Aachen plant klare Regeln für Druck und Verteilung von Kunstkatalogen

Streit um Ausstellungskataloge : Die Stadt tritt in Museen auf die Kostenbremse

Der allzu lässige Umgang mit öffentlichen Geldern, den zuletzt der scheidende Leiter des Ludwig Forums, Andreas Beitin, beim Druck von Ausstellungskatalogen an den Tag gelegt hat, soll nachhaltig eingedämmt werden.

In einer nichtöffentlichen Vorlage fordern die städtischen Rechnungsprüfer jetzt strengere Vorgaben für die Stückzahlen von Museumskatalogen und verbindliche Regeln für die Verteilung von Freiexemplaren.

Wie unschwer zu erkennen ist, reagieren die Rechnungsprüfer mit ihrer Empfehlung auf die Vorkommnisse im Ludwig Forum, die insbesondere auch dem nach Wolfsburg wechselnden Beitin Ende vergangenen Jahres viel Kritik eingebracht haben. Er hatte mehrfach seine Befugnisse überschritten und allein mit der Produktion von zwei Ausstellungskatalogen Mehrkosten von 35.000 Euro verursacht.

Besonders eklatant war die Publikation für die Kuba-Ausstellung im vergangenen Jahr: Für die gerade mal 500 gedruckten Exemplare wurden am Ende mehr als 62.500 Euro in Rechnung gestellt, gut 22.000 Euro mehr als genehmigt. Der Produktionspreis je Exemplar lag damit bei rund 125 Euro, der Verkaufspreis wurde pro Stück auf 49,80 Euro festgelegt. Aufgrund der verspäteten Auslieferung wurden kaum mehr als 20 Exemplare verkauft, 310 jedoch kostenfrei verteilt. Der Rest liegt seitdem ungenutzt im Keller des Ludwig Forums.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Katalog für die Mies-van-der-Rohe-Ausstellung, der in einer Auflage von 700 Stück gedruckt wurde und gut 14.000 Euro teurer war als vorgesehen. Immerhin 312 Exemplare konnten verkauft werden, 275 wurden verschenkt, der Rest liegt nun ebenfalls im Keller.

Die aufwändig gedruckten und zumeist hochglänzenden Museumskataloge sind in aller Regel das einzige Zeugnis, das von den auf Zeit angelegten Ausstellungen bleibt. Sie sind sozusagen der Arbeitsnachweis der Kuratoren, mit denen sie sich auch weiterbewerben. Auch deshalb sind sie ihnen so lieb und teuer, mutmaßen nicht zuletzt auch die Politiker, die sich Anfang April mit „der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit von Publikationen und Katalogen in den städtischen Museen“ befassen müssen.

Vorgerechnet wird ihnen unter diesem Tagesordnungspunkt unter anderem, dass innerhalb des Prüfzeitraums der vergangenen acht Jahre insgesamt 32.000 Exemplare gedruckt worden sind. Nur 8400 wurden davon verkauft. Der Rest wurde verschenkt oder eingelagert. Insgesamt soll diese beträchtliche Menge einen Gegenwert von rund 170.000 Euro haben – Geld, das der Stadt fehlt.

Für die Rechnungsprüfer sind diese Vorgänge dringender Anlass, die derzeitige Praxis zu überarbeiten. Sie empfehlen daher, die Höhe der Stückzahlen künftig vor jeder Auftragsvergabe zu prüfen und zu hinterfragen. Auch sollten für alle Museen verbindliche Regeln für die Vergabe von Freiexemplaren erarbeitet werden. Bislang können sie offenbar nach Gutdünken an Bekannte, Mitarbeiter des Hauses, Mitautoren, Pressevertreter, Künstler, Sponsoren, Leihgeber, Förderer oder einfach auch an sogenannte VIP, also an wichtige oder einflussreiche Persönlichkeiten vergeben werden.

Damit zeichnet sich ab, dass den Leitern der jeweiligen Häuser ein Stückchen Eigenständigkeit genommen werden soll. Die Empfehlung lautet, die Auftragsvergabe künftig zentral im Geschäftsbereich Kulturservice zusammenzufassen. Die Gestaltung und Verteilung von Katalogen nach Lust und Laune dürfte damit ein Ende finden.

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