Aachen: Aachen-Ningbo: Partnerschaft zum Jubiläum vertiefen

Aachen: Aachen-Ningbo: Partnerschaft zum Jubiläum vertiefen

1984 baten einige Hochschulprofessoren aus der chinesischen Stadt Ningbo ihre Kollegen der Aachener Fachhochschule um Hilfe beim Aufbau einer technischen Hochschule in ihrer Heimat. Der Grundstein für die heutige University of Technology zementierte gewissermaßen auch das Fundament der Städtepartnerschaft.

Sie wurde zwei Jahre später, am 25. Oktober 1986, in Aachen offiziell besiegelt und feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass besucht eine insgesamt 110-köpfige Delegation für zwei Tage die Kaiserstadt, um den Auftakt der offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten einzuleiten.

Nicht ganz so groß war die Delegation, die Bürgermeisterin Margrethe Schmeer (CDU) im Weißen Saal des Aachener Rathauses empfing. Gemeinsam mit Herbert Prömper, der seit 1994 Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft ist, Heinrich Parting, ebenfalls vom Verein Aachen-Ningbo, und Frank Leisten (Agit) begrüßte sie den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Ningbo, Wang Jianhou. Schmeer erklärte ihren chinesischen Gästen, dass der im Stil des Barock und Rokkoko ausgestattete Saal im 18. Jahrhundert für Friedensverhandlungen eingerichtet wurde.

Die Delegierten aus dieser Zeit zieren als Ölgemälde die Wände. Auch heute noch sei der Saal ein Ort der Verhandlungen und der Verständigung. Wang Jianhou bedankte sich für den herzlichen Empfang und ging auf die Anfänge der Partnerschaft ein, die vor allem gefestigt werde durch die zahlreichen bürgerschaftlichen Kontakte. Vor allem im Bereich Bildung, Kultur und Schulwesen besteht ein regelmäßiger Austausch. Im Lauf der Jahre wuchsen auch die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Städten. Dies bringt ein deutsch-chinesisches Wirtschaftsforum zum Ausdruck, bei dem am Donnerstagvormittag im Eurogress Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über strategische Aspekte in den Bereichen Technologie- und Innovationstransfer, Automobiltechnik und Industrie 4.0 miteinander diskutieren.

Der Besuch aus Ningbo kommt dabei genau zum richtigen Zeitpunkt, denn das chinesische Pendant zum Thema Industrie 4.0 ist die Initiative „Made in China 2025“. Im Rahmen dieser Initiative wurde die Stadt Ningbo kürzlich als Projektstadt seitens der chinesischen Landesregierung benannt. „Wir sind sicher, dass wir die vielschichtige und erfolgversprechende Zusammenarbeit noch weiter vertiefen werden“, sagte Wang. Mit leeren Händen war die chinesische Delegation nicht nach Aachen gekommen: Die Stadt Ningbo schenkt der Stadt Aachen ein Ding, ein antikes, zeremonielles Kultgefäß, gefertigt aus Bronze mit drei Stützbeinen. Unbeschadet hat er die rund 10.000 Kilometer vom Osten Chinas bis nach Aachen überstanden.

Der Ding ist eine Nachbildung eines 3000 Jahre alten archäologischen Fundes aus der Chou-Dynastie. „Es ist ein Kulturgegenstand, der Macht und Stärke symbolisiert. Hier soll er Ausdruck für die starke Freundschaft zwischen uns sein“, sagte Wang. Nach einer kurzen Führung durch das historische Rathaus durfte auch ein Besuch im ersten Weltkulturerbe Deutschlands nicht fehlen. Dompropst Manfred von Holtum führte die chinesischen Besucher durch den Aachener Dom und die Domschatzkammer.

Im November wird Oberbürgermeister Marcel Philipp die 5,7-Millionen-Einwohnerstadt im Gebiet der Yangtse-Mündung besuchen. Die Städtepartnerschaft Aachen-Ningbo gelangte zu bundesweiter Berühmtheit. Nicht etwa, weil es eine der ersten Partnerschaften zwischen einer chinesischen und einer deutschen Stadt war, sondern weil die Verantwortlichen auf chinesischer Seite um einen einstimmigen Ratsbeschluss baten. Tatsächlich stimmte der damalige Aachener Stadtrat der Partnerschaft einstimmig zu.

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