Aachen: OB Philipp präsentiert neuen Zeitplan für den Büchel

Altstadtprojekt Büchel : Parkhaus bis Herbst 2020 in Trümmern

Tiefschürfende Erkenntnisse sind hier in jedem Fall zu erwarten. So oder so. Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) hat seiner Fraktion jetzt einen detaillierten Zeitplan vorgestellt, der das – nach dem Rückzug der Privatinvestoren stockende – Altstadtprojekt Büchel schnellstmöglich antreiben kann.

Entsprechende Informationen unserer Zeitung hat Philipp am Mittwoch auf Anfrage bestätigt – bevor der Stadtrat am Abend die Weichen für den Rückkauf des Büchel-Parkhauses stellen wollte. Die Stadtkämmerei wollte drei weitere Immobilien der abgesprungenen Investoren erst mal ausklammern. Fraktionsübergreifend wurde die Verwaltung aber beauftragt, trotzdem in Verhandlungen über das komplette Immobilienpaket einzusteigen.

Knapp sieben Millionen Euro sind zunächst zur „Annahme des notariellen Kaufangebots“ für das marode Parkhaus im Gespräch. Und obwohl mit Nachverhandlungen gerechnet wird, kommt jetzt Bewegung in das gewaltige Vorhaben. „Ganz unabhängig von der Nutzung des Neubaus anstelle des Parkhauses, dürfen wir keine Zeit mehr verlieren. Es kann sofort losgehen. Auch wenn der Planungsausschuss erst im Mai über etwaige Nutzungsarten beraten wird“, sagt Philipp. Diese Frage sei Thema der politischen Debatte, nicht aber die Rahmenbedingungen. Und hier will der OB Gas geben. In sechs Wochen könnten die Archäologen loslegen.

Dem Vernehmen nach hat die Buchhändler-Familie Falter bereits grünes Licht gegeben, um ihr Eckgrundstück an der Nikolausstraße/Antoniusstraße ins Neubaugebiet einzubringen – wahrscheinlich ebenfalls über einen städtischen Ankauf. Dann fehlen zur Realisierung des ersten Bauabschnitts anstelle des knapp 5000 Quadratmeter großen Parkhaus-Areals nur noch wenige angrenzende Quadratmeter im Hinterhof einer Immobilie der Aachener Landmarken AG. So könnten die ersten beiden Baukörper am Büchel zwischen „Red House“ und Mefferdatisstraße bequem Platz finden. So wie es der Entwurf des Architekturbüros „Chapman Taylor“ aus dem Jahr 2015 vorsieht.

Ein Modell für ein künftiges Nikolausviertel. Foto: Architekturbüro Chapman Taylor

Dieser hatte den (über das Parkhaus weit hinausgehenden) städtebaulichen Wettbewerb damals gewonnen. „Es geht um hohe Aufenthaltsqualität, um kleinteilige Strukturen, die sich perfekt in die Altstadt einfügen“, erinnert OB Philipp. CDU-Fraktionschef Harald Baal hatte zuletzt einen gemeinsamen Hochbau für Volkshochschule (VHS) und Stadtbibliothek an selber Stelle ins Spiel gebracht, die SPD bezeichnete dies als eine Option von vielen. Die Verwaltung prüft derzeit, welche Quadratmeterkapazitäten für die unterschiedlichen Varianten überhaupt zur Verfügung stehen – beziehungsweise notwendig wären.

Philipps Zeitplan für den Bau der öffentlichen Hand sieht im Idealfall so aus: Die Archäologen könnten bis zum Sommer mit Bagger, Schaufel und Pinsel die Flächen rund um das Parkhaus – vor allem auf dem Falter-Grundstück und auf dem nicht bebauten Streifen hinter dem Parkhaus – unter die Lupe nehmen. „Wir können natürlich nicht wissen, was dort gefunden wird. Das können sechs Wochen oder acht Monate archäologische Untersuchungen werden“, sagt Philipp.

Im dritten Quartal 2020 soll das Parkhaus endlich Geschichte sein. Zwei, drei Monate kalkulieren Experten für den Abriss und den Abtransport Tausender Tonnen Schutt. „Wir können das Viertel aber nicht mit dem Abriss des Parkhauses zwei Jahre lang ins Chaos stürzen“, betont der OB. Darum müsse man jetzt Nägel mit Köpfen machen. Als temporäre Ausweichflächen – für Baustellenmaterial, Anlieferungen benachbarter Geschäfte und einige Parkplätze – kommen Randareale beidseits des Parkhauses in Frage. Schon im ersten Quartal 2021 würde der Tiefbau starten. Denn unter den soliden Bodenplatten des jetzigen Parkhausbaukörpers sind keine archäologischen Untersuchungen vorgesehen – was dem zeitlichen Ablauf auf die Sprünge hilft. Im dritten Quartal 2021 wäre demnach der Hochbaustart anvisiert, Fertigstellung im ersten Quartal 2023.

Setzt auf breiten Konsens: Oberbürgermeister Marcel Philipp will das Projekt Büchel mit den Ratsfraktionen voranbringen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Natürlich müssen die dann realisierten Gebäudeteile – möglicherweise mit einem Lifestyle-Frischmarkt im Erdgeschoss, Büros und Wohnungen darüber – nicht exakt so aussehen wie auf den Skizzen von „Chapman Taylor“. Eine alternative öffentliche Nutzung schließt der OB – so sie quadratmetermäßig passt – ausdrücklich nicht aus. „Vor diesem Sommer, also in wenigen Wochen, sollte eine Architekturwettbewerb angeworfen werden, der sich aber an dem siegreichen kleinteiligen Entwurf orientiert“, erläutert Philipp. Das wäre unmittelbar nach der politischen Debatte über die beste Nutzungsart.

In jedem Fall entsteht neben neuen Freiflächen zwischen und hinter den Neubauten eine weniger schöne Grenze zur „Hinterseite“ der Antoniusstraße. Dort ändert sich nämlich zunächst nichts. Philipp ist zuversichtlich, dass sich dies nach der „Initialzündung“ durch Abriss und Neubau am Büchel in den folgenden Jahren ändern wird. Der Stadt Aachen gehören dort bereits zwei Immobilien ehemaliger Bordellbetreiber. Dort würde der Rotlichtbetrieb fortgesetzt werden. So oder so.

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