Aachen: "Pech und Schwefel", die Zwölfte, startet im Oktober durch

Kabarett à la Öcher Schängche : Bodenlose Frechheiten in der Barockfabrik

„Pech & Schwefel“ macht das dreiste Dutzend voll: Am 8. Oktober startet die zwölfte Stockpuppen-Stafette in der Barockfabrik am Löhergraben. Natürlich geraten auch diesmal wieder allerhand Öcher Befindlichkeiten ins Visier, und auch die Mächtigen dieser Welt werden im satirischen Zerrspiegel ganz neu ins Licht gerückt.

Bodenlose Frechheiten gehören stets zum kreativen Konzept. Und das nicht nur deshalb, weil die Bretter, die die (lokale) Welt bedeuten, traditionell besonders tief gelegt sind – damit die wahren Akteure unsichtbar bleiben. Tiefgründig, aber auf höchstem kabarettistischem Niveau: So soll auch die nächste Stockpuppen-Stafette namens „Pech & Schwefel“ daherkommen. Das quirlige Ensemble des Öcher Schängche macht das dreiste Dutzend voll. Am Dienstag, 8. Oktober, steigt die Welturaufführung des 12. Programms aus der Feder von Chef-Satiriker Wendelin Haverkamp in der Barockfabrik.

„Natürlich wollen wir dabei wieder eine Menge aktueller Persönlichkeiten und Entwicklungen auf die Schippe nehmen, die den Horizont des Öcher Publikums im Speziellen und den besonderen Grad der Beklopptizität unserer Zeit im Allgemeinen widerspiegeln“, verrät Haverkamp beim Ortstermin im Haus am Löhergraben augenzwinkernd. Schließlich sind die parodistischen Protagonisten aus der Schängche-Werkstatt ihren leibhaftigen Vorbildern nicht von ungefähr wie aus dem Gesicht geschnitten – und den Schängche-Fans längst ans Öcher Herz gewachsen.

Von wegen leibhaftig: Selbstverständlich wird der Krippekratz persönlich zum neuerlichen Auftakt des theatralischen Tête-à-Tête im Roten Saal auch diesmal infernalisch in die Bredouille geraten. Mephisto, der schwer gebeutelte Fürst der Finsternis, plagt sich mit Personalproblemen – auch das gibt‘s. Sein verdammter Azubi Hubert will blaumachen, um sich der brandaktuellen Jugenddemo „Hölle for Future“ anzuschließen. So weit kann’s kommen, wenn es um die lieben Erben geht. Apropos erben: Josef und Maria hadern derweil mit einem farbenfrohen Überraschungs-Ei, das Tante Ilse selig ihnen in Gestalt eines ominösen Kunstwerks ins Nest gelegt hat. Womöglich ein lukratives Kabinettstück aus der Epoche des Depressionismus?! Ein gewisser Horst Lichter, seines Zeichens Spezialist in Sachen „Bares für Rares“, wird‘s alsbald klären …

Höchst geheime Verkaufsverhandlungen spielen sich unterdessen mal wieder im schummrigen Rotlicht der „Rue Antoinette“ ab. OB Philipp lädt zwei berüchtigte Polit-Promis aus der großen weiten Welt zum konspirativen Rendezvous, um die heiß ersehnten Projekte zur Verschönerung der Altstadt endlich vom roten in den grünen Bereich zu bugsieren. Als potenzielle Investoren fürs vermaledeite Büchel-Quartier haben sich ausgerechnet die geldgeilen „Global Player“ Donald Trump und Kim Jong Un angesagt. Aber keine Bange: Madame Ludmillas Gewerbe ist bekanntlich noch älter als sämtliche Öcher City-Pläne.

Mit „politischem Problemmüll“ (Haverkamp) anderer Art müssen sich Helmut und Günter vom „Statt-Betrieb“ herumschlagen. Und natürlich geht als „runnning gag“ auch der legendäre ICE 4243 wieder an den Start. Von wegen internationale (Gleis-)Verbindungen und so. „Weil die Bahn bei Verspätungen jetzt ja Gratis-Getränke im Bordbistro verspricht, könnte der Zug allerdings schon vor Langerwehe schwer ins Trudeln geraten“, munkelt Haverkamp.

So serviert die Schängche-Truppe – selbstredend auch zur besonderen Freude des Förderkreis-Vorsitzenden Dr. Karl Allgaier – einen temperamentvollen Mix aus verschlagenem Witz und kaiserstädtischem Kulturgut, inklusive live dargebotenem Öcher Blues von und mit Dieter Kaspari und Franz Brandt sowie vielen, gleichwohl für jedermann verständlichen „Knubbelen“ aus der geliebten Mundart. „Wir freuen uns mächtig aufs Publikum und werden zeigen, dass ,Pech & Schwefel‘ auch in der zwölften Auflage keinesfalls in die Jahre gekommen ist“, verspricht Allgaier.

(mh)