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Aachen: Nach Renovierung wird das Couven-Museum wieder eröffnet

Großes Fest im Couven-Museum : Die Flohfalle kommt nur museal zum Einsatz

Spannendes und Kurioses gab es bei der Wiedereröffnung des Couven-Museums zu sehen. Die Besucher tauchten auch kostümiert in die Zeit des Biedermeier und Rokoko ein.

Die neue Lichtschiene leuchtet die Vitrine im Obergeschoss bestens aus, und die Exponate ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Da liegen neben bunten Fächern auch einige Utensilien, die so ohne weiteres nicht zuzuordnen sind. Die Befestigung für eine Taschenuhr beispielsweise, oder auch ein seltsames, weißes Röhrchen mit unterschiedlichen Öffnungen. „Das ist eine Flohfalle“, klärt Museumsleiterin Carmen Roebers auf. „Die versteckten die Damen unter ihren üppigen Kleidern und hofften so, von lästigen Flohstichen verschont zu bleiben“, fährt sie fort. Gespannt beugen sich die Besucher über die Exponate, und dass hier keine erklärenden Schildchen zu sehen sind, ist so gewollt.

Kleinod der Museumslandschaft

In Zukunft können interessierte Besucher weitere Infos per Smartphone selbst aufrufen. Und das Interesse an dem „Kleinod“ Couven-Museum ist in der Tat sehr groß. „Das war auch schon immer so“, führte Professor Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, in seiner Begrüßungsansprache aus. Nach dreieinhalbmonatigen Renovierungsarbeiten öffnete das Couven-Museum am Hühnermarkt am Sonntag erstmals wieder seine Pforten.

 Die gute Stube in Aachens Museumslandschaft.
Die gute Stube in Aachens Museumslandschaft. Foto: Andreas Herrmann

Und der Andrang war groß. Gleich am Eingang nutzen viele die Möglichkeit, sich so zu kleiden wie die Menschen zur Couvenzeit: Mit einer Haube auf dem Kopf, einem Schultertuch und einem Sonnenschirm ließen sich die Damen nur zu gern gern vor einer prächtigen Rosenwand ablichten: Und als Historienführer stand Arnold Kommer aus Monschau in entsprechender Tracht als Model bereit, und gab den Fotos auf Wunsch  den letzten Kick.

Tatsächlich erlaubt das Couven-Museum einen umfassenden Einblick in das bürgerliche Leben zu Zeiten des Barock, Rokoko und Biedermeier. Und damit die museale  Darstellung auch wirklich gut gelingt, wurden einige Neuerungen eingeführt. Silhouettenhafte Figuren weisen den Besuchern den Weg und liefern kunsthistorische Erklärungen, spezielle Rollos schützen die Exponate zum Teil vor UV-Strahlen und eine neue Elektrik lässt die wertvollen Möbel und Bilder im rechten Licht erstrahlen.

 Schlüsselübergabe: Museumsleiterin Carmen Roebers und Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne.
Schlüsselübergabe: Museumsleiterin Carmen Roebers und Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne. Foto: Andreas Herrmann

Laut Carmen Roebers besitzt das Museum ein großes Potential, das nach der Renovierung erst so richtig sichtbar werde. Und dass hinter den schützenden Wandbespannungen in der Ante-Kammer im Rahmen der Renovierungsarbeiten großflächige Malereien auftauchten, war für alle eine große Überraschung. Noch scheinen die näheren Umstände nicht erklärt, aber möglicherweise handelt es dabei auch um Kritzeleien von Studenten, die dort zur Strafe im „Karzer“ saßen.

Das sogenannte Silberkabinett liegt Roebers ganz besonders am Herzen. „Das wirkte trüb und wie eine Grabkammer“, erzählt sie. Jetzt werden die silbernen Schätze auf rotem Grund präsentiert, und die Ausleuchtung lässt die Silberleuchter funkeln und blitzen.

Neben all den wundervollen Stühlen, Kommoden, Tischen und Schränken war es vor allem auch die Mode, die die Besucher in ihren Bann zog. Vom Schönheitsfleck über die weiße Perücke bis hin zum kostbaren Kleid standen alle Requisiten bereit, um in die Vergangenheit abzutauchen.

Zudem gab es im Laufe des Tages immer wieder Führungen, und Künstler des Theaters 99 luden hier und da zum Tanz und führten vor, wie aufwendig es damals war, die hochherrschaftlichen Damen auszustaffieren.

Frank Pohles Dank ging ganz ausdrücklich in Richtung der Schauspielerin Jutta Kröhnert und dem AkuT Theater 99, ohne deren Unterstützung alle diese lebendigen Angebote nicht möglich gewesen wären.