Aachen: Neun Ratsanträge zum "Handel(n) in der Innenstadt"

Stadtentwicklung : Eine Frischzellenkur für die kränkelnde City

Innenstadtentwicklung – der Begriff hat in den vergangenen Jahren eine denkbar steile Karriere gemacht. Weil im Hinblick aufs viel zitierte Oberzentrum Aachen de facto eher von Talfahrt als von brummender Konjunktur die Rede sein kann.

Wie kann es gelingen, der City wieder mehr Ausstrahlung und damit mehr Magnetkraft zu vermitteln? CDU und SPD haben jetzt ein großes Maßnahmenpaket mit Antworten auf den Weg gebracht.

Wenn der große Satz nach vorn – Stichwort Altstadtquartier – auf sich warten lässt, gilt es vor allem, dem örtlichen Handel mit vielen kleineren Schritten auf die Sprünge zu helfen, so der Tenor. Auch kein brandneues Credo – eine Fülle einschlägiger Projekte und Initiativen gibt davon längst beredtes Zeugnis ab. Viele Knackpunkte sind so oder ähnlich bereits formuliert und auch debattiert worden. Jetzt haben CDU und SPD neun Ratsanträge vorgestellt, um den Motor in Sachen Standort besser – und mit Tempo – ans Laufen zu bringen.

Drei zentrale Handlungsfelder haben die Fraktionschefs Harald Baal (CDU) und Michael Servos (SPD) dabei ins Visier genommen: umfassende, innovative Unterstützung des lokalen Einzelhandels in Sachen Marketing, Verbesserung von Sauberkeit und (gefühlter) Sicherheit, Forcierung digitaler Angebote zwecks Optimierung der Verkehrssteuerung auf der einen und der Eindämmung von Leerständen auf der anderen Seite. Drei „kategorische Imperative“ sozusagen, die Baal und Servos wie folgt formulieren.

1. Handel unterstützen:

Erst im Januar hat das Kölner Institut für Handelsforschung gemeinsam mit dem Märkte und Aktionskreis City eine erste Bilanz der umfassenden Studie „Vitale Innenstädte“ präsentiert. Die Verwaltung soll jetzt detailliert über die Ergebnisse berichten sowie Stärken und Schwächen des Einzelhandels in einer Bestandsaufnahme analysieren. So soll die Initiative „Aachen – alles drin“ als wichtige Plattform für Werbeaktionen und Marketingmaßnahmen fortgeführt und ausgeweitet werden. Ein Kernelement sieht Schwarz-Rot im Aufbau eines interdisziplinär organisierten „City-Managements“, das gemeinsam mit den Einzelhändlern neue Angebote entwickelt, wie man sie aus dem Online-Handel kennt.

Dazu gehörten „neben vielem mehr beispielsweise gut durchdachte Prämiensysteme wie etwa das Punktesammeln über Parktickets“ sowie die Schaffung neuer Liefersysteme über örtliche Transportunternehmen. Die Einrichtung von insgesamt sieben weiteren städtischen Stellen, betont Michael Servos, sei zu diesem Zweck bereits im vergangenen Jahr durch CDU und SPD beschlossen worden. Ebenso gelte es freilich, alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen, um die Stadt als attraktives Aktionsfeld für Kultur und Freizeit noch besser aufzustellen. Heißt: mehr Straßenkunst, Erweiterung von Spielmöglichkeiten für den Nachwuchs, Attraktivierung der „Stadtmöblierung“ nicht nur, aber auch im virtuellen Sinn; Letzteres vor allem mit durchgreifenden infrastrukturellen Maßnahmen wie Verbesserung der WLAN-Versorgung.

2. Aufenthaltsqualität verbessern:

Um Sauberkeit und Sicherheit nachhaltig zu fördern, müsse der Stadtbetrieb sein Engagement noch verstärken; um vor allem „wilden“ Müllbergen zu Leibe zu rücken, sollen mehr Entsorgungsmöglichkeiten her, überquellende und defekte Abfallbehälter sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Grünflächen und Parkbereiche – Paradebeispiel: Elisenbrunnen – sollen ihrem Namen durch verstärkte Pflege wieder mehr Ehre machen. Und: Organisierter, teils aggressiver Bettelei soll mit verstärkten Kontrollen und Bußgeldern ein Riegel vorgeschoben werden.

3. Digitale Hilfen für den Handel organisieren:

Die vielfach sehr positiven Erfahrungen mit befristeten Geschäftsansiedlungen, vor allem in leer stehenden Ladenlokalen, neudeutsch firmierend als „shopping labs“ oder „pop-up-stores“, böten viele Chancen, der Verödung der zentralen Einkaufsmeilen entgegenzuwirken. Schnelle und unkomplizierte Erreichbarkeit müsse und könne über neue digitale Wegweiser gewährleistet werden. Durch „intelligente Sensoren“, also just entwickelte Apps, sollen (potenzielle) Kunden schneller und effektiver Richtung City gelotst werden. Sogenannte „Digitalcoaches“ in der Verwaltung sollen Geschäftsinhabern beratend zur Seite stehen, um zeitgemäße Dienstleistungen und Produkte ins Blickfeld zu rücken.

Eine Fülle von Gedanken und Ideen also, mit denen das Rad in Sachen Stadtentwicklung, siehe oben, wohl nicht neu erfunden, aber doch flotter und dynamischer gedreht werden könne, glauben Baal und Servos. All dies freilich mache eine möglichst unmittelbare Beteiligung möglichst vieler Bürger selbstredend weiter erforderlich. „Das ist unabdingbar, aber wir müssen verhindern, dass es, wie in der Vergangenheit gelegentlich geschehen, dabei zu Frustrationen kommt“, betont Servos. Deshalb sei nun unbedingt auch zu überlegen, wie und wann man Mitsprache konkret gestalten könne. Denn mit verstärkter personeller Energie in den Reihen der Verwaltung allein sei es eben nicht getan.

Apropos Personal: Auch bei der dringend erforderlichen Neubesetzung der Dezernentenstelle im Planungs- und Bauressort werde die Politik in Kürze Nägel mit Köpfen machen, versprechen die Fraktionschefs. Mehr als 20 Kandidaten sind laut Baal im Rennen. Spätestens im April sollen die ersten Vorstellungsrunden über die politische Bühne gehen.