Aachen: Politik beschließt höhere Tarife für Busfahrten

Mobilitätsausschuss der Stadt Aachen : Das Busfahren in Aachen wird teurer

Um 2,7 Prozent werden ab 1. Januar 2019 die Preise für das Busfahren in Aachen steigen. Der Mobilitätsausschuss hat dies jetzt beschlossen. Den Überraschungscoup landete die SPD-Fraktion, die in diesem Punkt aus der großen Koalition ausscherte: Die fünf Sozialdemokraten enthielten sich bei der Abstimmung.

Mit knapper Mehrheit – abgesichert durch die Zustimmung von FDP-Ratsherr Peter Blum – schrammte die CDU an einer drohenden Ablehnung der Tariferhöhungen vorbei. Grüne, Linke und die Piraten hatten zuvor in der Debatte um die Sinnhaftigkeit der jährlichen Preiserhöhungen im ÖPNV das durch AVV-Geschäftsführer Hans-Peter Geulen vorgestellte Gesamtpaket der Tariferhöhungen kritisiert.

Besonders die Änderungen beim sogenannten Mobil-Ticket stießen auf Ablehnung aller Fraktionen. Der AVV – die Aseag in der Stadt Aachen ist ein Teil des Verkehrsverbundes – hatte geplant, das für Bezieher einer Mindestversorgung vorbehaltene Ticket auf die Gruppe der Wohngeldempfänger auszudehnen.

Keine schlechte Idee, könnte man meinen. Doch die Landeszuschüsse für das Ticket sind so angelegt, dass bei weiteren 8000 Antragsberechtigten aus dem Wohngeldbereich nach Einschätzung der Politik die Tickets deutlich teurer geworden wäre und dies zu einer erheblich höheren Belastung für Nutzer mit Mindestsicherung geführt hätte. Das Ticket (monatlich 32,50 Euro) soll bereits um 45 Cent erhöht werden. Das hielt der Aachener Mobilitätsausschuss für ausreichend, die Hinzunahme der Wohngeldempfänger lehnte man einstimmig ab.

Der Ausschuss begrüßte dagegen die zeitliche Öffnung des Seniorentickets, mit dem man bislang erst ab 9 Uhr morgens die Busse nutzen durfte. Die Zeitschranke fällt ab dem neuen Jahr weg, dafür steigt der nun „Aktiv-Abo“ genannte Seniorenfahrschein in zwei Schritten im Jahr 2019 auf monatlich 58 Euro, dann folgen weitere vier Euro Zuschlag ab 2020. Das ergebe eine Erhöhung von insgesamt acht Euro, rechnete Geulen vor.

Das sei zu teuer angesichts einer Vielzahl kleiner Renten, monierte Seniorenvertreter Rolf Klingbeil. Insgesamt thematisierten Ausschussmitglieder sehr wohl die großzügige Altersgrenze: Ab 60 kann man das Seniorenticket erwerben, egal ob man noch im Berufsleben steht oder nicht. Ob das so richtig sei, diese Frage stellte auch Gaby Breuer (CDU).

Geulen warb nochmals für das vorgeschlagene AVV-Tarifpaket, das an vielen Stellen besser geworden sei. Beispielsweise würden Übertragbarkeiten der Karten und Mitnahmemöglichkeiten etwa beim Azubi-Abo und beim Aktiv-Abo ausgeweitet, die Monatskarten könnten ab 2019 zu jeder Zeit als Flexi-Tickets mit einmonatigem Geltungsbereich erworben werden.

Das alles habe das Ziel, den ÖPNV attraktiver zu machen, Preissteigerungen und höhere Personalkosten müssten allerdings mit der Erhöhung aufgefangen werden. Ohnehin rangiere der Ticketpreis bei der Entscheidung, Bus und Bahn zu benutzen, erst an vierter Stelle bei den Konsumenten, erklärte Geulen. Für „soziale Experimente“ wie ein Jahresticket für 365 Euro, mit dem die Stadt Bonn locken will, müsse es dann eben politische Beschlüsse und eine entsprechende öffentliche Finanzierung geben.

Von der Preisdiskussion verspreche er sich nicht viel, begründete SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Servos die überraschende Enthaltung. Doch man könne den AVV-Vorschlägen nicht zustimmen, da sie „wie immer“, so Servos, viel zu spät im Jahr und völlig intransparent in ihrer Entstehung vorgelegt worden seien. Für die Enthaltung der Genossen hagelte es jedoch Kritik. Wilfried Fischer (Grüne) sprach von „mutloser“ Politik, mit einer Enthaltung könne man nun wirklich keine Verkehrswende in den Innenstädten schaffen.

Selbst die in der Koalition verbundene CDU zeigte Unverständnis. Sprecherin Gaby Breuer forderte Servos auf, „nochmal über die Enthaltung“ nachzudenken. Man habe das eben so abgesprochen mit dem Koalitionspartner, konterte Servos.

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