Aachen: Ordnungsamt greift bei nicht angeleinten Hunden durch

Ordnungsamt greift durch : 50 Euro Strafe, weil Hündin Käthe vor der Tür liegt

Die siebenfache „Golden Doodle“-Mutter Käthe sonnt sich nicht angeleint vor Frauchens Geschäft am Büchel. Ein klarer Fall fürs Ordnungsamt. Die Einzelhändlerin soll 50 Euro zahlen und ist empört. „Jedes Augenmaß verloren...“

Wer muss hier eigentlich an die Leine? Zwei Mitarbeiter des Aachener Ordnungsamtes haben jetzt am Büchel für Aufregung gesorgt. Eigentlich sollte die uniformierte Streife der Ordnungsbehörde aggressive Bettler ins Visier nehmen. Stattdessen fiel ihnen Hündin Käthe am Büchel auf, schräg gegenüber dem Parkhaus. Was zu einem amtlichen Auftritt führte. Mit viel Verwirrung und einem juristischen Nachspiel.

Hündin Käthe lag – wie an jedem sonnigen Tag – schlaftrunken vor dem Eingang der Boutique „Somewear“, Büchel, Hausnummer 32. Da ist Modeexpertin Anja Schmidt-Kärst während ihrer Arbeitszeit zu Hause. Die neunjährige Käthe – ein sogenannter Golden Doodle, also eine Mischung aus Königspudel und Golden Retriever – träumte an der offenen Tür des Geschäfts liegend vor sich hin. Wohlgemerkt: ohne aggressives Betteln, wie Frauchen anmerkt. Allerdings war Käthe, die siebenfache Mutter und mit knapp 20 Kilogramm eher ein Leichtgewicht, nicht angeleint. Bis hierhin stimmen die Darstellung von Frauchen Schmidt-Kärst und das Protokoll der Ordnungsamt-Mitarbeiter überein. Als das wachsame Auge des Gesetzes näher trat, wedelte Käthe noch fröhlich mit dem gold-braunen Schwänzchen. Zu früh, wie sich dann herausstellte. Denn: Laut Paragraf 11 des Landeshundesgesetzes NRW sind große Hunde „außer-
halb eines befriedeten Besitztums innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen angeleint zu führen“. Im Klartext: Käthe hätte statt schmuckem blauen Halstuch ein Halsband plus Leine tragen müssen. Darauf wiesen die ebenfalls in blau gekleideten Ordnungskräfte Frauchen vor Ort hin, die daraufhin ihre Käthe brav ins Geschäft führte. Bloß: Angesichts dieser tatsächlichen Ordnungswidrigkeit verlangten die Ordnungskräfte auch einen amtlichen Obulus – nämlich stattliche 50 Euro Verwarnungsgeld. Alternativ wurde eine Anzeige angedroht. Und hier scheiden sich nun die Geister: „Ich bin stinksauer, wirklich fassungslos“, empört sich die Modeverkäuferin. „Da stehen die zwei Ordnungskräfte vor meiner Theke, sind unfreundlich, wollen erst ihre Ausweise nicht korrekt zeigen, spielen sich auf – und alles vor den Augen meiner Kundschaft. Wegen einer fehlenden Leine meiner Käthe direkt vor dem Geschäftseingang, die hier seit Jahren beste Freundin der kompletten Nachbarschaft ist und niemandem jemals etwas zu Leide getan hat – oder dies tun würde!“, sagt die Aachenerin. „Ich dachte, die Ordnungskräfte sind im Sinne der Bürgerinnen und Bürger unterwegs. Da reicht doch ein freundlicher Hinweis. Aber nein, direkt wird die Keule herausgeholt. Da fehlt jedes Augenmaß“, stellt die Tierfreundin fest. Zumal sie ja direkt auf die Aufforderung der Ordnungskräfte reagiert habe.

Anja Schmidt-Kärst hat einen Anwalt eingeschaltet. Mal abgesehen davon, dass sie auch diesen Vorfall als typisches Indiz dafür wertet, wie die Stadtverwaltung Aachens mit den Einzelhändlern in der Innenstadt umgeht.

Die Stadt hingegen findet die Vorgehensweise inklusive direktem Verwarnungsgeld völlig in Ordnung: „Die Einsatzkräfte haben angemessen und gesetzeskonform gehandelt“, teilt das Presseamt nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt auf Anfrage unserer Zeitung am Freitag mit. Schließlich hätten sich zum Zeitpunkt des Aufgreifens des vermeintlich herrenlosen Hundes viele Passanten, „darunter auch Kinder“, auf dem Bürgersteig aufgehalten. Zudem habe es sich um einen „großen Hund“ gehandelt, beschreibt die öffentliche Hand die von Käthe mutmaßlich ausgehende Gefahr.

In der Tat: Der Gesetzgeber definiert „große Hunde“ als mindestens 20 Kilogramm schwere Tiere, die eine „Widerristhöhe“ von mindestens 40 Zentimetern aufweisen. Das Gewicht kommt bei Käthe, der Pudel-Retriever-Mischung, knapp hin. Und sie ist 42 Zentimeter hoch. Nur eine Gefahr ist sie wohl nicht. „Jeder mag Käthe“, sagt Anja Schmidt-Kärst. Ihr „Golden Doodle“-Rassenmix wurde eigens für Allergiker gezüchtet. An die Leine sollte der Vierbeiner trotzdem. Sie sagt: „Verwarnungsgelder lassen sich bei Einzelhändlern leichter eintreiben als bei aggressiven Bettlern.“