Aachen: Obdachlose leiden unter der Kälte

Kältehilfe für Wohnungslose in Aachen : „In Aachen muss niemand draußen schlafen“

Wenn es kalt wird auf den Straßen, gibt es in Aachen für Menschen ohne Dach über dem Kopf rund um die Uhr eine Anlaufstelle.

Allmählich wird‘s kalt in Aachen. Da dreht man zu Hause die Heizung höher und freut sich darauf, auf dem Weihnachtsmarkt bei einer Tasse Glühwein in Gesellschaft zu bibbern. Aber was ist mit denen, die kein Zuhause haben? Für Obdachlose ist der Winter eine harte Zeit. Da machen sich manche Aachener Gedanken, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf mit der Kälte klarkommen. Viele möchten helfen und fragen sich, was sie tun können.

„In Aachen muss niemand draußen schlafen“, betont Mark Krznaric. „Rund um die Uhr steht für Menschen ohne Dach über dem Kopf immer mindestens eine Einrichtung offen.“ Krznaric ist Leiter vom Café Plattform, Treffpunkt mit Notübernachtung für Wohnungslose an der Hermannstraße, und von Troddwar, Kontaktstelle der Suchthilfe am Kaiserplatz.

Das Café Plattform öffnet um 15 Uhr, ab 22 Uhr kann man dort eine der Notschlafstellen nutzen. Troddwar ist morgens ab 10 Uhr bis in den Nachmittag offen. Und es gibt noch weitere Einrichtungen, die ihre Tür öffnen. Die Bahnhofsmission etwa, oder die Wabe-Wärmestube. Sie alle sind schon seit Jahren im Arbeitskreis Niedrigschwellige Hilfen (siehe Infobox) zusammengeschlossen. „Man kann also 24 Stunden im Warmen verbringen“, sagt Krznaric. „Die Notschlafstelle lässt abends jeden rein. Wir wollen nicht, dass jemand in der Kälte draußen liegt.“ Sind die 20 Betten alle belegt, werden notfalls Klappliegen aufgestellt und Schlafsäcke ausgerollt.

Diese 24-Stunden-Betreuung von Obdachlosen sei seit langem ein Erfolgsmodell, sagt Krznaric. „Wir hatten seit mehr als 15 Jahren keinen Kältetoten in Aachen zu beklagen. Und es ist auch ein Erfolg des Arbeitskreises, dass wir das hinbekommen.“

„Man kann 24 Stunden im Warmen verbringen“, betonen Mark Krznaric vom Café Plattform (links) und Streetworker Daniel Berchtenbreiter. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wie viele Menschen in Aachen obdachlos sind, dazu gibt es keine genauen Zahlen. David Berchtenbreiter dürfte aber viele der Menschen und ihre Schicksale kennen. Der Sozialarbeiter ist als Streetworker für die Suchthilfe unterwegs. Er und seine Kollegen sind jeden Tag auf den Straßen unterwegs, um auch die zu erreichen, die von sich aus nicht in die Anlaufstellen kommen. Sie bieten Hilfe an und fragen auch immer: „Haste was, wo du schlafen kannst?“

Die Streetworker treffen die Menschen da an, wo diese sich notdürftig vor der Kälte schützen: in windgeschützten Hauseingängen oder auf Lüftungsschächten, die etwas warme Luft bieten. Die Sozialarbeiter suchen auch regelmäßig die Aachener Parkhäuser auf, denn auch die sind manchmal Anlaufstellen für Obdachlose. Hier pflegen die Streetworker seit Jahren eine Zusammenarbeit mit dem Parkhausbetreiber Apag.

„Die Streetworker können aber nicht überall sein“, sagt Krznaric. Deshalb sei der Arbeitskreis darauf angewiesen, dass auch die Aachener aufmerksam sind und mitbekommen, wenn jemand Hilfe braucht. „Sprechen Sie die Leute gerne an und fragen, womit Sie helfen können“, rät er. Für alle Fragen und Notsituationen ist das Café Plattform unter Telefon 0241/21619 erreichbar – und zwar rund um die Uhr.

Auch die 110 oder 112 rufen

Die Mitarbeiter organisieren dann alles Nötige im Hilfesystem. „Die Streetworker kommen raus und kümmern sich“, sagt David Berchtenbreiter. Bei akuten Gefahrensituationen oder in medizinischen Notfällen sollten Passanten sich aber nicht scheuen, die Notrufnummer 110 der Polizei oder die 112 der Feuerwehr zu wählen.

Ziel aller Bemühungen sei es, sagt Mark Krznaric, obdachlosen Menschen den Weg zurück in die Gesellschaft zu ebnen. „Sie sollen wieder selbst für sich sorgen können. Wir müssen die Leute zurückführen und sie nicht da halten, wo sie sind.“ Betroffene brauchten also vor allem die Anbindung an das qualifizierte Hilfesystem und weniger Geld, das sie bei Passanten erbetteln. Denn: „Geld stabilisiert die Bettelsituation“, warnt der Arbeitskreis Niederschwellige Hilfen.

Eine Station auf dem Weg zurück in die Gesellschaft kann das Café Plattform sein. Dort gibt es nicht nur ein Bett und ein Essen. Dort gibt es auch immer jemanden zum Reden. „Wir wollen eine Art Zuhause bieten“, sagt Krznaric.

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