Aachen: Offene Tür Josefshaus lädt zum Dialog

Nach Drohungen und Drogenfund : OT Josefshaus setzt auf klare Kante

Die Tür stand wieder offen – zumindest für einen kurzen Moment und für einen begrenzten Personenkreis. Nach den Turbulenzen im Zusammenhang mit Drogenfunden und Drohungen in der Offenen Tür (OT) Josefshaus haben die Verantwortlichen zum Dialog geladen: mit dem Team, mit dem Träger und vor allem mit den Kindern und Jugendlichen selbst.

Auch wenn immer noch nicht klar ist, wie genau es mit dem Jugendzentrum im Aachener Osten weitergehen wird, so sind doch zwei Dinge sicher. Erstens: Das Josefshaus soll auch in Zukunft für Kinder und Jugendliche des Stadtviertels offen sein. Und zweitens: Das Team setzt auf eine klare Kante.

Grenzüberschreitungen, wie es sie in der Vergangenheit gegeben hat, sollen nicht mehr vorkommen. Dass es in dem „Ort des kulturellen Lebens“, wie es auf der Internetseite der OT heißt, in der letzten Zeit an greifbar formulierten Spielregeln gemangelt habe, verdeutlichte am Donnerstagabend Udo Breuer, Referent für Kirchliche Jugendarbeit im Bistum Aachen. Und präzisierte sogleich gegenüber den rund zwei Dutzend Kindern und Jugendlichen, die dem Aufruf zum Dialog gefolgt waren, warum die OT seit rund vier Wochen geschlossen ist.

Frei nach dem Motto „Fakten statt Gerüchteküche“ bestätigte er, was unsere Zeitung bereits berichtet hat: So hat es am Kirberichshofer Weg nicht nur mehrere Drogenfunde geben – es handelte sich um eine geringe Menge Marihuana. Der Leiter der Begegnungsstätte sowie Teile des Teams wurden zudem bedroht, und zwar „auf sehr, sehr massive Weise“, wie Regionalvikar Frank Hendriks betonte. Auch zu körperlicher Gewalt gegenüber Mitarbeitern sei es gekommen. Weshalb man letztlich die Reißleine zog.

Nach einer intensiven Aussprache mit Mitgliedern des Leitungsteams, der Pfarre und des Bistums sowie Vertretern des städtischen Jugendamtes, sollten deshalb jetzt die Kinder und Jugendlichen selbst zu Wort kommen. „Partizipation ist der Schlüssel“, sagt Hendriks. Und so wurde am Donnerstagabend lang und intensiv gesprochen – in einem geschützten Raum nach Altersgruppen getrennt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei sollen vor allem die Jüngeren beklagt haben, dass es wiederholt zu Beleidigungen durch andere Besucher gekommen sei, berichtete Regionalvikar Hendriks am Freitag.

Zudem sei der Wunsch nach mehr gruppenspezifischen Angeboten und einer deutlicheren zeitlichen und räumlichen Abgrenzung des Kinderbereichs von der Jugend geäußert worden.

Klare Spielregeln

Als durchaus kontrovers, beschrieb Udo Breuer am Folgetag das Gespräch mit den Jugendlichen. „Wir haben eine klare Position bezogen.“ Ein Teil der Jugendlichen habe damit nichts anfangen können. „Die sind dann gegangen.“ Ob sie wiederkommen, ist unklar. Sicher ist jedoch für Breuer und das gesamte Team, dass nur noch diejenigen im Josefshaus willkommen sind, die sich an die Spielregeln halten. Dazu gehören ganz klar: keine Drogen und keine Gewalt. „Wenn jemand die Spielregeln des Hauses nicht anerkennt, wird das in Zukunft deutliche Konsequenzen haben.“ Alles in allem spricht Breuer von einem „erfolgreichen“ Abend.

Wie genau darüber hinaus das pädagogische Konzept in der OT Josefshaus aussehen wird, darüber wollen sich die Beteiligten in der kommenden Woche verständigen. Neben einem externen pädagogischen Coach ist auch der Leiter der Offenen Tür, der die Leitung des Zentrums nach dem überraschenden Tod von Richard Okon vor einem Jahr im Mai übernommen hatte, an dem Prozess beteiligt, sagt Hendriks. Mitte Januar soll das Josefshaus dann schrittweise wieder geöffnet werden. Nicht nur das Leitungsteam hofft, dass dann nach einem turbulenten Jahr wieder Ruhe am Kirberichshofer Weg einkehrt. Und die Türen wieder langfristig offen bleiben.

Mehr von Aachener Zeitung