Aachen: Podologie bei Diabetes besonders wichtig

Neuer medizinischer Ausbildungsgang : Mit dem richtigen Fuß aufgestanden

„Unsere Füße tragen uns durchs Leben und haben unsere Wertschätzung verdient.“ Das meinen Sonja Pinell und Giovanna Floris einhellig. Beide haben jetzt an der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe Aachen eine Ausbildung zur staatlich geprüften Podologin begonnen.

„Und dieses Angebot ist ganz neu in Aachen“, sagt Schulleiterin Beate Teubner. Es ist längst an der Zeit, Fachkräfte in diesem Bereich auszubilden. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem ‚diabetischen Fuß‘“, sagt sie weiter. Denn der könne große Probleme verursachen und dürfte nur von Podologen versorgt werden.

Sonja Pinell kommt aus dem Gesundheitsbereich und hat sich auf die Wundversorgung spezialisiert. Füße durfte sie bis jetzt aber nicht behandeln. Nun will sie ihr Handlungsfeld mit der Ausbildung zur Podologin erweitern. Sie weiß, wie wichtig eine gute Wundversorgung ist und will die Füße dabei in Zukunft auch behandeln. Auch Giovanna Floris kann sich für den Fuß begeistern. Sie denkt daran, sich später selbstständig zu machen, eine podologische Praxis wäre ihr Traum.

15 Schülerinnen am Start

Insgesamt 15 Schülerinnen haben im Oktober ihre Ausbildung an der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe (CBG) am Luisenhospital begonnen. Neben Hebammen, Altenpflegerinnen, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sowie operationstechnischen Assistenten werden hier auch Podologen ausgebildet.

Laut Beate Teubner herrscht in dieser Sparte ein großer Fachkräftemangel. Denn seit 2002 seien bundesweit nur 20.000 Podologen ausgebildet worden, viel zu wenig, um rund zehn Millionen Diabetiker zu versorgen. „Denn gerade Diabetiker brauchen eine regelmäßige Fußkontrolle durch geschulte Podologen“, sagt sie. Die Gefahr sei hoch, dass durch eine verminderte Schmerzempfindlichkeit und durch den Diabetes Wunden entstünden, die nur schwer zu heilen seien.

Diabetiker sollten sich demnach auch nicht selbst die Zehennägel schneiden. Auch hier sei der Podologe gefragt. „Der versiegelt unter Umständen sogar die Nagelschnittkanten, um Verletzungsmöglichkeiten auszuschalten“, sagen die angehenden Podologinnen. Schon im kommenden Jahr sollen sie die Möglichkeit bekommen, in der Praxis an Patienten zu lernen. Beide haben im Krankenhaus bereits Patienten versorgt, und beide wissen sehr genau, warum sie sich nun mit der Podologie beschäftigen.

„Viele verstehen die Podologie als Ergänzung zu ihrer bisherigen Tätigkeit“, meint Beate Teubner. Und jetzt können sie die Ausbildung in Angriff nehmen, ohne dass ihnen dadurch allzu hohe Kosten entstehen. Das Land übernimmt inzwischen 70 Prozent der Kosten. Und es besteht die Möglichkeit, sich in Teilzeit ausbilden zu lassen.

Nichtärztliche Versorgung

Der Podologe übernimmt die nichtärztliche Versorgung des Fußes und benötigt dabei Fachwissen aus der Anatomie, Druckentlastung und der Wundversorgung unter höchstem Hygienestandard. Für Sonja Pinell und Giovanna Floris ist das genau das Richtige. Gerade Sonja Pinell wurde im Krankenhaus oft mit Diabetikern konfrontiert, bei denen die gute Versorgung gerade der Füße extrem wichtig sei. Als staatlich geprüfte Podologin darf sie sich später auch darum kümmern.

Und Beate Teubner betont ausdrücklich, dass staatlich geprüfte Podologen eine 100prozentige Aussicht auf eine Anstellung haben. Für den ersten Jahrgang, der gerade begonnen hat, gibt es noch einige freie Plätze (Kontakt: beate.teubner@luisenhospital.de).

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