Aachen: Michael Dannhauer und Thorsten Neumann von „Hoppla – Das Duo“

„Hoppla – Das Duo“ : Sie nehmen die Heimatstadt auf die Schippe

Michael Dannhauer und Thorsten Neumann sind seit Jahren als „Hoppla - Das Duo“ in Aachen unterwegs. Nicht nur beim Kappesball nehmen die beiden das Aachener Treiben auf humorvolle Art und Weise aufs Korn. Über ihre Anfänge und warum ihnen mit Sicherheit nie die Themen ausgehen werden, haben die gebürtigen Aachener mit  unserer Mitarbeiterin Svenja Pesch im Samstagsinterview gesprochen.

Sie sind seit Jahren als „Hoppla – das Duo“ in Aachen und der Region unterwegs. Erzählen Sie doch mal, wie es überhaupt dazu kam?

Dannhauer: Wir lernten uns auf dem Gymnasium in der Oberstufe kennen. Dort machten wir erste Bühnenerfahrungen in der Theater AG. Außerdem besuchten wir gemeinsam den Literaturkurs und stellten schnell fest, dass wir beide nicht nur Spaß am Schreiben hatten, sondern generell auf einer Wellenlänge lagen.

Neumann: In diesem Kurs entstand auch unser bislang einziges Buch. „Die Fälle des Horst Unschuld“, ein Comedy-Krimi, war eine Persiflage und lässt sich mit Blick auf die Verkaufszahlen absolut als Untergrund-Literatur bezeichnen (lacht). Letztlich kamen wir nach einer Jugend zwischen Wettrüsten, TKKG, Wetten dass…?, „La Boum“ mit Sophie Marceau und der Wiedervereinigung sowie nach freundlich zurückhaltender Aushändigung des Abiturs zu der verqueren Einsicht, dass die Kleinkunst die einzige Möglichkeit sei, um alle vorhandenen Talente zu bündeln.

Abgesehen vom durchschlagenden Erfolg auf der Schulbühne, wann fanden die ersten großen Bühnenauftritte statt?

Neumann: Das war so um 2000. Unseren ersten Auftritt hatten wir im Karneval. Mit diesem sind wir auch direkt grandios gescheitert. Wir nahmen dabei mit satirischen Texten den Karneval selber aufs Korn. Das war natürlich ein Kardinalfehler (lacht). Die erste Gage, die wir erhielten, war daher auch zu Recht übersichtlich und bestand aus  einer Flasche Mariacron.

Dannhauer: Parallel dazu haben wir weiterhin kabarettistische Texte geschrieben, wenn auch noch nicht so lokalpolitisch wie heute. Damals widmeten wir uns überwiegend Literatur- und Medienpersiflagen sowie bundespolitischen Themen. Dadurch entstand schnell ein immer größeres Repertoire an Texten.

Ebenfalls 2000 führten Sie unter dem Titel „Piep, die Show – klassisch deutsch“ Ihre erstes Programm in der Aula Carolina auf…

Neumann: Und es folgten weitere Programme wie die Mediensatire „Johann L. kocht ein Ei“ oder die Polit-Satire „Wie isset, Kanzler?“ mit denen wir auch NRW-weit unterwegs waren.

Im Anschluss wurden ihre Texte inhaltlich immer lokalpolitischer. Warum?

Dannhauer: Das begann, als wir Teil des Kappesballs wurden. Dort waren lokalpolitische Einlagen ein sehr großes Thema, dem wir uns gerne angenommen haben. Im dritten Jahr widmeten wir uns im Rahmen eines Sketches dem Thema Tihange. Und dazu haben wir zwei Figuren entwickelt, die als Vertreter der Stadtverwaltung den Bürgerinnen und Bürgern erläuterten, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben.

Die beiden Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind ja auch in ihrem aktuellen Bühnenprogramm die Hauptfiguren und aus dem Kappesball heraus entstanden?

Neumann: Ja, genauso war es. Die Figuren eignen sich gut, um städtische Entwicklungen zu karikieren und mit dem Klischee der Verwaltungsbeamten zu spielen.

Und an Geschichten mangelt es Ihnen ja offensichtlich nicht…

Dannhauer: An neuen Geschichten und Inhalten mangelt es uns wirklich nicht (lacht). Dazu reicht ein Blick in die lokale Presse. Aachen liefert regelmäßig Stoff, der sich hervorragend eignet, um ihn auf die Bühne zu bringen.

Kommen lokale Anekdoten besonders gut beim Publikum an?

Neumann: Auf jeden Fall, denn die Menschen in Aachen regen sich ja meistens über dieselben Sachen auf wie wir in unserer Rolle. Der Unterschied ist, dass wir dies auf eine humoristische Art und Weise tun.

Als „Hoppla – Das Duo“ sind Sie beim Kappesball Teil des alternativen Karnevals. Gleichzeitig treten Sie aber auch auf traditionellen Karnevalssitzungen auf. Wie passt das zusammen?

Dannhauer: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Im Gegenteil: Karneval hat mehrere Facetten, die alternative Form ist eine davon. Wir lehnen den klassischen Karneval in keiner Weise ab. Jeder Jeck ist anders, und wichtig ist doch, dass man über sich selbst lachen kann.

Neumann: Wir bieten Interessierten besonders mit dem Kappesball eine Alternative zum klassischen Sitzungskarneval.

Viele Besucher des Kappesballs kommen seit Jahren zu den Aufführungen. Wie steht es denn um das junge Publikum?

Neumann: Wir merken schon, dass das Publikum durchaus jünger wird. Da tut sich etwas. Jedoch muss man auch klar sagen, dass generell im Kabarett nicht unbedingt so wahnsinnig viele junge Leute zu finden sind. Deshalb freut es uns sehr, dass gerade beim Kappesball immer öfter auch junges Publikum erscheint.

Fühlt der Öcher sich denn nicht auf den Schlips getreten, wenn Sie im Rahmen ihres Programms unter anderem das städtische Vorgehen durch den Kakao ziehen?

Dannhauer: Unser Eindruck ist, dass der Aachener selbst sich nicht so Ernst nimmt und Spaß am Lachen hat – vor allem über seine eigene Stadt.

Apropos: Am 11. Mai präsentieren Sie im Saalbau Kappertz Ihr Programm „Best of Oche!“ Was erwartet die Zuschauer?

Dannhauer: Es ist, wie der Titel schon sagt, ein Best of zu allen Aufreger-Themen in Aachen. Die packen wir in einen unterhaltsamen Abend. Unsere beiden Hauptfiguren aus der Stadtverwaltung arbeiten sich in einer Art Informationsveranstaltung humoristisch an den aktuellen städtischen Ent- und Verwicklungen ab.

Neumann: Dazu gehören Themen wie Tihange, die Baustellensituation in Aachen, der Leerstand oder auch die Lage rund um den Büchel. Der Stoff geht uns da nie aus …

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