Aachen: Montessori-Grundschule Eilendorf ist 30 Jahre alt

Montessori-Grundschule Eilendorf : Von der Elterninitiative zum Lernzentrum

Vor 30 Jahren wurde die Montessori-Grundschule an der Kaiserstraße in Aachen-Eilendorf gegründet. Der runde Geburtstag ist jüngst mit einem Zirkusprojekt gefeiert worden. Spannende Zeiten stehen der Schule bevor: Sie soll zu einem Montessori-Zentrum um- und ausgebaut werden.

Eine Elterninitiative hat die Sache damals ins Rollen gebracht. Mütter und Väter in Aachen kämpften für das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung in der Regelschule. 1980 hatte es bereits einen ersten Schulversuch an einer Schule in Bonn gegeben, der den Aachener Eltern Mut machte. Die städtische Montessori-Grundschule in Eilendorf startete schließlich mit drei Integrationsklassen. 1989 war das. Seitdem sind 30 Jahre ins Land gegangen, und die Schule hat Höhen und Tiefen erlebt. 2009 sollte sie mangels Nachfrage sogar geschlossen werden. Ab 2013 war der Andrang dann aber so groß, dass die Schule zwei Klassen pro Jahrgang bekam.

Nun steht sie erneut vor einem großen Schritt. Das Gebäude an der Kaiserstraße soll zu einem Montessori-Zentrum um- und ausgebaut werden. Die Grundschule und das benachbarte Montessori-Kinderhaus sollen dort künftig unter einem Dach arbeiten. „Das ist eine große Chance für uns“, ist Schulleiterin Ferial Al-Moufti überzeugt. „Wir freuen uns auf einen modernen Neubau, der viele Möglichkeiten für zeitgemäßes Lernen bietet.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem Montessori-Kinderhaus könne dann intensiviert werden, zum Beispiel beim Übergang vom Kindergarten in die Schule. Eine „Durststrecke“ stehe der Schule gleichwohl bevor, sagt Al-Moufti. Denn die ganze Schule muss für die Zeit des Umbaus ins Schulgebäude Barbarastraße ausgelagert werden.

Rund 200 Kinder werden derzeit an der Montessori-Grundschule Eilendorf unterrichtet. Sie alle lernen in jahrgangsübergreifenden Klassen, denn das ist ein ganz wesentlicher Aspekt der Pädagogik Maria Montessoris. „Die Kinder in altersgemischten Klassen lernen voneinander“, erläutert die Schulleiterin, „jedes Kind ist gleichzeitig Lehrender und Lernender.“ Das selbstständige Lernen spielt eine große Rolle im Montessori-Unterricht. Spezielles Montessori-Lernmaterial regt die Kinder an, auf ihrem persönlichen Lernniveau und Wissensstand zu arbeiten.

Zwei Unterrichtsstunden an jedem Vormittag sind für die „Freie Wahl der Arbeit“ reserviert. Die Schüler entscheiden dann selbst, was sie auf welche Weise erarbeiten möchten. „Jedes Kind kann sich so über einen längeren Zeitraum in ein Thema vertiefen“, erläutert Al-Moufti. Fürs Lernen sei das sehr förderlich.

Fast alle Schülerinnen und Schüler an der Kaiserstraße bleiben auch über Mittag in der Schule. 113 Kinder sind derzeit in der Offenen Ganztagsschule (OGS) angemeldet. Daneben gibt es aber auch weiterhin die Übermittagsbetreuung für 40 bis 50 Kinder

Die Montessori-Grundschule ist mittlerweile auch eine von zwei Schwerpunktschulen in Aachen, die speziell für die Förderschwerpunkte geistige Entwicklung sowie körperliche- und motorische Entwicklung hergerichtet werden. Die andere Schwerpunktschule im Primarbereich ist die Grundschule Am Höfling in Burtscheid.

Der Altbau des Schulgebäudes an der Kaiserstraße ist über 100 Jahre alt. Er soll auch nach dem Umbau erhalten bleiben. Foto: ZVA/Harald Krömer

Zum 30-jährigen Geburtstag hat sich die Schulgemeinschaft selbst eine große Portion Zirkusluft geschenkt. Der Circus Lollipop war zu Gast, und viele Kinder kamen in der Manege als Artisten ganz groß raus. Ferial Al-Moufti denkt gerne daran zurück, wie akrobatisch und selbstbewusst Kinder zum Beispiel übers Seil gingen. „Jedes Kind hat Talente“, sagt sie. Die zu fördern schaffe neues Selbstbewusstsein. „Und das wollen wir erreichen.“