Aachen: Martin-Luther-Haus sucht "Paten" für Flüchtlinge und Familien

Neue Plattform für ehrenamtliche „Paten“ : Gezielte Hilfe für junge Familien

„Hilfe tut gut. Helfen auch.“ Damit bringt Christina Otrzonsek das von ihr koordinierte Hilfsprojekt knapp und treffend auf den Punkt. Die studierte Sozialarbeiterin kümmert sich in der Evangelischen Familienbildungsstätte im Martin-Luther-Haus an der Martin-Luther-Straße 16 um sogenannte „Chancen- und Geflüchteten-Patenschaften“. Seit Anfang 2019 baut sie das engagierte Hilfsangebot auf.

„Unser Projekt widmet sich jungen, in Not geratenen deutschen oder geflüchteten Familien, denen es mitunter an familiären oder nachbarschaftlichen Strukturen fehlt“, erzählt die 32-Jährige. Sie ist selbst Mutter von zwei kleinen Kindern und weiß um die Nöte, die diese Menschen haben, ihren Alltag zwischen Kindererziehung, Ausbildung und Berufstätigkeit zu organisieren.

Christina Otrzonsek: „In unserem Projekt helfen unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amtsbesuchen, Einkäufen oder Anmeldungen für einen Kindergartenplatz, kurzum: Es geht um die alltäglichen Dinge des Lebens.“ Und dazu gehört zum Beispiel auch Unterstützung beim Übersetzen von Behördenschreiben und anderen offiziellen Schriftstücken. „Gerne hören wir zu, was auf der Seele drückt“, sagt Otrzonsek. Um möglichst allen Hilfesuchenden gerecht werden zu können, sucht Christina Otrzonsek zur Erweiterung des Projekts zusätzliche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer jeden Alters. Das kleine Team umfasst derzeit fünf jüngere und ältere Ehrenamtler. Eine spezielle Qualifikation sei nicht erforderlich. „Sie sollen uns bei unserer Mission mit Einfühlungsvermögen und Zeit unterstützen.“ Eine feste zeitliche Vorgabe für den Umfang des Engagements gibt es nicht. Wer mitmachen möchte, investiert so viel von seiner persönlichen Freizeit, wie er oder sie will und kann. „Wenn es persönlich passt, reicht auch eine Stunde pro Woche.“

Apropos Freizeit: Oft suchen zum Beispiel unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die mit 18 Jahren ihre geschützten Einrichtungen verlassen müssen, einen Partner, mit dem sie gemeinsame Touren unternehmen oder Fußball spielen können. Für Familien mit kleinen Kindern bietet sich zum Beispiel auch der Einsatz als „Ersatz-Oma" oder „-Opa“ an. „Sie sollen einfach da sein, wenn Hilfe benötigt wird“, sagt Christina Otrzonsek. „Wir laden Sie herzlich ein, unsere Familienbildungsstätte zu besuchen und gemeinsam abzustimmen, wo Ihre Hilfe wirkungsvoll ankommen kann“, unterstreicht die Koordinatorin gegenüber potenziell Interessierten.

Sie macht zudem darauf aufmerksam, dass das Projekt auch hilfreich für die Helfer selbst sein könne, insbesondere für junge Leute: Sie könnten mit ihrem freiwilligen Engagement „Sozialpunkte“ erwerben, die ihnen zum Beispiel bei der Suche nach einem Studienplatz in Sozialpädagogik weiterhelfen würden. „Ihren Einsatz können wir entsprechend bescheinigen“, betont Christina Otrzonsek. (red)

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