leiter der Direktion Kriminalität. „Allerdings spielt sicher auch eine Rolle, dass Fahrräder, vor allem immer mehr E-Bikes, begehrte und lohnende Beute sind.“ Zählt man die fahrräder und Elektroräder mit, die aus Garagen und Kellern bei Einbrüchen gestohlen wurden, kommt man sogar auf 2217 Räder.

Dass hingegen weniger Rauschgiftdelikte zu Buche stehen, liege wohl an dem – aufgrund anderer polizeilicher Schwerpunkte – im Jahr 2018 gesunkenen Kontrolldruck, räumen die Ermittler ein. Diese sehen sich übrigens immer häufiger brutaler Gewalt ausgesetzt, wie Weinspach beklagt. 270 Gewalttaten gegen Vollstreckungsbeamte – darunter zwei versuchte Tötungsdelikte – waren vergangenes Jahr zu beklagen. „Wir bringen alles zur Anzeige. Und es ist wahrnehmbar, dass die Justiz hier auch schärfer durchgreift“, so der Polizeichef.

Die Aufklärungsquoten schwanken übrigens je nach Delikt erheblich. Von unter drei Prozent bei Taschendiebstahl und Kelleraufbrüchen bis zu 100 Prozent bei Tötungsdelikten. Die Täter bei Betrugsfällen gegen Senioren sitzen in der Regel im Ausland, meist in Osteuropa – oft Polen und Türkei. An die Hintermänner zu kommen, ist deshalb auch im jüngsten Fall des 81-jährigen Enkeltrick-Opfers schwierig.