Aachen: Montessori-Gesamtschule ist jetzt "Profilschule Tanz"

Montessori-Gesamtschule : Den Klimawandel tänzerisch dargestellt

Die Maria-Montessori-Gesamtschule in Aachen ist jetzt ganz offiziell „Profilschule Tanz in der Städteregion Aachen“. Die Projektpartner haben einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichnet.

„Tanz“ ist inzwischen fester Bestandteil im Schulalltag der Maria-Montessori-Gesamtschule. Alle Fünftklässler haben zusätzlich zum Sportunterricht zwei Stunden pro Woche „Körpersprache und Tanz“. Nachdem das Konzept zunächst in einer Pilotphase getestet wurde, haben die Projektpartner jetzt ganz offiziell einen Kooperationsvertrag „Profilschule Tanz in der Städteregion Aachen“ unterzeichnet. Und dabei führten die Gesamtschüler vor, was sie in ihrem jüngsten Projekt erarbeitet haben.

Sie zeigten tänzerisch, wie man extreme Lebenswelten entdecken kann: Die Antarktis und die Wüste standen dabei im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Die Kinder lernten, dass man sich ausdrücken kann, ohne zu reden. „Und das ist das Besondere am Tanz“, meint die künstlerische Leiterin des Projektes, Ulla Geiges, die drei Tage lang mit den Jungen und Mädchen für diese Aufführung geprobt hat.

Dabei kamen mehr als 160 Kinder zusammen, und das schien laut Geiges am Anfang kaum zu bewältigen. Doch dann nahmen die ersten Versuche Formen an, am zweiten Tag gab es so etwas wie ein Gerüst, und am dritten Tag präsentierten die jungen Tänzer eine Performance, bei der sie ihre „extremen Lebenswelten“ entdeckten.

Die Jungen und Mädchen zeigten den Klimawandel und seine Folgen bis hin zum Tod von Pinguinen. Und obwohl laut Paula (elf Jahre) am Anfang nicht alle Schüler begeistert waren von dem Tanzunterricht, scheinen inzwischen alle mit Freude bei der Sache. „Wir hatten Schüler, die eher schüchtern waren, und die haben durch den Tanz sehr viel Selbstvertrauen gewonnen“, erzählt Friederike (elf Jahre). Das ist eine Erfahrung, die die Profis nur unterstreichen können. Ihrer Meinung nach sollte der Tanz als Kunstform ein Bildungsziel mit eigenem Curriculum sein. Die positive Wirkung steht laut Irmgard Braun, Schulleiterin der Montessori-Gesamtschule, außer Frage.

2017 wurde ihr der Tanzunterricht angetragen, und sie zögerte nach eigenen Worten nicht einen Moment, zuzustimmen. „Der Tanz passt gut zu unserem kulturellen Profil“, sagt sie. Und neben der höchst willkommenen Schulung des Bewegungsapparates habe das Tanzen auch positive Auswirkungen auf das mathematische Verständnis. Und Ulla Geiges weiß aus Erfahrungen im Ausland, dass der Tanz eine ganze Schule positiv beeinflussen kann. Dennoch spiele er in Deutschland als Unterrichtsfach bedauerlicherweise keine Rolle. Und genau das wollen die vielen Kooperationspartner mit vereinten Kräften ändern.

Zumindest an der Aachener Maria-Montessori-Gesamtschule ist der Anfang nun gemacht. Hier starten die Schülerinnen und Schüler in der fünften Klasse mit zwei Tanzstunden pro Woche. In der sechsten Klasse gibt es zwar nur noch eine Stunde, dafür steht aber ein größeres Projekt auf dem Programm. Die Kinder setzen dann eine Vorgabe – wie diesmal beispielsweise den Klimawandel – nach und nach tänzerisch um. „Dabei haben wir auch viel über die Geschichte des Tanzes gelernt“, erzählen Paula und Friederike. Und auch das hat ihnen offensichtlich sehr gut gefallen.

In den Klassen sieben und acht und auch in den folgenden Klassen können dann die Kinder, die wirklich eine ganz besondere Freude am Tanz haben und Talent mitbringen, weiter tanzen. Und wenn das Beispiel der Gesamtschule Nachahmer fände, dann entstünde an den Schulen so etwas wie ein Sammelbecken für den Nachwuchs an Tänzern. Dafür braucht es aber nach Meinung von Anna Tiedt, stellvertretende Vorsitzende Landesarbeitsgemeinschaft Tanz, vor allem auch gut ausgebildete Tanzpädagogen.

„Das alles kann nicht einer allein stemmen“, meinte dann auch Markus Terodde, Dezernent für Bildung, Jugend und Strukturentwicklung Städteregion Aachen. So sind insgesamt acht Kooperationspartner zusammengekommen, um das Angebot auf sichere Füße zu stellen. Und damit ist laut Anna Tiedt jetzt endlich in Bewegung gekommen, was schon seit etlichen Jahren der Wunsch der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW ist.

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