Aachen: Musikfreunde mit "geheimen" Plänen für einen neuen Konzertsaal

Neues Kurhaus : Wer bestellt an der Monheimsallee die Musik?

Schräge Dissonanzen oder pure Harmonie? Wer gerade hinter den Kulissen des Neuen Kurhauses an der Monheimsallee den Ton angibt, ist schwer zu ergründen. Tatsache ist, dass das mit einem Sanierungsszenario beauftragte Planungsbüro „Höhler + Partner – Architekten und Ingenieure“ an zwei Fronten an der künftigen Ausrichtung des maroden, seit Juni 2015 von der Spielbank verlassenen Prachtbaus strickt.

Das hört nicht jeder gern. Denn einerseits hatten die Musik- und Theaterfreunde Aachen e.V. aufgrund ihrer engen Verbundenheit mit dem kürzlich gestorbenen Chef des Architekturbüros eine Machbarkeitsstudie vereinbart, die einen neuen, ausdrücklich „akustisch optimierten“ Konzertsaal für Klassikfans an Ort und Stelle realisierbar machen sollte. Andererseits erwartet das Gebäudemanagement der Stadt als Auftraggeber präzise Planungen darüber, wie man im Rahmen der Generalsanierung die 13.200 Quadratmeter großen Bruttogeschossflächen der neoklassizistischen Immobilie bestmöglich und bezahlbar fürs Eurogress in Schuss bringt. „Es erscheint mir ungewöhnlich, dass unser Planungsbüro hier von unterschiedlichen Seiten unterschiedliche Planungsziele verfolgt“, stellt Klaus Schavan, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, auf Anfrage unserer Zeitung fest.

Schavan verfolgt einen klaren Zeitplan für das Projekt, das nach jüngsten Schätzungen bis zu 50 Millionen Euro kosten würde – und zwar ohne „akustisch optimierten Konzertsaal“. Anfang Mai soll die aktuelle Entwurfsplanung und Kostenberechnung stehen; danach prüfen Gebäudemanagement und der engste Dezernentenkreis des Verwaltungvorstands unter Vorsitz von Oberbürgermeister Marcel Philipp die Pläne, bevor das Thema am 10. Juli im Stadtrat behandelt wird. Nach Beschlussfassung, Sanierung und Umbau könnte das Haus 2023 wieder bezogen werden – frühestens. Soweit die offizielle Zeitschiene.

Platz für 850 Konzertbesucher: Nach dem Ersten Weltkrieg galt der herrschaftliche Hauptsaal im Kurhaus als hervorragende Adresse für Klassikfreunde. Foto: Andreas Herrmann

Hinter verschlossenen Türen wird noch beraten, wie welcher Bereich des denkmalgeschützten Bauwerks künftig bespielt wird. Im Keller, also in der schon vor vielen Jahren geschlossenen Diskothek Club Zero, könnte die Club- beziehungsweise Kleinkunstszene ein neues Zuhause finden. Im Erdgeschoss macht sich das Eurogress breit, das dringend zusätzliche Veranstaltungsflächen für Tagungen und Kongresse beansprucht. Im ehemaligen Konzertsaal auf der Rückseite des Kurhauses, der von 1976 bis 2015 Roulettetische des Spielcasinos beheimatete, soll allerdings wieder eine Bühne stehen. Aber nicht nur für klassische Musik. „Es scheint ausgeschlossen, dass dieser Saal akustisch für klassische Konzerte optimiert werden kann. Das ist angesichts der historischen Bausubstanz kaum machbar. 400 bis 500 Zuschauer werden aber dort in Zukunft in einem echten Schmuckstück Platz nehmen können – nicht nur wegen der Säulen“, sagt Schavan. Der authentische Charakter des vormaligen Konzertraums soll wieder herausgearbeitet werden. Nach 1916 zählte der herrschaftliche Saal – genauso groß wie heute – übrigens 850 Plätze. Allein schon die Brandschutzvorschriften schließen das heute aus.

Nach dem Auszug der Spielbank wurde der Konzertsaal erst für Flüchtlinge eingeschalt – nun wartet die Sanierung. Foto: Andreas Herrmann

Für die Musik- und Theaterfreunde ist das alles offenbar eine Nummer zu klein. Sie verfolgen größere Ziele – wie vor Jahren beim gescheiterten „Haus für Musik“-Bauvorhaben, das zwar Zigtausende Euro aus Spendengeldern für Planungs- und Marketingkosten verschlang, aber tatsächlich niemals finanziell realisierbar wurde. Nun läuft ein neuer Vorstoß – im Geheimen. „Was im Einzelnen in die Wege geleitet wurde, welche Maßnahmen wir ergriffen haben, das dürfen und können wir zurzeit leider nicht in die Öffentlichkeit bringen, weil sich in der Politik sofort Widerstand dagegen formieren würde“, erklärte der Vereinsvorstand vor wenigen Tagen in einem internen Schreiben seinen etwa 500 Mitgliedern.

Erst am 31. März, beim „besten Fest“ im Ludwig Forum (siehe Seite 17), wollen die Musik- und Theaterfreunde dem Vernehmen nach ihr „Geheimnis“ lüften – und einen Skulpturenplan präsentieren, der einen schmucken Konzerthallen-Anbau für über 1000 Klassikzuhörer ans denkmalgeschützte Kurhaus vorsieht. So oder so: Im Thema „Neues Kurhaus“ steckt noch viel Musik drin.

Mehr von Aachener Zeitung